Larry Garfield über Drupals Politik der verbrannten Erde
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Da offenbar die Diskussionen um Drupal 8 und die Zukunft der Drupal Community in ihrer Heftigkeit zugenommen haben, sah sich Larry Garfield auf den Plan gerufen. Schon acht Jahre ist er dabei und arbeitet

Da offenbar die Diskussionen um Drupal 8 und die Zukunft der Drupal Community in ihrer Heftigkeit zugenommen haben, sah sich Larry Garfield auf den Plan gerufen. Schon acht Jahre ist er dabei und arbeitet inzwischen als Advisory Board Member in der Spitze der Drupal-Entscheider mit. Diese Position nutzt er nun, um unter anderem das Bashing gegen den jungen Drupal-Fork Backdrop zu ersticken.

Unter dem Titel Dropping Forward hat er nun ein Essay veröffentlicht, in dem er erläutert, wie es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Debatten gekommen war, dass bei den großen Drupal Core Updates viele kleine Projekte auf der Strecke blieben. Mit Drupal 8 erwartet die Community diesbezüglich einen neuen Höhepunkt. Aber der große Knackpunkt in der Karriere des Content Management Systems sei schon mit Version 7 erreicht gewesen, wie Garfield sagt.

Drupal’s complexity, and with that its system requirements, have increased with every version in the 8 years I’ve been working with Drupal. I would actually argue that it was Drupal 7 that really broke the „casual shared host“ user base. Anyone using Drupal 7 without an opcode cache is simply doing it wrong, because the code base is large enough that it won’t scale well at all without one.

Überraschenderweise erklärt Garfield, dass Drupal 8 auch für Nichtentwickler einen großen Schritt nach vorne bedeute. Content Modeling sei dank der neuen Überlegungen, die in den vergangenen drei Entwicklungsjahren unter der Haube eingeflossen sind, einfacher denn je. Auf Entwicklerseite soll man verstehen, dass Drupal sich damit zu einer Lösung für komplexere Probleme mausern will, die auf lange Sicht auch für den einfachen Drupal-Entwickler profitabler sein werden. Garfield sagt dazu: „Small sites become a ’solved problem‘, and moving up market is the natural movement.“

Dennoch sagt er, dass Drupal 8 auch neue Ansätze bieten wird, um sich auf kleine Projekte herunter zu skalieren. Während man mit Drupal 7 noch einen Monolithen vorgefunden hat, wird D8 modular aufgebaut sein und neue Möglichkeiten zum Komponieren des Systems liefern. Damit will Drupal seine Angriffsfläche vergrößern und sowohl die komplexen Websites der Fortune 500 Unternehmen als auch einfache Visitenkarten-Websites abdecken.

Die Politik der verbrannten Erde

Im nächsten Teil räumt Garfield ein, dass Drupal als Gesamtprojekt langfristig nicht davon profitieren kann, dass es seine User bisher immer zum kompletten Fallenlassen eines alten Projektes ermutigt hat, um auf die neue Version umzusteigen. Das Problem der Abwärtskompatibilität habe man bewusst nie wirklich bedacht. Dies stellt zwar die tollen neuen Features aktueller Versionen schön in den Mittelpunkt, bietet Entwicklern aber keine langfristige Sicherheit, wozu er ausführt:

That immediately draws attention to the next shiny without needing to think about non-breaking evolution. That may sound fun, but believe me it’s really not. And it’s not a good plan for the long-term health of a project.

Mit Drupal 8 sei es zum ersten Mal möglich, die Plattform im Kern weiterzuentwickeln, ohne die APIs anzugreifen. Doch leider sind nicht alle Entwickler davon zu begeistern, da diese Möglichkeit mit einem stark erhöhten Abstraktionsniveau des Cores einherging.

Und hier kommt Garfield zum nächsten Kritikpunkt, den er zu oft gehört hat: „Novice developers can’t handle fancy architecture“. Und er räumt ein, dass die Architektur von Drupal 8 erheblich zeitaufwändiger zu lernen sein wird. Doch blickt er hierbei in die Vergangenheit, in der er beobachtet hat, dass sich diese Probleme am Markt von alleine lösen. Zwar werden Drupal-erfahrene Entwickler umlernen müssen, doch junge oder reine PHP-Entwickler werden mit dem objektorientierten Modell sogar besser zurecht kommen, erwartet er. Allen anderen werden schon jetzt Kurse angeboten, in denen das neue API und die Architektur vermittelt werden – wobei Garfield anmerkt, dass das API nocht nicht ganz eingefroren wurde und man diese Kurse mit Vorsicht genießen sollte.

Was sagt Ihr? Wird Drupal 8 für die Community ein Kulturschock oder wird Garfields Optimismus sich in den kommenden Jahren bestätigen?

Aufmacherbild: drop von Shutterstock / Urheberrecht: Akira Tetsuka

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