Lehrmeister aus dem TV: Das können UX-Designer von Talkshows lernen
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Ein gutes User-Experience-Design braucht mehr als ein hübsches Layout – das sollte inzwischen wohl jedem Designer bekannt sein. Eine angenehme Nutzerführung mit einer intuitive Navigation und ein stimmiges Gesamtprodukt sind mindestens genauso wichtig.

Um dieses Ziel zu erreichen, können sich User-Experience-Designer ein Vorbild an der Arbeit anderer Berufsgruppen nehmen. Hannah Atkin hat vor ihrer Zeit im UX-Design für eine TV-Talkshow gearbeitet und berichtet, welche Erfahrungen aus dieser Zeit ihr heute noch zugutekommen.

Gute Recherche

Ein gutes Interview beginnt, genau wie ein gutes Design, mit einer ausführlichen Recherche. Ein Interviewer muss den Background des Gegenübers kennen, um die richtigen Fragen stellen zu können – und ein Entwickler sollte sich mit seiner Zielgruppe und der Konkurrenz auseinandersetzen. Indem ein neues Produkt in seinen Kontext gestellt wird, werden die Fehler der Konkurrenz und die Bedürfnisse der Kundschaft ersichtlich.

Auch im direkten Kontakt mit den Usern eines Produkts können UX-Designer viel von Journalisten lernen. Offene Fragen laden den Gesprächspartner zum Erzählen ein, und etwas Geduld hilft oft dabei, bessere Antworten zu bekommen. Schweigt der Interviewer nämlich, wird sein Gesprächspartner dazu verleitet, doch noch ausführlicher auf die vorherige Frage zu antworten. Die Gesprächsatmosphäre sollte dabei locker sein, unverkrampft. Sonst wird der Gesprächspartner schnell eingeschüchtert. Durch die Aufforderung, tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, fällt es dem Befragten darüber hinaus nicht nur leichter, einfach drauf los zu reden, er wird auch viel mehr wertvolle Details preisgeben.

Die Geschichte

Geschichten sprechen Menschen an. Sie laden nicht nur zum Erzählen ein, sondern bleiben auch im Gedächtnis. Eine gute TV-Talkshow lebt davon, aber auch UX-Designer können vielfältig von der Macht des Storytelling profitieren. Einerseits ist es sinnvoll, den Usern im Produkt eine Geschichte zu erzählen, sodass sie eine Verbindung dazu aufbauen und wiederkommen. Andererseits helfen Geschichten aber auch dabei, Produkte von Anfang an userfreundlich zu gestalten.

Im Entwicklungsprozess treffen viele unterschiedliche Bedürfnisse und Ideen aufeinander. Diese abzustimmen und zu vereinen ist oft nicht einfach. Leichter wird es, wenn die Idee hinter einem Produkt selbst zu einer Geschichte wird – der Geschichte, die der User am Ende im Produkt erleben soll. Dadurch wird eine gemeinsame Vorstellung erzeugt, die alle Beteiligten durch das gesamte Projekt begleitet. Anhand der Geschichte kann abgeglichen werden, ob das Projekt noch auf dem richtigen Weg ist.

Und Action!

Eine Geschichte lebt aber ja vor allem von ihrer Handlung. In einer Produktgeschichte werden darum die User-Interaktionen zu lebendigen Szenarios. Die Frage nach dem genauen Design dieses oder jenes Buttons tritt in den Hintergrund. Vielmehr steht der Weg des Users durch das Produkt im Zentrum. Woher kommt er, was motiviert ihn, genau jetzt und hier zu klicken, wohin möchte er danach weiter gehen? Aus diesen Szenarios kann dann bereits im Entwicklungsprozess eine erste Journey Map erstellt werden, die die erwarteten Wege und Entscheidungen der zukünftigen Nutzer abbildet. Dadurch entsteht eine neue Perspektive auf das Produkt, mögliche Stolpersteine und Konflikte mit der Produkt-Geschichte werden sichtbar. Auch im fertigen Produkt bietet es sich an, diese Perspektive beizubehalten. Eine Journey Map, die das tatsächliche Nutzerverhalten abbildet, ist sehr wertvoll, um die User Experience weiter zu optimieren und Produkte stetig zu verbessern.

Am Ende unterscheiden sich die Faktoren, die eine guter User Experience im Web ausmachen, gar nicht so sehr von denen, die in anderen Bereichen der Unterhaltungsindustrie über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. In allen Branchen ist es wichtig zu verstehen, was Menschen begeistert. Insofern ist ein Blick über den Tellerrand für das UX-Design sehr wertvoll. Denn das, was TV-Talkshows richtig machen, kann ein guter Ausgangspunkt sein, um das Web noch nutzerfreundlicher zu gestalten.

Aufmacherbild: Designer Desk via Shutterstock.com / Urheberrecht: Bartosz Budrewicz

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