Top-Vorträge auf der Konferenz in Berlin

Yoga fürs Lesen und Abenteuer mit PHP und Hack: 5 Take-aways des 3. Tags der IPC & webinale 2019
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Die International PHP Conference Spring und webinale 2019 finden diese Woche in Berlin statt. Wir berichten auch heute wieder über die Schwesterkonferenzen. Zu den Highlights des dritten Hauptkonferenzstags am Mittwoch gehörten die Reise von Slack von PHP zu Hack, die „Ehrlichkeit“ von SEO und überraschende Thesen zum Thema Weißraum im Layout.

Take-away #1: Der Weißraum – wie Yoga fürs Lesen

Bei der Gestaltung eines Produktes gibt der Art Director vor, wie das Layout auszusehen hat. Die Rolle des Art Directors kann laut Andy Clark (Designer, Speaker and Writer) von Jedermann eingenommen werden. Jedoch haben diese Position meist besonders erfahrene Designer inne. Denn sie entscheiden wie beispielsweise eine Heftseite in einem Magazin gestaltet werden soll. Dies ist keine leichte Entscheidung, da Art Direction dafür sorgen soll, dass das Design nicht vergessen geht.

Je nach Wahl des Layouts können verschiedene Eindrücke bei den Rezipienten erzeugt werden. In je mehr Spalten und Zeilen Textblöcke eingeteilt sind, desto hektischer und schneller kann ein Beitrag wirken.

Andy Clark in seiner Session: Vom Langsamsten zum Schnellsten (v.l.n.r.): Das Layout entscheidet über die Wahrnehmung seitens des Lesers

Neben den gesammelten spannenden Informationen über Art Direction ist vor allem Andy Clarks Antwort nach seiner Session auf eine Frage von Moderator Frank Puscher (Verlag Spielfigur) hängen geblieben. Es ging um den berühmt berüchtigten Weißraum. Die einen mögen ihn, die anderen versuchen ihn zu vermeiden. Andy Clark sieht ihn als Möglichkeit, Eindruck bei den Lesern zu hinterlassen: Ein Gefühl von Luxus und zugleich ein Wegweiser, der dem Rezipienten zeigt, wo er weiterlesen kann. Frank Puscher und Andy Clark einigen sich schlussendlich darauf, dass er als eine Art Yoga für Lesen angesehen werden kann, da er dem Leser eine Pause zum atmen lässt. In diesem Sinne: Keine Angst vor dem weißen Raum.

Take-away #2: SEO ist ehrlich – ehrlich?

„Zu nichts sind Menschen ehrlicher als zu einer Suchmaschine.“ Mit diesem Zitat begann Matthäus Michalik (Claneo GmbH) seine Session SEO 2019: Wie man in einem kompetitiven Markt wächst. Menschen stellen in Google Fragen, die sie womöglich keine reale Person zu fragen gewagt hätten. Umso schöner ist die Arbeit eines Suchmaschinenoptimierers im Jahr 2019, der die Aufgabe hat, dieser ehrlichen Frage eine genauso ehrliche Antwort zu geben.

Ist das alles, was wir 2019 über SEO sagen können? Natürlich nicht. Nach wie vor zählen Dinge wie Keyword-Analyse, Backlink-Aufbau, Content-Generierung und Conversion-Optimierung zum Handwerkszeug des SEO. Doch steht im Hintergrund immer die Frage: Wie und was sucht unsere Zielgruppe, und wie können wir unsere Inhalte daraufhin optimieren?

Take-away#3: Diversität bedeutet Reibung

Diversität in Unternehmen – ein Thema, über das momentan viel geredet wird, doch was ist der Kern der Sache? Dieser Frage spürte UX-Psychologin Martina Mitz in ihrer Keynote Diversity – a different Perspective nach.

Alle Statistiken belegen es: Die Tech-Branche ist dominiert von weißen Männern. Für mehr Diversität und Gleichberechtigung zu sorgen, hat demnach schon eine ethischen Dimension. Studien haben aber auch gezeigt, dass Unternehmen mit einer diversen Personalstruktur erfolgreicher sind. „Diversity is money“, brachte Martina Mitz diesen Umstand auf den Punkt, der wohl auch dazu geführt hat, dass Unternehmen mittlerweile reihenweise Diversity Manager einstellen.

Doch der Kern der Diversität ist damit nicht getroffen. Für Mitz sind es vier Faktoren, die wesentlich sind:

  1. Geduld & Nachsicht
  2. Beidseitige Empathie
  3. Sich dem Umbequemen zu stellen
  4. Aktiv werden
Martina Mitz auf der webinale 2019: “Friction makes us move”

Martina Mitz auf der webinale 2019: “Friction makes us move”

Bei der Diversität gehe es nicht darum, möglichst viele Nationen in einem Team zu versammeln oder eine möglichst hohe Frauenquote zu erreichen, so Mitz. Das seien reine Äußerlichkeiten. Vielmehr komme es darauf an, sich auf das (womöglich unbequem) Andere einzulassen. Beidseitiges Einfühlen in die Bedeutungswelt und Situation des Gegenüber – Empathie entwickeln.

Wichtig dabei: Empathie hat nichts mit Sympathie zu tun. Gerade an schwierig erscheinenden Persönlichkeiten zeigt sich, wie bereit man ist, das Andere zu akzeptieren und als positiven Impuls anzunehmen. Diversität hat deshalb viel mit der Bereitschaft zu tun, die eigene Komfortzone zu verlassen, so Mitz. Denn nur durch Reibung entstehe Neues – „Friction makes us move“.

Doch bewirken reines positives Denken oder politische Korrektheit hier herzlich wenig. Es kommt vielmehr darauf an, aktiv zu werden. Gerade für die privilegierte Mehrheit sei es wichtig, den ersten Schritt auf das Gegenüber zu machen. Denn Integration sei vor allem eine Aufgabe der Mehrheit – nicht der zu integrierenden Minderheit.   

Eine grandiose Keynote mit einem grandiosen Fazit.

Take-away #4: Jeder kann Geschichten erzählen!

In jedem steckt ein Geschichtenerzähler – so Susanne Harnisch (XO Projects GmbH) im zweiten Teil ihrer Session “Dein Content ist ein Produkt!” auf der webinale 2019 in Berlin. Das wichtigste Element einer Geschichte ist der Konflikt, ein Hindernis, das die Hauptfigur überwinden muss. “Je komplizierter, desto besser!” Steht die Hauptfigur beispielsweise am Abend verzweifelt vor dem Kühlschrank, hat bereits alle Kochbücher durchforstet und weiß trotzdem nicht, was sie kochen soll – dann ist das wichtigste Element bereits erfüllt. Die Geschichte der Hauptfigur durchläuft ein 3-Akt-Schema, das dem Spannungsaufbau dient. Hier sollte der Konflikt besonders deutlich werden. Der Protagonist durchlebt eine Heldenreise und löst sein Problem Schritt für Schritt.

Diese Reise gilt es bis ins kleinste Detail niederzuschreiben.

Wir merken uns: Zum Schluss sollte klar werden, für wen, was, wofür und warum ein Produkt entwickelt wird.

Take-away #5: Slack von PHP zu Hack

2016 begann Slack mit der Migration seiner mehrere Millionen Zeilen umfassenden PHP-Codebasis zu Facebooks Hack-Programmiersprache. Scott Sandler, Senior Staff Engineer bei Slack im Team der Backend Foundation, berichte in seinem inspirierenden Vortrag von beeindruckenden Leistungsoptimierungen, Verbesserungen der Entwicklererfahrung, Muster und Vorgehensweisen für die Verwendung von Hack sowie Open-Source-Beiträge für die Hack-Community.

Unter dem Strich war die Migration überraschend, herausfordernd und am Ende vorteilhaft. Aber natürlich hat auch Hack eine Reihe von Vor- und Nachteilen. Lohnend war die Migration aber besonders aus einem anderen Grund: Tausende von Bugs wurden gefunden und konnten behoben werden. Die Codebasis von Slack ist nun klarer, übersichtlicher und lässt sich besser warten. Scott Sandler und sein Team haben ein Migrations-Abenteuer erlebt und trotz aller Strapazen ein lohnendes Ergebnis erzielt.

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