Verwirrend einfache User Experience
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Weniger ist mehr, das ist die Maxime im User-Experience-Design. Klare Nutzerführung, leicht verständliche Icons, wenige Eingabefelder: Das alles soll Nutzern dabei helfen, sich schnell auf einer Website oder in einer App zurecht zu finden.

Sogar eine Reduktion auf einzelne Eingabefelder statt großer Formulare wird oft empfohlen – das senkt den Aufwand für den User massiv und gilt insofern als besonders nutzerfreundlich. Dass das allerdings auch schief gehen kann, berichtet Burke Holland.

Lange Formulare mit vielen Eingabefeldern wirken oft abschreckend auf den Nutzer. Gerade auf kleinen Bildschirmen kann das darüber entscheiden, ob eine Anwendung weiterhin genutzt wird oder nicht. Die wenigsten Nutzer möchten Zeile um Zeile an Daten in ihr Smartphone tippen. Insofern ist es durchaus sinnvoll, auf die Abfrage überflüssiger Daten zu verzichten.

Einfach, nicht nutzerfreundlich

Das gilt jedoch nur, so lange eine Eingabeaufforderung sich mit den Erwartungen und Erfahrungen der Nutzer deckt. Ist das nicht der Fall, kann gerade eine besonders einfach gehaltene Eingabemaske zum Stolperstein in der User Experience werden. Wenn zum Zurücksetzen eines Passwortes beispielsweise nur die Angabe des Nutzernamens gefordert wird, die User aber ein Feld für ihre Mailadresse erwarten, werden viele trotzdem ihre Mailadresse eingeben. Auch User, die nicht wissen, dass ihr Nutzername nicht ihr realer Name ist, scheitern an dieser Stelle. Zwar ist die Maske mit nur einem Eingabefeld einfach gehalten – nutzerfreundlich ist sie dadurch aber nicht.

Eine reine Beschriftung der vorhandenen Eingabefelder hilft oft auch nicht weiter. Eingabeaufforderungen müssen intuitiv funktionieren, dürfen nicht verwirrend auf den Nutzer wirken. Felder, die erst umständlich erklärt werden müssen, erfüllen diese Anforderung nicht. Sinnvoller ist es, sich an den Erwartungen der User zu orientieren. Das ist allerdings schwieriger, als es klingt. Ein Programmierer, der schon lange an einem Projekt arbeitet, hat nämlich nicht mehr den besten Blick dafür, wie der User am Ende wirklich auf etwas reagieren wird.

Bequemlichkeit als Ziel

Tests mit realen Nutzern schaffen hier Abhilfe, bevor ein Produkt veröffentlicht wird. Ein Blick von außen hilft dabei zu erkennen, ob etwas wirklich einfach ist oder an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei geht. Am Ende ist nämlich vor allem wichtig, dass die Nutzer möglichst bequem ans Ziel kommen – auf einzelne Eingabefelder reduzierte Masken können dabei an manchen Stellen hilfreich sein, sich in anderen Kontexten aber auch als Reductio ad absurdum erweisen. Zu einer guten User Experience gehört nämlich doch mehr, als nur ein möglichst einfaches Produkt.

Aufmacherbild: Usability – street sign illustration in front of blue sky with clouds via Shutterstock.com / Urheberrecht: Mathias Rosenthal

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