Zwei Universen: Psychologie und Design

Der Weg zum Erfolg: Die Psychologie des App- und Webdesigns
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Je besser der Designer die Prinzipien der psychologischen Wirkung beherrscht, desto gezielter kann er den Nutzer durch eine spezifische Gestaltung ansprechen und von seinem digitalen Produkt überzeugen. Die gemeinsame Schnittstelle beider Ansätze ist der Mensch.

Einige Websites sehen modern und schön aus. Sie sind jedoch unter kommerziellen Gesichtspunkten wenig erfolgreich. Andere sind eher schlicht und einfach. Ihre Wirkung kommt jedoch dem eines Magneten gleich und sie sind damit die Basis für ein erfolgreiches Projekt. Schon lange ist bekannt, dass man den künftigen Nutzer bei der Gestaltung von Benutzeroberflächen stets im Blick haben muss. Was erwartet er? Wie möchte er angesprochen werden? Mit welchen Elementen kann er gefesselt und ihm Freude bereitet werden, wenn er die App bedient oder die Website besucht?

Viele Aspekte spielen in diesen Bereich hinein: Farben, Layout, Schriftarten, Bilder und Nutzeransprache. Die Summe dieser Teile wirkt auf den Anwender und sollte ein stimmiges Gesamtbild vermitteln. Entwickler – eher technisch fokussiert – tun sich damit bekanntermaßen schwer. Oft trennt man die Aufgabenbereiche in technische Entwicklung und Design. Designer sollen die Brücke zum Nutzer bauen. Dabei müssen sie die psychologischen Aspekte beachten. Mit anderen Worten: Welche Wirkung entfalten Designentscheidungen auf die Nutzer? Oder andersherum: Wie kann man eine bestimmte Wirkung erreichen?

Wann und warum wird geklickt?

Wie sollte eine Website aufgebaut sein, damit die Nutzer sie attraktiv finden und motiviert sind, auf ihr zu verweilen? Nur wenn der Nutzer ein inneres Interesse hat und von dem Produkt fasziniert ist, wird er es wieder und wieder nutzen. Die Wirkung einer Site kann ihm vertrauenswürdig erscheinen oder sie wirkt fremd und vielleicht sogar verdächtig. Gefällt dem Nutzer die Site, dann fühlt er sich wohl und ist vielleicht bereit, sich intensiver mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Menschen sind soziale Wesen. Sie brauchen Interaktion und Kommunikation. In erster Linie geht es natürlich um ein menschliches Miteinander. Bei Websites betrifft es die Onlinekommunikation und -interaktion. Besucht der Nutzer eine Website, so wünscht er sich, dass diese richtig und angemessen auf seine Aktionen reagiert. Wird er beispielsweise unmittelbar nach persönlichen Informationen gefragt, kann es ihm so vorkommen, als ob ein Fremder etwas Persönliches von ihm wissen möchte.

Man muss also abwägen, an welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt es notwendig ist, dass sich der Nutzer identifiziert. Kann man ihm die gewünschten Informationen auch anonym zur Verfügung stellen, hat das einen vertrauenswürdigen Aspekt. Interessiert er sich für das Angebot, wird er freiwillig zurückkehren. Dieses Prinzip kennt man zur Genüge. Ein Unternehmen wirbt damit, gut aufbereitete Informationen zum Beispiel in Form eines Whitepapers oder eines kostenfreien E-Books anzubieten. Bevor man jedoch den Downloadbutton erreicht, muss man allerlei Daten von sich preisgeben. Das ist nicht ohne Wirkung. Der Nutzer nimmt an, dass er anschließend eine Vielzahl von E-Mails erhalten wird. Dadurch steigt das Interesse am Produkt nicht nennenswert – im Gegenteil: Wenn sich eine Website die gerade eingegebenen Informationen nicht merkt, kann es den Nutzer schnell verärgern. Er kann den Eindruck gewinnen, als kommuniziere er mit einer Person, die nicht wirklich zuhört.

Zusammengefasst: Menschen übertragen ihre Erfahrungen aus dem Offlineleben in die digitale Onlinewelt. Das menschliche Gehirn kann nicht anders. Dieses Wissen sollten Entwickler und Designer bei der Gestaltung digitaler Produkte unbedingt berücksichtigen. In der Tat ist es so, dass der Besucher im Bruchteil einer Sekunde eine unbewusste Entscheidung über die Vertrauenswürdigkeit einer Site trifft. Diese Entscheidung ist von vielen Faktoren abhängig. In diesem Fall natürlich stark von oberflächlichen Aspekten des User Interface. Es liegt am Layout, an den Bildern, den gewählten Farben, den Formen und dem Aussehen der Textfelder. Ebenso spielen die Schriftgröße, die Schriftart und der Abstand der Zeichen und Zeilen eine Rolle.

Menschen brauchen Motivation und um motiviert zu bleiben sind Erfolgserlebnisse notwendig. Der Nutzer sollte spüren, dass er die Kontrolle über die Situation hat. Übertragen auf Websites heißt das: Die Site sollte leicht und intuitiv zu bedienen sein. Der User sollte sich sofort zurechtfinden und das Gefühl haben, sein Ziel schnell erreichen zu können. Je kürzer die Entfernung zum gewünschten Ort ist, desto motivierter sind die Nutzer. Eine Aufgabe, die bewältigt ist, löst sofort ein Glücksgefühl aus. Ziel sollte demnach sein, mit möglichst wenig Arbeit eine Aufgabe erledigen zu können. Eine gute Website kann man mit den Augen im Vorbeigehen scannen. Sie ist übersichtlich und die Nutzer können sofort erkennen, worum es geht.

Man sollte dem Nutzer möglichst viel Arbeit abnehmen, zum Beispiel beim Befüllen der Felder eines Webformulars. Ein weiterer Aspekt: Menschen machen Fehler und diesen Umstand mögen sie nicht. Entscheidend ist, wie die Website mit den Fehlern ihrer Nutzer umgeht – sie sollte sie einordnen. Dem Nutzer sind nur diejenigen Fehlermeldungen mitzuteilen, welche für ihn relevant sind. Fehlermeldungen, die für den Benutzer keinen Sinn machen, sind zu vermeiden. Neben der eigentlichen Fehlermeldung gehört auch ein Lösungsvorschlag dazu, wie der Fehler schnell und unkompliziert behoben werden kann. Auch dazu wieder ein Beispiel. Es ist notwendig, dass der Nutzer die AGBs der Site explizit bestätigt. Trotz Hinweis werden es viele Nutzer vergessen. Bei der Prüfung der Formulareingaben darf nicht nur auf diesen einen Fehler hingewiesen, sondern auch gleich alle anderen Daten verifiziert werden. Sind diese korrekt, dann muss der Nutzer nur noch das fehlende Kreuz setzen und die Transaktion ist gültig. Das schrittweise Prüfen der Eingaben gilt es zu vermeiden.

Zwischen Z- und F-Pattern

Das menschliche Auge folgt beim Betrachten einer Website bestimmten Mustern. Diese Erkenntnis ist beim Layout zu berücksichtigen:

  • Z-Pattern (Abb. 1): Auf diese Weise können die Anwender sich schnell und einfach einen Überblick verschaffen. In der Regel ist es so, dass an Position eins die Aufmerksamkeit des Nutzers beispielsweise durch ein Logo erregt wird. Auf dem Weg zwischen Position eins und zwei werden weitere interessante Informationen präsentiert. Bei kommerziellen Websites sind es Angebote, Produkte und Dienstleistungen. Position zwei wird oft durch eine Suchfunktion besetzt. Das geweckte Interesse wird durch die auf der Position drei dargestellten Inhalten befriedigt. Auf Position vier wird der User in der Regel zu einer Handlung aufgerufen, zum Beispiel durch Klicken mehr zum Thema zu erfahren. Das Z-Muster kann beliebig gestaucht, gestreckt und gedreht werden. Die Fixpunkte müssen jedoch statisch definiert werden. Es ist ebenso möglich, dass sich mehrere Z-Formen untereinander befinden.
  • F-Pattern: Es handelt sich um eins der grundlegenden Konzepte zur Erstellung von Layouts. Usabilityexperten behaupten, dass das F-Muster das natürliche Betrachtungsmuster der meisten Surfer widerspiegelt. Sehen Sie sich dazu Abbildung 2 Die Website wird von links nach rechts und von oben nach unten gelesen. Ausnahmen bilden Kulturkreise, welche von rechts nach links lesen. Zuerst lesen die Nutzer horizontal den ersten Absatz. So kommt der erste F-Balken zustande. Dann bewegt sich das menschliche Auge am linken Rand entlang nach unten. In der Regel werden nur die ersten Wörter des Absatzes gelesen und dann zum nächsten Absatz gesprungen. Auf diese Weise sucht der Nutzer nach interessanten Informationen. Wenn er diese gefunden hat, geht sein Blick ein weiteres Mal horizontal nach rechts. So entsteht der zweite F-Balken. Zum Schluss geht der Blick weiter vertikal am linken Rand dem Text entlang. Je nach Website kann das Muster bezüglich des Abstandes und der Breite der Balken variieren. In manchen Fällen verwandelt sich das Muster sogar in ein E. Um die höchstmögliche Aufmerksamkeit des Users zu erwecken, ist es empfehlenswert, im Inhaltsbereich mit Bildern und Überschriften zu arbeiten. Im besten Fall sollen die Überschriften mit Schlagwörtern starten respektive diese enthalten.

Beide Muster sind sehr gut dokumentiert und werden von Webdesignern oft und wirkungsvoll bei der Site-Gestaltung verwendet.

Abb. 1: Blickfolge beim Betrachten einer Website nach dem Z-Pattern

Abb. 1: Blickfolge beim Betrachten einer Website nach dem Z-Pattern

 

Abb. 2: Blickfolge nach dem F-Pattern

Abb. 2: Blickfolge nach dem F-Pattern

Persuasives Design

Es steht fest: Die Handlungen der Nutzer beim Besuch einer Website werden stark durch das gewählte Design beeinflusst. Inhaltlich und optisch zufriedene Nutzer fühlen sich wohl und wechseln nur selten zur Konkurrenz. B. J. Fogg hat in seinem Buch „Persuasive Technology“ einen Grundstein des persuasiven Designs (deutsch: überzeugendes Designs) gelegt. Das Ziel von Persuasive Technology ist – so seine Definition –, Gewohnheiten und das Verhalten von Nutzern durch Überzeugung und sozialen Einfluss und nicht durch Zwang zu ändern [1]. Persuasives Design ist ein Teil der Persuasive Technology und zielt darauf ab, das Verhalten und die Einstellungen der Nutzer zu beeinflussen.

Der Fokus liegt dabei auf der Motivation und der Befähigung des Nutzers zu einer bestimmten Aktion. Entscheidend ist persuasives Design für das Handeln der Nutzer bei Onlineangeboten beziehungsweise dessen Beeinflussung. Der Nutzer wird geschickt zum Kauf gelenkt, auch wenn er diesen beim Betreten einer Website noch gar nicht geplant hatte. Zusammengefasst heißt das: Das Verhalten der Nutzer so zu gestalten, dass die Verweildauer gesteigert und die Customer Journey vorangetrieben wird. Wichtig ist dabei, das Vertrauen der Zielgruppe zu gewinnen. Dazu müssen die Wünsche, Emotionen und Überzeugungen aus den Augen des Anwenders abgelesen werden. Eine gute Usability ist somit die erste Voraussetzung für persuasives Design.

Wie funktioniert es in der Praxis? Wie kann man die Benutzer dazu bewegen, das zu tun, was man beabsichtigt? Das Modell des persuasiven Designs basiert auf drei Schritten [2], [3]:

  1. Motivate: Wie schafft man es, die Benutzer zu motivieren, ein Produkt zu nutzen? Motivation ist stark von der Einfachheit (Simplicity) respektive der Benutzerfreundlichkeit des Systems abhängig. Daher folgt auch gleich der Zusammenhang zum zweiten Schritt. Komplizierte Programme beziehungsweise Websites werden nicht gerne bedient. Wenn die Motivation gering und das System kompliziert ist, werden sich die Nutzer schnell abwenden. Bei einem großen Interesse sind die Nutzer unter Umständen auch bereit, kompliziertere Systeme zu bedienen.
  2. Simplify: Vereinfachen lautet das Motto. Die Anwendung oder auch die Website sollten sofort funktionieren, intuitiv bedienbar und effektiv sein. Der Nutzer soll sich bei der Bedienung wohlfühlen und das Ganze soll Freude bereiten beziehungsweise Begeisterung beim Nutzer auslösen. Die Idee der sogenannten Simplify-Pyramide stammt von James Archer (Abb. 3).
  3. Invite: Ziel dieses Schrittes ist es, dass der Benutzer eine bestimmte Aktion ausführt. Wenn der Benutzer motiviert ist und das System einfach ist, dann kann eine Handlung erfolgen, zum Beispiel Kauf, Teilnahme, Download, Registrierung oder Ähnliches.
Abb. 3: Simplify-Pyramide nach James Archer [4]

Abb. 3: Simplify-Pyramide nach James Archer [4]

Oft wird der Begriff des Persuasiven Designs synonym zu Usability benutzt. Das ist jedoch falsch, denn Usability steht hauptsächlich für Gebrauchstauglichkeit und Benutzerfreundlichkeit. Es geht darum, die Dinge auffindbar und nutzbar zu gestalten. Ein Beispiel aus der realen Welt: Drei Freunde haben vor, eine Bergwanderung zu machen. Der Wanderweg ist gut ausgeschildert. Das ist Usability. Was ist denn die Motivation der drei Wanderer? Einen treibt der Sportgeist an, den anderen die schöne Aussicht und der dritte freut sich auf die gemütliche Hütte am Ende der Wanderung. Genau darum geht es beim Persuasiven Design. Es sollen möglichst die Motivation und der Anreiz jedes einzelnen Benutzers getroffen werden. Diese Designidee basiert auf den folgenden psychologischen Grundsätzen:

  1. Knappheit: Wenn der Nutzer beziehungsweise Käufer des Onlineshops weiß, dass das gewünschte Produkt knapp ist, entscheidet er sich in der Regel schneller zum Kauf. Im Onlinehandel wird diese Beobachtung ausgenutzt. Im Shop wird die Zahl der noch vorrätigen Produkte angezeigt. Dem potentiellen Käufer wird damit suggeriert, dass das Produkt knapp ist und er sich besser schnell zum Kauf entschließen sollte, um noch eins zu erhalten.
  2. Soziale Bewährtheit: Es geht um Kundenbewertungen. Diese sind im E-Commerce eine wichtige Entscheidungsunterstützung. Ein Produkt mit vielen positiven Bewertungen wird eher gekauft als eins mit weniger oder negativen Bewertungen. Persuasives Design kann helfen, Kunden dazu zu motivieren, eine positive Bewertung abzugeben. Ein positives Nutzerfeedback ist in manchen Bereichen bereits ein entscheidender Faktor bei der Auswahl zwischen mehreren Kaufoptionen. Eine ähnliche Situation entsteht beispielsweise bei der Buchung eines Hotelzimmers. Die Weiterempfehlungsrate bestimmt maßgeblich, ob man sich für das Objekt entscheiden oder weitersuchen wird.
  3. Commitment: Nutzer finden es gut, die Möglichkeit zu haben, Produkte und Marken zu bewerten respektive zu empfehlen. Man sollte dem Nutzer die Möglichkeit bieten, seinen Standpunkt für andere sichtbar einzunehmen. Diese Form der Rückmeldung bietet die Möglichkeit, das Produkt und die begleitenden Dienstleistungen langfristig zu verbessern. Ein typisches Beispiel ist das Feedback der Nutzer in den App-Stores. Kurze und knackige Kommentare, oft hart an der Grenze des Zumutbaren sowie der guten Sitten, sind hier an der Tagesordnung. Liest man als Entwickler diese Kommentare jedoch ohne Emotionen und reduziert man es auf die Sachkritik, so kann man wertvolle Hinweise auf Fehler und andere Misslichkeiten der App bekommen.
  4. Reziprozität: Gemeint ist darunter das Bedürfnis des Menschen, sich für Geschenke, Einladungen und Gefälligkeiten zu revanchieren. Typische Beispiele sind kostenlose Gaben wie Gratisproben oder Testversionen, die prominent auf der Website platziert sind. Nicht umsonst bekommt man im Reisebüro bei der Buchung ein kleines Präsent – es prägt sich im Hinterkopf ein. Bei der nächsten Reisebuchung hat man das innere Bedürfnis, dort erneut sein Glück zu versuchen. Das kann man auf die digitale Welt übertragen. Eine Zugabe zu einem Produkt führt zu einer Bindung des Kunden an den Anbieter.
  5. Hervorhebung: Der Vergleich zu ähnlichen Produkten hilft dem Nutzer, richtige Entscheidungen zu treffen. Durch eine zusätzliche Hervorhebung können Produkte als Schnäppchen positioniert und als beste Wahl angeboten werden.
  6. Autorität: Menschen neigen dazu, Autoritäten mehr zu trauen als anderen Personen. Ein Beispiel: Die Meinung eines Arztes zu einem Medikament ist aussagekräftiger als die eines Laien. Es empfiehlt sich, prominente Anwender für das beworbene Produkt auf der Website zu Wort kommen lassen.
  7. Sympathie: Menschen lassen sich leichter durch Personen überzeugen, die sie mögen. Ziel ist, die Rolle eines Sympathieträgers einzunehmen.

Psychologie der Farben

Welche Wirkung haben Farben auf den Nutzer? Wie beeinflussen sie sein Handeln? Studien zeigen, dass bei bis zu 90 Prozent der Entscheidungen Farben eine Rolle spielen. Ebenso kann eine geglückte Farbauswahl den Wiedererkennungswert einer Marke bis zu 80 Prozent steigern. Wie gestaltet man eine Website so, dass die Besucher sie attraktiv finden und immer wieder zurückkehren? Dazu hilft es, sich etwas intensiver mit der Wirkung von Farben auseinanderzusetzen, denn sie beeinflussen den Menschen über das Unterbewusstsein.

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Nun zu den einzelnen Farben und ihrer Wirkung. An dieser Stelle ist allerdings zu beachten, dass diese in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich betrachtet werden.

  • Blau: Die Farbe des Erfolgs. Die Websites und Logos der Unternehmen Facebook, Twitter, LinkedIn, IBM, HP, Intel, Deutsche Bank und weitere verwenden diese Farbe sehr viel. Die erfolgreichen Giganten setzen auf blau. Blau wird in der Psychologie mit Kompetenz, Ruhe, Zuverlässigkeit, Kraft, Loyalität, Weisheit, Qualität und Produktivität in Verbindung gebracht. Die Farbe wirkt wenig aufdringlich und wird mit Beständigkeit assoziiert.
  • Rot: Die Farbe der Liebe. Rot kann den Herzschlag eines Menschen beschleunigen. Zudem steht sie nicht nur für Lust, Energie und Bewegung, sondern auch für Krieg, Gewalt, Gefahr und Wut. Als Hauptfarbe für eine Website ist Rot eher ungeeignet. Es ist empfehlenswert, sie als Akzentfarbe einzusetzen. Rote Websites findet man vor allem in den Bereichen Mode, Unterhaltung, Sport, Gesundheits- und Notfalldienste. Für naturbezogene Inhalte und professionellen Services ist Rot eher unangebracht.
  • Orange: Die Farbe des großen Abenteuers. Orange ist eine energiegeladene und lebendige Farbe. Sie steht für Wärme, Ehrgeiz und Spaß. Oftmals wird dieser Farbton als Akzentfarbe in Onlineshops verwendet, um die Aufmerksamkeit auf Angebote und den Ausverkauf zu lenken. Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Entertainment, Nahrungsmittel und Kinderpflege wählen häufig die Farbe Orange.
  • Gelb: Glück ist gelb. Es ist die Farbe, die für Glücksgefühle steht. Außerdem wird sie eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu wecken und die Menschen zu einer Aktivität, wie beispielsweise zu Handlungen in Bezug auf Texte oder Buttons, anzuregen. Es empfiehlt sich ein sparsamer Umgang mit diesem Farbton, da zu viel Gelb das menschliche Augen überfordern kann.
  • Grün: Farbe der Ruhe. Die Farbe Grün steht für Natur, Gesundheit, Wohlstand, Geld, Fruchtbarkeit, Harmonie, Glück und Frieden. Grün hat einen beruhigenden Effekt und wird vom menschlichen Auge am leichtesten verarbeitet. Für die Bereiche Tourismus, Wissenschaft, Medizin, Umwelt und Nachhaltigkeit ist diese Farbe bestens geeignet.
  • Schwarz: Schwarz hat eine positive und eine negative Wirkung. Diese Farbe steht sowohl für Macht, Autorität, Eleganz, Kraft und Intelligenz, als auch für Tod, Rebellion und das Böse. Je nachdem mit welchen Farben Schwarz kombiniert wird, kann es elegant und traditionell oder modern und kräftig wirken. Zu viel von der Farbe Schwarz kann den User schnell überfordern oder sogar unangenehme Gefühle auslösen.
  • Weiß: Reinheit, Sauberkeit und Sicherheit wird oft mit der Farbe Weiß in Verbindung gebracht. Es ist nicht nur die Farbe der Gesundheitsindustrie, sondern steht auch für Hightech und Wissenschaft. Weiß ist eine universelle Farbe. Grundsätzlich kann sie für alle Arten von Websites angewendet werden.
  • Grau: Grau wirkt formal, professionell und zeitlos. Diese Farbe ist bestens geeignet für geschäftliche Websites aller Art.

Die Farbpsychologie kann ein Unternehmen stärken. Wenn der Entwickler sowie der Designer wissen, welchen Einfluss die Farben auf die menschlichen Handlungen haben, können sie sie richtig einsetzen. Bei der Auswahl der Farben sollte man sich an der Corporate Identity und dem Corporate Design (siehe Kasten Corporate Identity und Corporate Design) des Unternehmens orientieren. Nur dann ist ein Wiedererkennungseffekt möglich, der für das Unternehmen lebensnotwendig ist.

Corporate Identity und Corporate Design

Die Corporate Identity (CI) ist die Summe der Merkmale, die ein Unternehmen repräsentiert, kennzeichnet und eine Unterscheidung im Wettbewerb ermöglicht. Zum einen ist es ein Kommunikationskonzept und zum anderen ein zentraler Bestandteil der strategischen Unternehmensführung und -planung. Die Komponenten der CI sind: Corporate Behaviour, Corporate Communication, Corporate Design, Corporate Culture, Corporate Language, Corporate Philosophy und Corporate Soul. In der Praxis sind alle Bereiche miteinander vernetzt.

Bei der Gestaltung von digitalen Produkten wie Websites und Apps ist insbesondere das Corporate Design (CD) interessant. CD bezeichnet das gesamte einheitliche Erscheinungsbild eines Unternehmens oder auch einer Organisation. Damit ist CD ein zentrales Element der Unternehmensidentität. In diesem Sinne trägt es dazu bei, dass man das Image eines Unternehmens besser visualisieren kann. Farben, Logo und andere Grundmotive aus dem Werkzeugkasten der Kommunikation sind so zu erstellen, dass sie wiedererkennbar sind. Die Gestaltung von Geschäftspapieren, Verpackungen, Werbemitteln und Internetauftritten ist ebenso zu vereinheitlichen. Eine konsequent angewandte Schriftführung gehört in diesem Sinne auch zum CD.

Flächen und Formen im Webdesign

Der richtige Einsatz von Formen kann nicht nur das optische Aussehen einer Website verbessern, sondern auch dazu beitragen, die angestrebten Ziele zu erreichen – beispielsweise zum Kauf animieren, Teilnehmer einladen oder Vertrauen schaffen.

Was sind die gängigsten Formen? Wie und wann werden diese eingesetzt? Ein Quadrat schafft Vertrauen und trägt dazu bei, die Inhalte bestmöglich zu strukturieren. Menschen bringen Quadrate in Verbindung mit Stärke, Festigkeit, Statik, Zuverlässigkeit, Gleichgewicht und Beständigkeit. Daher werden quadratische und rechteckige Formen oft für die Bereiche Wirtschaft, Finanzen und Bau eingesetzt (Abb. 4).

Abb. 4: Quadrate und Rechtecke bei der Deutsche Bank

Abb. 4: Quadrate und Rechtecke bei der Deutsche Bank

Der Einsatz von Kreisen setzt Akzente und steht für Vollkommenheit, Unendlichkeit und Einheit. Im Webdesign wird diese Form nicht oft benutzt. Ein Kreis eignet sich sehr gut dafür, ein Websiteelement zu betonen. Der Einsatz von vielen Kreise kann allerdings dazu führen, dass der Benutzer abgelenkt wird und sich auf der Website nicht mehr zurechtfindet. Kreise finden Anwendung in den Bereichen Nahrungsmittel, Unterhaltung, Kunst, Marketing und Werbung (Abb. 5).

Abb. 5: Beispiel Fressnapf – Kreise werden verwendet, um die User aufmerksam zu machen.

Dreiecke stehen für Dynamik, Wachstum und Entwicklung. Diese Form regt Menschen zum Handeln an. Sie passen zu den wachsenden Hightechunternehmen, Parteien, Sportvereinen oder Coachingunternehmen.

Fazit

Welche Erkenntnisse kann man daraus für die Entwicklung von Websites und Apps ableiten? Schon lange ist bekannt, dass das Design eine große Rolle für den Erfolg spielt. Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Das Design muss die Erkenntnisse der Psychologie berücksichtigen. Beides – Design und Psychologie – sollten auch bei der konkreten Ausgestaltung der Funktionen einbezogen werden. Welche Art der Bedienung kommt dem typischen Verhalten des Nutzers am ehesten entgegen? Um diese Frage zu beantworten, muss man nicht Psychologie studiert haben. Es genügt, sich mit grundsätzlichen Mustern vertraut zu machen und sich bei der Produktgestaltung ein paar mehr Gedanken über die anstehenden Designentscheidungen zu machen.

Links & Literatur

[1] Fogg, B. J., „Persuasive Technology: Using Computers to Change What We think and Do“, Morgan Kaufmann, 2002, S. 4 f.
[2] Soultank (2016): „Wie funktioniert das Persuasive Design Model?
Teil 1“: https://soultank.ch/2016/11/wie-funktioniert-das-persuasive-design-model-teil-1/
[3] Soultank (2016): „Wie funktioniert das Persuasive Design Model?
Teil 2“: https://soultank.ch/2017/02/wie-funktioniert-das-persuasive-design-model-teil-2/

 

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