Offline First? Die neue Herausforderung an die User Experience
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Das Web ist ein Online-Medium und als solches erwarten User davon keine Offline-Funktionalität – zumindest nicht auf Desktops. Ein Faktor, der dabei eine große Rolle spielt, ist die Konditionierung des Users: bisher ist vielen Nutzern das Bedürfnis nach einer Offline-Funktionalität nämlich nicht bewusst.

Im Gegensatz dazu erwarten Nutzer von Smartphone-Apps, dass sie auch offline funktionieren; tatsächlich ist dies aber nur bei wenigen Apps der Fall. Christian Heilmann erklärt in einem Blogpost, warum jedoch genau dieses Bedürfnis nach Offline-Funktionalität gesteigert werden sollte und wo die Herausforderungen bei einem solchen Offline-First-Ansatz liegen.

Komfort statt Sicherheit durch Offline-Funktionalität

Es scheint, als gäbe es nicht nur hinsichtlich der Offline-Funktionalität unterschiedliche Ansprüche an Apps und Webanwendungen, sondern auch beim Sicherheitsaspekt. Viele User halten Apps für sicherer – immerhin kann man deren Download und Installation direkt im Smartphone-Display nachvollziehen, während dies bei Web-Apps nicht der Fall ist.

Dabei sind native Apps keineswegs sicherer, eher im Gegenteil, denn native Apps erfordern häufig deutlich mehr Rechte und bieten keine Anzeige, wann sie Daten aus dem Web empfangen oder dorthin senden. Genau diese „Terms and Conditions“-Anzeigen, die vor der Installation bestätigt werden müssen, werden von den meisten Usern aber nicht gelesen, denn:

We live in a world where we give away privacy and security for convenience.

Usern Offline-Funktionalität schmackhaft machen

Umso wichtiger ist es also, den Usern bewusst zu machen, dass eine Offline-Funktionalität viele Vorteile bietet, nicht zuletzt, was die Sicherheit angeht. Einige Browser-Hersteller, aber auch Framework-Entwickler wie Meteor arbeiten bereits an einem Offline-Web, und auch Local-Storage-Lösungen helfen auf dem Weg dorthin. Das Problem dabei ist allerdings die User Experience.

Bisher gibt es nämlich keine Hinweise, dass manche Browser-Funktionen auch offline funktionieren; dementsprechend muss dies dem User irgendwie mitgeteilt werden, wodurch die User Experience beeinträchtigt werden kann.

Natürlich ist es auch einfacher, seine Daten über die Cloud mit allen Devices zu synchronisieren. Die Frage, die sich dabei stellt, ist allerdings, ob es wirklich nötig ist, alle seine Daten in der Cloud zu speichern. Die meisten Smartphones bringen heutzutage bereits ausreichend Hardware-Ressourcen mit, um dort Daten zu speichern und zu nutzen, warum sollten sie also nicht genutzt werden?

Es zeigt sich, dass es weniger eine Frage ist, ob Offline-Funktionalität ein Muss ist, sondern eher, wie man sie Usern schmackhaft machen kann. Hierzu muss man dafür sorgen, dass sie als Mehrwert angesehen werden und nicht als Verschlechterung des Komforts und, infolgedessen, der User Experience. Sicher keine leichte Aufgabe – allerdings eine, der sich am Ende für alle Beteiligten, sei es Entwickler oder User, lohnen dürfte.

Aufmacherbild: metaphor humour design on blackboard, online vs offline von Shutterstock / Urheberrecht: faithie

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