Ist Ethan Marcottes Definition des Responsive Web Design bereits überholt?

Responsive Web Design damals und heute
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Responsive Web Design, das sind, laut Definition seines Entwicklern Ethan Marcotte, flüssige Layouts, flexible Bilder und Media Queries  – und nur die Präsenz aller drei Elemente ergibt ein Responsive Web Design. Immer wieder beschäftigen sich Leute mit diesem etwa drei Jahre alten Ansatz und streiten, ob er nicht inzwischen wieder überholt sei. Zwar gebe es dieses von Marcotte vorgegebene Fundament eigentlich keinen Raum für Abweichungen, doch sie finden längst statt.

Längst haben Entwickler und Designer Ethan Marcottes Konzept des Responsive Web Design weiterentwickelt und eigene Wege eingeschlagen. Kann also wirklich noch die Rede von diesem einen Marcotte’schen Responsive Web Design sein? Offenbar nicht.

Der Herausgeber von Marcottes Buch „Responsive Web Design“, Jeffrey Zeldman, schrieb kürzlich in einem Blog-Post, dass er ebenfalls schon damals mit Marcotte darüber diskutiert habe, ob man RWD nicht mehr als ein ambivalentes Konzept, denn eine feste Sammlung an Techniken sehen sollte: eine höhere Idee von RWD. Womit er gerade einmal vor drei Jahren aber erst einmal nur meinte, dass responsive Layouts sich ja auch mit anderen Techniken umsetzen lassen könnten. An andere Bedeutungen von responsive, wie sie heute ebenfalls diskutiert werden, dachte er noch gar nicht. Heute sei er aber froh, dass er die Diskussion damals nicht für sich entscheiden konnte.

Denn hätte Marcotte nicht diese drei einfachen Voraussetzungen definiert, wäre Responsive Web Design wohl als Idee gar nicht erst bei Tausenden von Designern und Entwicklern angekommen, die es wiederum an Tausende andere vermittelten. Denn, so Zeldmann: „Unsere Welt hätte sich wohl nicht über Nacht verändert, wenn Entwickler zu viel darüber hätten nachdenken müssen.“ Der Ansatz einer dreiteiligen Technik, der sich eben nur auf das Wesentliche beschränkt, hat RWD so einfach und damit kraftvoll und kreativ gemacht.

Nun also haben wir die erste Generation an responsiven Seiten gebaut und die Probleme gesehen, die wiederum neue Denkanstöße hervorgerufen haben. Es sind kleine Schritte, aber aus Zeldmanns Sicht brilliante. RWD ist inzwischen RRWD: Responsible Responsive Web Design. Manche Stimmen werden mittlerweile laut, dass Responsive Web Design als Begriff im Grunde bereits hinfällig ist, denn, so etwa Andy Clarke, Web Design sei heute per se Responsive Web Design bzw. Responsive Web Design ist richtig gemachtes Web Design.

Zeldmann ist überzeugt, egal wohin sich das Web Design entwickeln wird, es wird dies tun, weil Marcottes RWD den Weg dorthin geöffnet hat. Es sei nicht schlimm, wenn die klassische Definition überholt werde, denn diese Industrie brauche Wurzeln UND Flügel.

 

Aufmacherbild: Responsive web design across various devices – Illustration von Shutterstock / Urheberrecht:DesignPrax

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