Worauf kommt es bei der Optimierung eines Webangebots an?

Web-Optimierung: Performance oder Ressourcen?
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Performances Budgets sind eine gute Möglichkeit, die Ladegeschwindigkeit eines Projekts im Blick zu behalten. Sie helfen dabei, ausufernde Komplexitäten zu vermeiden und bereits frühzeitig an die Userinteressen zu denken. Dazu gehört nämlich neben der Benutzbarkeit auch die schnelle Verfügbarkeit eines Angebots. Nutzer warten nicht gerne! Um dem zu begegnen, müssen aber auch die verwendeten Ressourcen bedacht werden.

Wer die Performance eines Web-Angebots verbessern möchte, muss erst einmal wissen, wie es darum überhaupt bestellt ist. Immerhin hat dieser Faktor einen großen Einfluss auf die Nutzung eines Webangebots.

Die 3-Sekunden-Marke

Eine Website, die drei Sekunden zum Laden braucht, wird laut Radwares 2015 State of the Union: Ecommerce Page Speed & Web Performance Report um 22 Prozent seltener aufgerufen als eine Seite mit einer Ladezeit von einer Sekunde. Die Zahl der Abbrüche des Ladevorgangs ist bei einer dreisekündigen Ladezeit außerdem um 50 Prozent höher. Auch die Zahl der getätigten Käufe verhält sich entsprechend: Eine um vier Sekunden verlängerte Ladezeit führt zu einer um 38 Prozent verminderten Conversionsrate.

Diese Zahlen müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet werden. Auf die Ladezeit einer Website haben nämlich diverse Faktoren einen Einfluss, und manche davon sind branchenabhängig. So ist eine gute Absicherung einer Website immer auch ein Faktor, der die Ladezeit erhöht; ein Onlinebanking-Dienstleister wird aber dennoch den Datenschutz höher werten als die Ladezeiten.

Branchenabhängigkeit

Beim Onlinebanking wissen Kunden außerdem, was sie bekommen werden, wenn die Seite denn irgendwann einmal geladen ist. Sie nutzen das Angebot mit einem klaren Ziel vor Augen und im Wissen, dass sie ihr Ziel dort auch erreichen können. Bei anderen Angeboten ist das weniger der Fall. Hier kann aber schon eine gute Suchmaschinen-Optimierung weiterhelfen. Je spezifischer der Treffer bei Google und Co. ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer warten wird.

Vorsicht ist aber dabei geboten, nun einfach nur die Landingpage beschleunigen zu wollen. Auch später kommende, langsamer ladende Websites vertreiben durchaus noch einen relevanten Teil potenzieller Kunden. Ob es an dieser Stelle Probleme geben könnte, kann ganz einfach aus dem Nutzerverhalten abgelesen werden. Endet der Besuch einer Website häufig an einer bestimmten Stelle, stimmt hier etwas nicht – und das könnte gut das Ladeverhalten sein.

Time to Use und Traffic

Aber wie wird die Leistung eines Webangebots nun am Besten gemessen? Immerhin reicht es nicht, wild drauf los optimieren zu wollen. Zuerst muss klar sein, wo das Problem denn überhaupt liegt. Dafür stehen verschiedene Indikatoren zur Verfügung.

Einerseits kann die Zeit gemessen werden, die eine Website braucht, bis sie fertig geladen ist. Das ist allerdings nur bedingt nützlich, immerhin ist es nicht immer notwendig, alle Bilder und externen Inhalte zu laden um eine Seite nutzen zu können. Die Geduld der Nutzer wird also vielleicht viel weniger strapaziert als angenommen, auch wenn die Website sehr lange noch weiter lädt. Normalerweise ist das dem Desktop-User erst einmal egal, sobald er mit der Seite interagieren kann. Die Time to Use ist also ein deutlich besseres Maß als die gesamte Ladezeit.

Performance testen

Der Hinweis auf den Desktop-Nutzer zeigt aber schon, dass auch die Time to Use nicht das Maß aller Dinge ist. Immerhin sollen Web-Anwendungen auch mobil nutzbar sein. Hier geht es dann stärker um die harten Fakten: Wie groß ist die zu ladende Datenmenge, wie viele Dateien müssen übertragen werden? Sind 1,4 MB oder mehr notwendig, um einen einfachen Artikel lesen zu können, ist das ein deutliches Warnsignal für den Website-Betreiber.

Google bietet einige Tools an, mit denen die Ladezeit verbessert werden kann. Zuerst kann hier die Zeit bis zur Benutzbarkeit einer Website zusätzlich zur Gesamtladezeit gemessen werden, danach stehen Optionen zur Verbesserung des Ergebnisses zur Verfügung. Auch über den WebPageTest können Websites getestete werden, sogar unter Angabe verschiedener individueller Einstellungen für ein besonders genaues Ergebnis.

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Das Problem der Drittanbieter

Problematisch ist allerdings, dass Webangebote mit besonders viel Datenvolumen ihren Entwicklern meist eher wenig Spielraum lassen. Viel Datenverkehr wird von externen Anbietern verursacht. An dieser Stelle müssen Seitenbetreiber von Anfang an klug verhandeln, um einerseits Werbeeinnahmen generieren zu können, ihre Nutzer aber andererseits nicht übermäßig zu belasten.

Andererseits lässt sich bei manchen externen Inhalten aber auch hinterfragen, ob sie wirklich notwendig sind. Wenn Social Media Buttons nur sehr selten genutzt werden, könnte hier Datenvolumen eingespart werden. Und müssen es wirklich mehrere Tracking-Pixel sein, die dem Nutzer angezeigt werden? Natürlich sind das nur Kleinigkeiten, aber auch diese machen in der Summe oft große Datenmengen aus.

Performance oder Ressourcen Budget?

Um in einer solchen Situation nämlich etwas zu verändern ohne auf externe Inhalte zu verzichten, sind häufig große Investitionen auf der einen oder anderen Ebene notwendig: Es geht um Ressourcen, die verbraucht werden müssen, um dem Datenvolumen gerecht zu werden. Andreas Grabner schlägt an dieser Stelle parallel zum Performance Budget ein Ressourcen Budget vor. Damit wird neben der erwünschten Leistung auch kalkuliert, bis zu welchem Punkt es sich lohnt, diese anzustreben.

Ressourcen kosten in vielen Fällen erst einmal Geld. Soll der Server schneller Antworten, muss dieser entsprechend aufgerüstet werden. Soll die Cloud mehr Speicherplatz bekommen, muss auch dafür bezahlt werden. Benötigt die Lösung eines Performanceproblems mehr Datenbankspeicher, muss auch dieser verfügbar sein.

Kundenbelastung ist mehrdimensional

Auch auf Kundenseite muss die Ressourcen-Nutzung aber bedacht werden. Hier geht es weniger direkt um harte Währung und mehr darum, dass zwar weniger Traffic auf Mobilgeräten eine Ersparnis für den Nutzer bedeutet, mehr Speicherplatz unter Umständen aber einfach nicht verfügbar ist. Wenn eine App zu groß wird, wenn eine Website zu viele Dateien im Cache zu speichern versucht, kann damit die Grenze des Möglichen auf dem Mobilgerät erreicht werden.

In diesen Fällen kann es sinnvoller sein, so Grabner, das Wesentliche im Blick zu behalten, statt in immer mehr Leistung zu investieren. Muss eine App wirklich 20 nagelneue und spannende Funktionen haben, oder nutzen die Kunden am Ende eh nur zwei davon? Ist eine Website überladen mit Bildern, obwohl sie eigentlich auch ohne gut nutzbar wäre, kann hier gekürzt werden.

Die Usability darf dabei allerdings auch nicht vergessen werden. Sind Bilder wichtig für die Nutzbarkeit oder vermitteln wichtige Inhalte, sollten sie natürlich in hoher Qualität erhalten bleiben. Hier eignen sich dann eher Ansätze aus dem Responsive Design für eine Anpassung eines Angebots. Und auch die direkten Entwicklungskosten müssen immer mit bedacht werden: Wer mehr ausgibt um die Seite zu optimieren, als er dadurch dann einnehmen kann, macht offensichtlich keinen guten Tausch.

Wo ansetzen?

Bilder zu komprimieren ist häufig aber ein guter erster Ansatzpunkt. Denn auch, wer dank Performance-Test-Tools weiß, dass er etwas an seinem Webangebot verändern sollte, muss immer noch entscheiden, was denn genau nun hilfreich wäre. Das ist natürlich individuell verschieden, einige allgemeine Tipps gibt es aber dennoch.

Neben den Bildern als große Datenfresser sind auch http-Abfragen ein häufiges Problem bei der Performance von Websites. Die Verschmelzung von einzelnen Dateien zu einer gemeinsamen Datei kann die Ladezeit dabei beschleunigen. Auch schon die Kürzung von überflüssigen HTML-Tags, Kommentaren und Leerzeichen kann einen Einfluss haben, je nach Größe des Projekts.

Lesbarkeit zuerst

JavaScript sollte außerdem nachgeordnet geladen werden, insofern es für die initiale Lesbarkeit der Seite nicht absolut notwendig ist. JavaScript verlangsamt das Laden nämlich deutlich, sodass die Zeit bis zur Nutzbarkeit einer Seite steigt, wenn diese Abfrage erst möglichst spät beginnt. Außerdem kann natürlich mit dem Cache gearbeitet werden, um das Laden einer Website zu beschleunigen. Das betrifft aber nur wiederholte Seitenaufrufe; wer die Seite erstmalig besucht, profitiert noch nicht davon.

Nun betrifft das Performance-Problem aber ja nicht nur Websites, sondern auch mobile Apps. Dabei kann es helfen, einzelne Abläufe aus dem Hauptprozess der App auszugliedern und in den Hintergrund zu verschieben. Auch Bottlenecks sollten vermieden werden – eine App darauf zu überprüfen kann sich lohnen. Aufgrund der Device-Vielfalt kann es aber auch Sinn machen, an dieser Stelle auf Lade-Anzeigen zurück zu greifen, statt die Performance unbedingt erhöhen zu wollen. So weiß der Nutzer immerhin, dass das, worauf er wartet, noch kommen wird.

Die Interessen des Nutzers müssen im Zentrum jedes Webangebots stehen, egal, ob es um die Benutzbarkeit oder die Leistung geht. Trotzdem gibt es aber auch andere Faktoren die eine Rolle spielen, sodass Performance nicht alles ist. Ob sich eine Investition in mehr Leistung lohnt und wenn ja, worin sie bestehen sollte, sind komplexe Fragestellungen, auf die es keine einfache Antwort gibt. Wird nämlich zu Lasten der Nutzer investiert, geht die Rechnung am Ende einfach nicht auf.

 

Aufmacherbild: A car driving on a motorway at high speeds, overtaking other cars via Shutterstock / Urheberrecht: hxdyl

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