User-Experience-Best-Practices – eine vergebliche Liebesmüh?
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In einer „idealen“ Welt würde jede Website bei der Anwendungen aller User-Experience-Best-Practices für jeden User problemlos funktionieren. In der Realität sieht es allerdings leider anders aus. Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Darstellung einer Website und dementsprechend können auch die ansprechendsten Best Practices für manche User schlichtweg nicht funktionieren und so deren User Experience negativ beeinflussen.

Heißt das nun, dass der Einsatz von UX-Best-Practices eigentlich nur vergebliche Liebesmüh ist? Natürlich nicht. Webdesigner müssen allerdings lernen, diese Praktiken als wertvolle Richtlinien anzusehen und nicht als ein Regelwerk zum schnellen Erfolg. Brendon Cornwell erklärt die Nuancen beim Anwenden von Best Practices und verdeutlicht, wann man sie besser nicht befolgen sollte.

UX-Best-Practices: Auf die Zielgruppe kommt es an

Gerade wenn die Zeit und das Budget – und in einigen Fällen sicher auch die eigenen Fähigkeiten – begrenzt sind, greifen Webdesigner gerne auf Shortcuts zu einer positiven User Experience zurück. Doch es ist nicht der Einsatz bestimmter Tools oder Techniken, die automatisch für eine gute User Experience sorgen.

Stattdessen müssen Webdesigner lernen, sich mit der Nutzungsweise der Zielgruppe zu identifizieren. Denn während es zwar durchaus gewinnbringend sein kann, Klienten beispielsweise von einem flachen Design zu überzeugen, ist es wenig sinnvoll, wenn es anschließend nicht zu den Projektzielen und der Zielgruppe passt.

Bereits dabei zeigt sich, dass nur weil etwas gerade im Trend liegt, es keine Allgemeinlösung für eine gute User Experience ist. Stattdessen ist es notwendig, sich darüber klar zu werden, wie Design Patterns, Style Guides und Design Trends die User Experience beeinflussen und wie sie eingesetzt werden können, um diese zu verbessern.

Design Trends, Patterns, Style Guides

Interaktions-Design-Pattern illustrieren die Best Practices der interaktiven Experience und bringen einige Vorteile mit sich. Dazu gehört zum Beispiel, dass durch den Einsatz solcher Design-Patterns der Interface-Designprozess vereinfacht wird, weil man auf die Designs vergangener, gut funktionierender Produkte zurückgreifen kann. Allerdings sollte man auch bei solch erfolgreich scheinenden Design Patterns nicht davon ausgehen, dass tatsächlich die gesamte User-Bandbreite das Pattern auch versteht und die Nutzung automatisch übernehmen kann.

Ähnlich verhält es sich auch bei Style Guides. Ein Problem dabei ist, dass solche Style-Guides schnell veraltet sind, weil sie meist nur als Lösung für ein früher bestehendes Problem entworfen wurden und so nicht auch für die aktuellen Probleme bei der Website-Gestaltung nützen. Darum sollten Style-Guides nur als Starthilfe, nicht aber als ultimative Lösung angesehen werden. Woran erkennt man aber, wann es an der Zeit ist, vom vorgegebenen Style-Guide abzuweichen? Dazu sagt Brendon Cornwell:

One easy way to recognize when to deviate from the style guide is when the visual branding conflicts with an interaction design pattern.

Auch Design Trends sind keine in Stein gemeißelte Lösung für alle Probleme und dürfen nicht als Ersatz für die Analyse der Bedürfnisse der User verstanden werden. Stattdessen sollte von allgemein akzeptierten Design-Trends wie etwa dem flachen Design Abstand genommen werden, wenn dadurch die User Experience negativ beeinflusst wird.

Ebenso ist der Einsatz von Design Templates bei vielen Webdesignern beliebt, weil sich so Zeit und Geld sparen lässt. Allerdings darf dabei nicht außer Acht gelassen werden, dass einerseits solche Templates bereits auf vielen anderen Seiten zu finden sind und andererseits oft keinen Raum für die individuellen Nutzerbedürfnisse bieten.

Best Practices verantwortungsbewusst einsetzen

Der Einsatz von Best Practices, Design Patterns und Design Templates bietet den Vorteil, schnell leicht wiederholbare Vorgänge zu entwickeln. Die User Experience muss dabei allerdings immer vorrangig betrachtet werden. Gegen den Einsatz von Best Practices ist nichts einzuwenden – wenn sie verantwortungsbewusst genutzt werden.

Brendon Cornwell nennt dafür einige Empfehlungen. Dazu gehört zum Beispiel, sich kontinuierlich über die aktuellen Design Trends zu informieren und zu verstehen, ob es sich dabei nur um temporär nette Effekte handelt oder ob sie tatsächlich wertvolle Verbesserungen für die User Experience liefern können. Genauso sollte man sich Zeit nehmen, um die Plattform-spezifischen Interaktions-Richtlinien zu verstehen. Das ist insbesondere wichtig, wenn man von ihnen abweichen muss.

Auch sollte man zwischen den Vorteilen des Einsatzes von Best Practices und fertigen Design Templates und dem Erstellen eigener Design Patterns abwägen. Dabei spielt vor allem der Einfluss auf die User eine maßgebliche Rolle. Auch das Engagement – in diesem Fall das Ineinandergreifen verschiedener Design Trends, Patterns und Best Practices ist ein wichtiger Faktor für eine positive User Experience.

Doch schlussendlich kommt es nicht auf die Best Practices an, sondern darauf, wie man sie einsetzt:

Ultimately, creating a positive experience is not about having best practices. It’s about putting those practices into the right hands.

Aufmacherbild: A little bird sits in vain on a large egg waiting for it to hatch. It is a futile exercise. von Shutterstock / Urheberrecht: Howard Klaaste

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