Wie sich die Performance einer Website auf drei Ebenen überwachen lässt

Virtueller Rum? Wie Performance Management richtig geht
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Es ist der Traum jedes Webmasters: Die Werbekampagne geht viral, die Kundenzahl explodiert! Was gibt es besseres für einen Onlineshop als so einen Glücksfall? Problematisch wird es aber dann, wenn der Server nun plötzlich in die Knie geht. Das kann den ganzen Marketingerfolg ruinieren! Um das zu vermeiden und weitere Performance-Probleme rechtzeitig zu erkennen, stehen aber glücklicherweise verschiedene Optionen zum Testen und Überwachen eines Webangebots zur Verfügung.

Die perfekte Marketingmaßnahme ist nur eines von vielen vorstellbaren Szenarien, die zu einer schlechten Performance führen können. Probleme treten häufig schon viel früher auf: Meist reicht schon ein kleiner Fehler aus, um die Funktionsfähigkeit einer Website einzuschränken. Und auch das ist schlecht für das Geschäft. Wer das vermeiden möchte, sollte rechtzeitig über die richtigen Maßnahmen zum Performance Management nachdenken.

Dafür gibt es nun aber verschiedene Ansätze, wie James Urquhart erklärt. Einerseits können die realen Interaktionen der Nutzer mit einer Website überwacht werden, andererseits stehen synthetische und virtuelle Nutzer zur Verfügung, um verschiedene Aspekte der Performance eines Angebots zu testen und zu überwachen. Jeder Ansatz hat allerdings seine Vor- und Nachteile, sodass keiner für sich alleine genommen eine Lösung für alle Probleme des Performance-Managements darstellt.

RUM

Das Real User Monitoring (RUM) ist dabei in gewisser Weise das Herzstück aller Maßnahmen im Performance Management. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Wer weiß, wie die Nutzer tatsächlich mit einer Website interagieren, kann real existierende Probleme lösen. Die erfassten Daten sind dabei vielfältig. Anders als bei allen künstlichen Monitoring-Maßnahmen wird hier die gesamte Bandbreite verwendeter Devices sichtbar, sodass sich Rückschlüsse auf die Bedürfnisse bestimmter Nutzergruppen ziehen lassen. Wenn Transaktionen von Nutzern bestimmter Tablets beispielsweise besonders oft an einer einzigen Stelle abgebrochen werden, liegt hier ein Problem vor. Diese Daten kann nur das RUM erfassen.

Andererseits ist das RUM-Monitoring aber keine Wunderwaffe gegen alle Probleme mit der Performance eines Webangebots. So ist es zwar zu einem gewissen Grad möglich, anhand der vorliegenden Daten Theorien über das künftige Verhalten einer Website aufzustellen; um sicheres Wissen handelt es sich dabei jedoch keinesfalls. Wer also annimmt, dass eine Website bis zu einer bestimmten Auslastung gut funktionieren wird, kann sich auch irren. Auch steht diese Art des Monitorings natürlich nicht für Funktionen zur Verfügung, die noch in der Produktion befindlich sind oder gerade nicht von einem User verwendet werden.

Bei dieser Art der Performance-Überwachung werden aber auch Daten zum Verhalten von Drittanbieter-Anwendungen innerhalb des Angebots erfasst – und gerade die sind es ja häufig, die die Geschwindigkeit einer Website negativ beeinflussen, insbesondere beim mobilen Surfen. Dadurch wird das RUM zu einer wertvollen Möglichkeit, Einblick in die genauen Vorgänge hinter der Ladezeit und dem –verhalten einer Website zu erhalten. Manche Tools bieten auch eine Alarm-Funktion an, die den Webmaster benachrichtigt wenn sich bestimmte überwachte Werte außerhalb vorher festgelegter Parameter befinden. Es handelt sich am Ende also um eine Art „Google Analytics on steroids“, wie Apica’s Peak Performance Blog schreibt.

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Synthetische Nutzer

Wer allerdings bereits während der Produktion wissen möchte, wie sich bestimmte Teile eines Webangebots später verhalten werden, muss zu anderen Überwachungstools greifen. Eine Option stellen dabei synthetische Nutzer dar, die gut dazu geeignet sind, spezifische Fragen zur Webperformance zu beantworten. Wer also wissen möchte, ob ein bestimmtes Feature tut was es soll, generiert per Skript einige synthetische Nutzer, die genau darüber Auskunft geben.

Genau diese Skripte sorgen aber dafür, dass diese Art der Überwachung nicht über alle Teile einer Website Auskunft geben kann. Es handelt sich um Momentaufnahmen, kein Gesamtbild. Trotzdem können viele Informationen erfasst werden, die das RUM komplettieren. So kann beispielsweise auch ein Performance-Vergleich mit der Konkurrenz oder einer früheren Version der Website erstellt werden, wodurch sich die erfassten Momentaufnahmen immerhin in einen Kontext stellen lassen.

Virtuelle Nutzer

Allerdings stößt auch diese Methode an ihre Grenzen, wenn es um die Simulation außergewöhnlicher Auslastungssituationen oder Probleme mit seltener genutzten Teilen der Anwendung geht. Die Skalierbarkeit synthetischer Nutzer lässt nämlich zu wünschen übrig, sodass hier nun virtuelle Nutzer ins Spiel kommen. Diese eignen sich sehr gut dazu, eine Baseline für die Performance einer Website festzulegen oder herauszufinden, wie diese sich das Backend verhält, wenn eben doch einmal unerwartet viel Traffic anfällt.

Ein weiterer Vorteil des Load Tests mit virtuellen Nutzern liegt darin, dass der Test kontinuierlich durchgeführt werden kann. So kann ständig überprüft werden, ob sich die Grundperformance einer Website verbessert oder verschlechtert hat, eine Skalierung kann in Abhängigkeit des aktuellen Bedarfs jederzeit vorgenommen werden. Da diese Art des Tests aber auf das Backend ausgerichtet ist, kann damit nicht erfasst werden, wie sich verschiedene Devices auf die Performance einer Website auswirken.

Stattdessen sind diese Tests aber gut dazu geeignet, um zu erfassen, wie sich Änderungen am Code auf das Verhalten einer Website auswirken oder wie sich das Backend unter verschiedenen Belastungen verhält. Diese Art des Testens kann also in den Entwicklungszyklus einer Website integriert werden, sodass mit wenig Aufwand ständig ein aktueller Status zur Backend-Performance vorliegt. Dafür stehen inzwischen viele skalierbare Cloudlösungen zur Verfügung.

Vor- und Nachteile überall

Wer die Performance seiner Website also testen oder überwachen möchte, muss zuerst entscheiden, was er wissen möchte. Wer sich nur auf die Überwachung der laufenden Performance fokussiert, kann schlecht auf plötzliche Veränderungen reagieren; wer nur testet, aber nicht überwacht, bekommt kein vollständiges Bild der Performance seiner Website zu sehen.

Dass es aber unheimlich wichtig ist, beide Aspekte im Blick zu behalten, zeigen zahlreiche Beispiele aus den vergangenen Jahren. So hatte sogar Apple während des Release des iPhone 6 damit zu kämpfen, dass ihre Server dem Andrang nicht gewachsen waren. Es passiert also auch den bekanntesten Spielern der Branche einmal, dass das Backend seine Performance-Grenzen erreicht. Das sollte wohl allen anderen zur Warnung genügen, dieses Thema ernst zu nehmen. Immerhin ist es meist deutlich günstiger, im Voraus zu testen, was passiert wenn etwas passieren sollte, als nach einer Downtime die verprellten Kunden erneut anzulocken.

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