Alte Ideen in neuen Kleidern

Mit vier Tipps zum Erfolg an übersättigten Märkten
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Nagelneue, innovative Produkte sind vergleichsweise leicht zu vermarkten. Der Kunde muss verstehen, dass genau dieses Produkt noch in seinem Leben gefehlt hat und schon kauft er es. Doch wie sieht es aus, wenn der Markt eigentlich schon übersättigt ist? Wer braucht schon noch einen T-Shirt-Anbieter – oder noch eine Wecker-App? Ein Produkt am Markt zu platzieren, das sich gegen viel Konkurrenz behaupten muss, ist ungleich schwerer.

Das heißt allerdings nicht, dass neue Produkte auf übersättigten Märkten zum Scheitern verurteilt sind. Wie man auch unter diesen schwierigen Umständen Erfolg haben kann, erklärt Joshua Kraus in seinem Artikel.

Kanadische Verhältnisse

Der kanadische App-Markt ist bereits jetzt übersättigt. Das fand eine aktuelle Studie von GruopM und der Marketing-Agentur Catalyst heraus. Trotz wachsender Smartphone-Nutzerzahlen geht in Kanada die Zahl der App-Downloads spürbar zurück. Das deckt sich auch mit der Prognose der IDC für das Jahr 2015. Sie geht zwar davon aus, dass die Mobile-Branche weiterhin wachsen wird, sieht aber gerade auf die App-Märkte schwierige Zeiten zukommen. Auch Europa könnte diese Entwicklung bald erreichen.

Nischenmärkte

Um sich dennoch mit einem neuen Angebot am Markt behaupten zu können, braucht es Alleinstellungsmerkmale. Ein zentraler Punkt ist dabei das Finden einer geeigneten Nische. Ein neues T-Shirt-Label kann sich auf bestimmte Motive spezialisieren; eine Nische im Wecker-App-Markt besetzen beispielsweise Anwendungen, die den Alarm erst beenden, wenn Rechenaufgaben gelöst werden.

Durch die geschickte Wahl einer Nische wird die Zahl der direkten Konkurrenten eingeschränkt. Wer eine Wecker-App auf den Markt bringen möchte, deren Alarm sich nicht einfach per Snooze-Funktion beenden lässt, muss sich nicht mehr an allen anderen Wecker-Apps messen lassen, sondern nur noch an einer Teilmenge davon. Auch die Zielgruppe wird dadurch eingegrenzt, was das gezielte Marketing stark vereinfacht.

Problem erkannt – Problem gebannt

Nobody’s perfect. Das gilt auch für App-Anbieter und T-Shirt-Labels und jeden anderen vorstellbaren Markt. Egal welches Produkt verkauft werden soll, es wird etwas geben, das die Konkurrenz nicht gut macht. Genau diesen Punkt gilt es zu finden und zu verbessern. Auch dadurch entsteht ein Alleinstellungsmerkmal. Vielleicht bieten die bisherigen Wecker-Apps zwar entweder Logik-Rätsel oder Rechenaufgaben als Hürde zum Deaktivieren des Alarms, aber nicht beides. Oder es fehlt eine Funktion, die fürs Wochenende eben doch eine Snooze-Taste zur Verfügung stellt, ganz ohne dass Aufgaben gelöst werden müssen.

Hilfreich ist es hierbei, die Kundenmeinungen zu den Konkurrenzprodukten unter die Lupe zu nehmen. Was wird bemängelt, was gefällt den Kunden, was nicht? Diese Informationen sind wertvoll, wenn ein neues Produkt am Markt platziert werden soll. Wer um die Probleme der anderen weiß, kann es besser machen.

Trends im Auge behalten

Egal wie viele Angebote es schon gibt, die Kundschaft bleibt immer gierig auf Neues und Besseres. Vor allem wird sie von Dingen angesprochen, die aktuelle Trends aufgreifen. Die Modeindustrie arbeitet seit jeher nach diesem Prinzip: Erst werden Trends gesetzt, dann verkauft. Das funktioniert jede Saison wieder, auch wenn die Kleidung vom letzten Jahr doch eigentlich noch in Ordnung wäre.

Daran können andere Branchen sich ein Vorbild nehmen. Sind Superhelden gerade im Trend, kann selbst eine Wecker-App dieses Thema optisch aufgreifen. Darüber hinaus gilt es außerdem, die eigene Branche zu beobachten. Geht der Trend hin zur Einbindung bestimmter Shopping- oder Service-Kanäle? Dann sollte das in neu entwickelten Angeboten nicht fehlen, der Kunde wird es nämlich erwarten.

Spaßiger Mehrwert

Er ist das Sahnehäubchen auf dem Eisbecher: Der Mehrwert. Dem Kunden muss etwas geboten werden, wovon er persönlich profitiert. Toller Service, ein Kundenbindungssystem – oder vielleicht eine Highscore-Liste für die schnellsten Rechenkünstler am frühen Morgen oder Ränge, die es durch besonders schnell gelöste Logikrätsel in der Wecker-App zu verdienen gilt.

Kunden etwas zu bieten, woran sie über den eigentlichen Nutzen hinaus Spaß haben, bindet sie an ein Angebot. Etwas, das Spaß macht, bleibt in guter Erinnerung; wer Spaß hat, kommt zurück. Das gleiche gilt auch für Faktoren, die die Nutzung eines Produktes bequemer machen, etwa ein besonders leicht zu erreichender Kundenservice. Ein Mehrwert für den Kunden kann alles sein, was über die aktive Nutzung eines Angebots hinaus ein gutes Gefühl hinterlässt.

Märkte schaffen

Natürlich braucht am Ende streng genommen niemand noch eine Wecker-App. Oder noch einen T-Shirt-Shop. Wer aber geschickt an die Sache herangeht, kann Nachfrage dadurch erzeugen, sich auf vielfältige Weise von der Konkurrenz abzuheben. Interesse entsteht nämlich auch immer aus dem vorhandenen Angebot. Und dann muss nicht immer das Rad neu erfunden werden; es reicht auch, ein gutes neues Feature anzubieten um Erfolg zu haben. Denn auch, wenn ein Markt übersättigt ist, heißt das nicht, dass der Kunde das Interesse verloren hat. Es bedeutet nur, dass man ihm etwas besonders interessantes anbieten muss.

Aufmacherbild: little plant based on niche of the old brick via Shutterstock.com / Urheberrecht: SolarZebra

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