Interview mit Sebastian Jäschke

Managed-Root-Cloud: die Vorteile des neuen Clouddienstes
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Cloudservices spielen eine immer größere Rolle. Damit verbunden gibt es immer mehr Hosting-Services auf dem Markt. Eines dieser neuen Hosting-Angebote ist zum Beispiel die Managed-Root-Cloud – ein Cloudservice, der sich besonders – aber nicht nur – durch sein günstiges Preis-/Leistungsverhältnis auszeichnet. 

Wir haben mit hostNet-Gründer Sebastian Jäschke über die neue Cloudlösung gesprochen.

Die Managed-Root-Cloud: der nächste Schritt der (Hosting-) Evolution?

Ihr habt vor einem Jahr die Dedicated Managed-Root Server gelauncht. Was genau ist der Knackpunkt an der Sache?

Sebastian Jäschke: Wir haben vorher reine Managed Systeme angeboten, da unsere Kunden vor allem „keinen Stress“ haben wollen. Die Ansprüche unserer Kunden entwickelten sich natürlich in den letzten 20(!) Jahren unserer Firmengeschichte immer weiter und häufig brauchen die Projekte doch das eine oder andere Extra. Solche Extras brechen aber das Grundprinzip des Managed Systems: du kannst nicht managen, was du nicht beherrschst.

Mit Managed-Root haben wir ein Serversystem geschaffen (modifizierter Kernel, Hardwaretreiber, Filesystem etc.), das genau diesen Spagat schafft: Wir können das System und seine Grunddienste (Webserver, Mail, FTP, Datenbanken etc.) weiterhin managen und dennoch erhält der Kunde echte root/UID 0-Rechte für Dinge, die sonst einen Root-Server – mit all seinen Risiken – benötigen.

Jetzt habt ihr die Managed-Root-Cloud nachgelegt – war das der nächste logische Schritt in der Evolution?

Sebastian Jäschke: Unbedingt! Das Managed-Root-System ist von den Kunden mit Begeisterung aufgenommen worden, jedoch ist – trotz des sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses – ein physikalischer Server zu 119€/mon nicht für alle Projekte geeignet. Wir sind vom ersten Tag an gefragt worden, ob es nicht sowas auch für kleine und/oder neue Projekte geben könnte.

Unsere Managed-Root-Cloud-Server sind aber nicht nur extrem günstig (ab 0.02€/h), sondern bieten eine Kombination konkurrenzloser Möglichkeiten: cloneworx® Technologie mit Staging-, Snapshot- und Cloning-Features, einzelne Skalierung der Ressourcen, das besagte Managed-Root Serversystem usw.

Die Anpassung der Ressourcen betreibt ihr aber nicht nur in Skalierung nach oben, sondern auch nach unten. Wie feingranular kann man mit der Managed Root Cloud letzten Endes wirklich skalieren?

Sebastian Jäschke: Ja, man kann nicht nur aus vorgegebenen „Leveln“ auswählen, sondern auch CPU, RAM und Storage einzeln verändern. Dein Projekt braucht z.B. viel CPU, aber kaum Plattenplatz? Oder viel Storage und kaum RAM? Nicht ungewöhnlich – deshalb bieten wir jetzt die Möglichkeit dies so einzustellen.

Auch gibt es keine Mindestlaufzeit für den Server. Du kannst einen Server erstellen, verändern und löschen wann immer Du willst.

Screenshot Cloud Setup

Screenshot: Cloud-Setup-Level

Wie wirkt sich das auf den Preis des Pakets aus?

Sebastian Jäschke: Grundsätzlich rechnen wir die Cloud Server sekundengenau ab. Natürlich ohne Einrichtungsgebühr.

Ändert man die Parameter (CPU, RAM, HDD) des Cloudservers, so ändert sich auch der Preis entsprechend rauf und runter – direkt nach der jeweiligen Änderung. Du kannst hier also wirklich entscheiden, was Du bezahlst.

Wir glauben, dass die Anbieter, die nur vorgefertigte Level oder sogar nur Upgrades nach oben anbieten, den Wünschen der Kunden nicht gerecht werden. Dafür gibt es zu viele individuelle Anforderungen. Denen kommen wir hiermit nach.

Insgesamt liegen wir mit all unseren Features dennoch sehr frech im preiswerten Niveau „normaler“ Cloudserver.

Du hast auch Staging-, Snapshot- und Cloning-Features erwähnt – wie spielen die zusammen?

Sebastian Jäschke: Nehmen wir hier doch ein Beispiel aus der echten Welt: Ein Kunde mit einer WordPress-Webseite möchte ein Update durchführen.

Das klingt trivial, führt aber sehr häufig zu einer Webseite, die plötzlich nicht mehr online ist. Jeder hat das schon erlebt – zu oft spielt doch irgendetwas nicht mit. Sei es WordPress, seine Module, mysql oder die installierte PHP-Version. Deswegen haben sehr viele Nutzer eine mächtige Angst davor und fühlen sich überfordert. Am Ende veralten solche Webseiten und werden irgendwann von einem Hack heimgesucht, der wahrscheinlich noch Schlimmeres verursacht.

Mit den cloneworx® Funktionen unserer Managed-Root Cloud macht man Folgendes:

  1.  Du erstellst einen Klon der produktiven Seite.
  2.  Danach einen Snapshot des Klons.
  3. Jetzt testest du auf diesem Klon das Update. Wenn etwas schief geht, sucht man auf die übliche Weise (Google und andere Freunde) nach der Ursache und deren Lösung.
  4. Schritt 3 wiederholst Du immer wieder, indem du mit einer möglichen Lösung zurück zum ursprünglichen Snapshot (Schritt 2) gehst und es erneut probierst.
  5. Früher oder später hat man den korrekten Weg zum Update ohne Fehler. Jetzt geht man diesen Weg auf seiner produktiven Seite und löscht den Klon.

Das lässt sich natürlich auf alle CMS oder auch selbst programmierte Systeme übertragen. Auch auf viele andere Dinge, die man nicht sofort auf seiner öffentlichen Webseite machen möchte.

Vorteile der Managed-Root-Cloud

Warum sollte ich das bei euch in der Cloud machen und nicht direkt zum Beispiel mit Docker bei mir auf dem Rechner?

Sebastian Jäschke: Weshalb sollte ein Benutzer, der zur Vereinfachung seiner Arbeit ein CMS benutzt und dort schon Respekt vor technischen Problemen, hat zusätzlich ein komplett neues System aufbauen, um sowas zu machen? Ich bin mir sicher, Docker hat seine Berechtigung, aber mit unseren cloneworx® Features machst du so etwas mit einfachen Mausklicks. In der Zeit hast du nicht mal den ersten Container aus dem Internet zu dir auf deinen Rechner gezogen. Auch andere, typische Features von unserer Cloud, lassen sich nicht mit Docker realisieren.

Und auch hier – sollte man nicht vielmehr gemanagte Funktionen benutzen, statt sich dann zusätzlich bei Docker um Updates, Sicherheitsaspekte etc. zu kümmern? Alle Anwender – egal ob Agenturen, Freelancer oder Direktkunden – haben sicher genug wichtige Aufgaben.

Wo siehst du also die Zielgruppe eurer Cloud?

Sebastian Jäschke: Agenturen, Freelancer und Direktkunden – so unglaublich es klingt, aber jeder kann hier seinen Vorteil herausholen. Genau deshalb gibt es cloneworx® und die unvergleichlichen Möglichkeiten, das Produkt exakt an dein Bedürfnis anzupassen. Eine weitere Funktion, die besonders für Agenturen und Freelancer wichtig ist, ist das Einfrieren und Auftauen von ganzen Servern. Auf diese Weise erstellst du für kommende Kundenprojekte Templates und ersparst dir die ständigen Grundinstallationen. Das sind oft viele unnötige Stunden in einer Agentur.

Mit cloneworx® „taust“ du einfach ein Template auf und machst nur noch die inhaltlichen Änderungen für den Kunden. Übrigens: wir machen unsere Updates auch in einem eingefrorenen Server. Du hast also immer ein frisches System.

Oder jemand, der ein neues Design testen will, erstellt einfach einen Klon und kann es online ausprobieren und z.B. nur dem Kunden, aber nicht den Besuchern der ursprünglichen Seite zeigen.

So kannst du die Arbeit mit deinen Projekten generell online durchführen und erleichterst die Zusammenarbeit mit externen Kollegen und den Kunden. Übrigens steht unsere Technik nur in Deutschland und bietet Datenschutz und Datensicherheit nach deutschen Gesetzen.

Wie handelt ihr die Snapshots und Backups, von denen du gesprochen hast?

Sebastian Jäschke: Beide werden auf Dateisystemebene erstellt und es dauert deshalb nur wenige Sekunden bis ein vollständiges Abbild erstellt ist. Der Unterschied ist schlicht: ein Backup ist ein automatischer Snapshot. Einen Snapshot kannst du jederzeit manuell über das Kundeninterface erstellen, oder auch über die API, die wir später in diesem Jahr liefern. Diese erlaubt dem Profi noch einiges mehr an Automatisierung.

Ein gewaltiger Unterschied zu normalen Backups oder Snapshots ist die Möglichkeit des Benutzers, jederzeit hineinzuschauen. Die Backups und Snapshots sind in deinem Cloud-Server read-only gemounted. Du kannst also Dateien öffnen, in sie hineinschauen, einzelne Dateien bzw. ganze Ordner zurückkopieren oder über das Interface (später auch über API) den gesamten Zustand des Backups/Snapshots wiederherstellen.

Wie löst ihr dabei das Storage-Problem?

Sebastian Jäschke: Unseren Storage sehen wir gerade als weitere Lösung – nicht als Problem. Auch wenn ich natürlich verstehe, was du meinst. Beim optionalen Langzeitbackup, das wir auch anbieten, werden die Daten auf einem getrennten System gesichert. Unsere Cloud-Server arbeiten aber tatsächlich wie große Clouds mit einem Pool von „Denkmaschinen“ (ohne Datendisks) und RAID6-Storagesystemen. Auf solchen Storages erlangen wir durch redundante Hardware, BBUs usw. eine unglaubliche Ausfallsicherheit.

Ein Anbieter, der dir z.B. SSD-Platten in seiner Cloudlösung verkauft, hat meist CPU und Datendisks auf demselben physikalischen Gerät. Sonst profitierst du oft nicht wirklich von den SSD Platten. Das birgt aber erhebliche Nachteile in der Uptime, Skalierbarkeit usw. Und crashed ein solches System, kann der Cloud-Server nicht kurzfristig auf einem anderen System hochgefahren werden. Also keine Cloud im Sinne von verteilten Ressourcen. Im Gegensatz dazu können bei uns Server auf abgestürzten Denkmaschinen in wenigen Sekunden auf aktive Maschinen im Pool umgesetzt werden. Die Downtime ist also minimal. Kurzfristig wird es sogar echte HA-Optionen geben.

Wir binden unsere RAID6-Storages über ein spezielles 20GBit/s-Netzwerk an. Dadurch erreichen wir produktive Plattendurchsätze, die weit über lokalen SATA-Platten liegen und knapp unter denen von lokalen SSD-Platten, aber ohne deren Nachteile. Ich bin sicher, wir liefern hier die sicherste und schnellste Kombination in diesem Segment.

Vielen Dank für dieses Interview!

Zur Person: Sebastian Jäschke gründete vor über 20 Jahren den Provider hostNET – damals der erste Anbieter in Europa, der sich nur auf Reseller konzentrierte und seither die Technik für viele Internetanbieter in Deutschland und Europa liefert. Ende 2013 öffnete sich hostNET mit seinen neuartigen Managed-Root Servern auch dem breiten Kundenmarkt. Noch heute ist Sebastian Jäschke nicht nur Geschäftsführer des Unternehmens, sondern nach wie vor aktiver Systemprogrammierer und massgeblich an den Techniken des Managed-Root Systems und der neuen Cloudlösung beteiligt.

Aufmacherbild: Cloud computing flowchart with businessman over skyline background von Shutterstock / Urheberrecht: Melpomene

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