Jens Grochtdreis auf dem Responsive Design Day

Warum Responsive Design nicht nur ein technisches Problem ist!
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„Arbeitet an Euch selbst“, lautete die Botschaft von Jens Grochtdreis auf dem Responsive Design Day der IPC/Webinale. Denn sind es nicht nur technische Herausforderungen, die es beim Entwickeln responsiver Webseiten zu bewältigen gilt: die Vielfalt der Endgeräte, Bedienkonzepte, Bildschirmauflösungen und die zunehmende Vernetzung aller Devices und Services untereinander. Neben diesen sind es Probleme menschlicher Natur: veraltete Workflows, falsche Denkansätzen, Manager, Designer, Entwickler und Kunden mit unrealistischen Vorstellungen darüber, was das Aufsetzen einer modernen responsiven Webseite bedeutet.

 

Die Zukunft muss noch warten!„, lautete deshalb der pessimistisch anmutende Session-Titel von Jens Grochtdreis. Sind responsive Webseiten also derzeit noch nicht ernsthaft möglich, Zukunftsmusik, gar völliges Wunschdenken?

Nun, allzu negativ muss man Grochtdreis zum Glück nicht auslegen. Doch zeigte sich der Webkrauter durchaus skeptisch darüber, dass in den nächsten Jahren ein technologischer Durchbruch gelingen könnte, durch den die Probleme responsiver Webseiten flächendeckend gelöst würden.

Zwar gibt es Bestrebungen innerhalb des W3C, die technologischen Voraussetzungen für responsive Webseiten zu verbessern, beispielsweise eine Lösung zur Erkennung passender Bildausschnitte zu finden – damit etwa dekorative Hintergründe auf kleinen Devices ausgeblendet werden, um Bilder automatisch auf das Wesentliche zu zoomen. Solche Ideen sind laut Grochtdreis zwar begrüßenswert. Bis allerdings alle Browser solche Features unterstützen, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen.

Die gute Nachricht aber: Am zweiten Problem-Faktor, dem menschlichen nämlich, lässt sich jetzt sofort etwas verändern. Doch wo liegt hier der Hund begraben?

Wenn alte Workflows nicht mehr greifen

Bestand der Workflow eines typischen Webprojektes in den letzten Jahren darin, ausgehend von einem Webseiten-Konzept ein Design herstellen zu lassen und dieses im Anschluss einem Frontend-Entwickler vorzulegen, mit dem Auftrag, dieses 1:1 umzusetzen, so funktioniert das in Zeiten responsiver Webseiten garantiert nicht mehr.

Ein Beispiel: Mussten für einen traditionellen Webauftritt 10 Photoshop-Vorlagen erzeugt werden, so sprengt dies bei den 3-4, manchmal 5,6 Breakpoints responsiver Webseiten den Rahmen. Schon früher war das Konzept schlecht, denn ein Photoshop-Bild des Designers lässt sich ohnehin nicht 100%ig auf eine Webseite übertragen. Wird dann das Endergebnis zum Abgabetermin wieder dem Kunden vorgelegt, ist die Enttäuschung meist groß.

Was tun?

Ein Wunder, dass das in den letzten Jahren dennoch ab und an funktionieren konnte, kommentiert Grochtdreis. Doch hätten sich bei den neuen Anforderungen, die responsive Webseiten mit sich bringen, die Unsicherheitsfaktoren potenziert. Auch als Entwickler responsiver Seiten könne man immer schlechter vorhersagen, wie lange die Umsetzung eines Projektes dauern wird.

Grochtdreis’ Rat: Viel mehr als früher muss der Feldtest im Browser stattfinden, anhand dessen entschieden werden kann, wie es weiter geht im Entwicklungsprozess. Daran beteiligen sollten sich möglichst alle Parteien, zumindest Designer und Developer müssen ein Team werden.

Viel wichtiger wird heute also das Experimentieren und Ausprobieren. Erfolgreich ist, wer auch regelmäßig mit dem Kunden kommuniziert und diesem frühzeitig Teile seiner Arbeit vorlegt, um abzustecken, ob es in die richtige Richtung geht (vorausgesetzt, der Kunde bringt das nötige abstrakte Denken mit und beginnt nicht gleich damit, Elemente pixelweise hin- und herzuschieben – was laut Grochtdreis leider allzu oft passiert).

Responsive now!

Insofern stand am Ende Grochtdreis’ Session also doch ein positiver Appell: Warten wir nicht auf technologische Revolutionen – Tatsache ist, dass selbst die alten technologischen Konzepte oft nicht richtig beherrscht werden (und auch wenn bald ein technisches Problem gelöst sein wird, werden drei neue entstanden sein). Wir müssen stattdessen die veralteten Workflows ablegen und erreichen, dass in interdisziplinären Teams die Arbeit des einen die des anderen befruchtet.

Die Anforderungen responsiver Webseiten sind also nicht allein mit technologischen Fingerübungen zu bewältigen. Sie stellen verkrustete Unternehmensstrukturen in Frage und schreien nach agileren Methoden der Softwareentwicklung. Oder wie Grochtdreis es ausdrückt: „Arbeitet an Euch selbst, damit Ihr demnächst gute responsive Webseiten bauen könnt!

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