Claire Rowlands Keynote auf der IPC/Webinale 2014

UX Design der Zukunft: 4 Herausforderungen für das Internet der Dinge [IPC 2014]
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Vier Herausforderungen für das Internet der Dinge präsentierte uns Claire Rowland in ihrer Dienstags-Keynote der IPC/Webinale 2014. Wie in vielen aktuellen Design-Diskussionen hatte auch hier der Begriff „User Experience“ – kurz: UX – die Ehre, im Zentrum des Vortrages zu stehen. Im Kontext „Internet of Things“ (IoT) spielt die UX aber nicht nur bei der Gestaltung eines User Interfaces eine Rolle, sondern wird mehrschichtig, muss in Dingen wie Hardware-Design, Haptik, Konzept-Vermittlung, Kohärenz der Komponenten und dem Zusammenspiel verschiedener IoT-Systeme mitgedacht werden.

Das Internet in den Dingen

Worauf kommt es an, wenn man das Internet tatsächlich in Dinge bringen will, mit denen man im Alltag interagiert? Nun, zum einen müssen die Gegebenheiten des Internet als Konstante hingenommen werden. Hier gilt es beim Design eines IoT-Systems beispielsweise das Problem zu lösen, wie die immer möglichen Konnektivitätsprobleme ausgeglichen werden können.

Andererseits werden die IoT-Devices in einem Alltags-Kontext verwendet, den wir nicht unbedingt als einen typischen „Internet-Kontext“ wahrnehmen. Sind wir es etwa bei der Arbeit am PC gewohnt, uns fast täglich durch Update-Dialoge zu klicken, brächte uns das bei Alltagsgegenständen wie eine Heizungsanlage schnell an unsere Toleranzgrenze.

Die Komplexität, die ein Designer von IoT-Devices zu bewältigen hat, stellte Rowland exemplarisch in vier Punkten vor:

1. Solve a tangible problem

Die erste Herausforderung liegt darin, Hardware zu entwickeln, die der Konsument intuitiv versteht. Claire Rowland unterscheidet hier zwischen „Produkten“ und „Tools„. Während ein Tool immer eine imaginäre Lücke zwischen dem Problem und dessen Lösung lässt, ist das Produkt immer schon selbst die Lösung. IoT-Devices sollten als Alltagsgegenstände dann natürlich als nahtlose Produkte konzipiert sein, die nicht erst hohe Konfigurierungsanforderungen an den User stellen.

Dabei geht es nicht einmal darum, dass den Usern möglicherweise das Know How für eine korrekte Installation und Bedienung fehlen könnte. Es geht vielmehr um die knappe Ressource „Aufmerksamkeit“, die einem User zur Verfügung steht bzw. die er einem Alltagsgegenstand widmen möchte, bevor dieser das tut, was er soll. Denn:

Admin overhead is not sexy

2. Simple Conceptual Model

Wird dem User sofort verständlich, was das Ding eigentlich tut? Man könnte nun versuchen, dem Nutzer das Konzeptmodell zu erklären, das dem IoT-Device zugrunde liegt. Meist jedoch muss der Nutzer nicht die ganze Komplexität kognitiv verstehen – ein intuitives Erfassen, ohne erst lange Erklärungen geben zu müssen, wirkt nachhaltiger.

Wichtig ist dann in jedem Fall, dass das Konzept konsequent durchgezogen wird. Wird beispielsweise bedacht, dass ein User sich in einer anderen Zeitzone befinden kann, wenn er die Heizungsanlage zu Hause kontrolliert? Wenn nicht, kommt der User schnell in die Bredouille, wenn unklar ist, welche Zeitangabe nun gilt: die der Anlage zu Hause oder die auf dem Smartphone in der anderen Zone. Ist das Konzept zu komplex oder nicht konsequent genug umgesetzt, schwindet die Akzeptanz des IoT-Devices als alltagstauglicher Gegenstand.

IoT is about controlling things in different places, at different times.

3. Interusability

IoT-Systeme bestehen meist aus verschiedenen Komponenten – typischerweise aus der Hardware und einer App, mit der man die Hardware bedient, fernsteuert, überwacht. UX Design sollte hier kohärent durchgehalten werden: Formen, Farbwelten, Bedienkonzepte sollten auf dem physischen Device und dem virtuellen Interface nahezu identisch sein. Visuelle Familiarität zwischen Device – auf dem übrigens gerne auch ein physisches Interface sein kann – und dem UI einer App sollte hergestellt werden.

Das beinhaltet auch, dass die Daten auf allen Plattform-Teilen up-to-date gehalten werden müssen. Sync-Probeme sind hier allerdings wegen dem erwähnten Konnektivitätsproblem nicht immer auszuschließen. Dürften gelegentliche 2-Minuten-Delays bei Heizungssystemen evtl. nicht ins Gewicht fallen, kann dies bei Alarmsystemen durchaus anders aussehen…

4. Manage the complexity of connected devices

Die vierte Herausforderung bezieht sich schließlich auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen IoT-Geräte, die man sich möglicherweise mit der Zeit anschafft. Schon bei der Kombination zweier Systeme – wenn etwa eine Alarm-Analge losgeht, könnte es Sinn machen, dass auch die Beleuchtung angeschaltet wird – steht man heute vor dem Problem, dass IoT-Lösungen in Silos entwickelt werden, die keine expliziten Interaktionen untereinander erlauben. Wenn dann noch Monitoring-Systeme, Smartwatches und der Gesundheitsalarm der Großmutter hinzukommt, wird es schnell unübersichtlich.

UX Design der Zukunft

Good consumer UX for IoT is deceptively hard„, kommentiert Claire Rowland zum Abschluss und zitiert das berühmte Dilemma: Wenn man die Dinge für den Konsumenten einfacher machen will, macht man das Leben der Entwickler schwieriger. Aber ein Schelm wäre, wer diese Faustregel nicht als Herausforderung verstünde, der sich ein IoT-Entwickler gerne stellt. Und in der Tat gibt es ja schon Lösungen, etwa Projekte wie OpenHab, mit dem die verschiedenen IoT-System dann doch dazu gebracht werden können, miteinander zu reden.

Wir stehen erst am Anfang der IoT-Welle, die über uns hereinbrechen wird und die auch neue UX-Konzepte erfordert – soviel dürfte den Besuchern der Keynote klar geworden sein. Insofern ist das Internet der Dinge ein wunderbar freies Feld für innovative Ideen und kreative Lösungsansätze.

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