Die holistische Webkonferenz

Webinale & IPC eröffnet: Ein Siegeszug der offenen Webentwicklung
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Der Startschuss für das Konferenzduo Webinale & International PHP Conference ist gefallen. In seiner Eröffnungsrede hielt Sebastian Meyen ein Plädoyer für offene Webentwicklung. In der ersten Keynote gab Emily Freeman Anregungen dafür, was wir von militärischen Organisationen für die Skalierung unserer Entwicklerteams lernen können. Doch was haben Spartaner, Mongolen und Römer mit IT-Unternehmen zu tun?

Eröffnet wurde die Webinale von Program Chair Sebastian Meyen, der im prall gefüllten Keynotesaal den Siegeszug der offenen Web-Entwicklung nachzeichnete. Einerseits scheint es momentan im Web die Bewegung zu geben, viele Dinge kritischer zu sehen also noch vor 5 Jahren: Privacy, DSGVO, Accessibility, Developer Ethics sind hier einige Stichworte, die auch auf der Webinale & IPC eine tragende Rolle spielen.

Andererseits beobachten wir ein Siegeszug offener Prinzipien – nicht selten als Reaktion auf diese kritischere Haltung – , wenn beispielsweise Apple in seiner jüngsten Keynote den Safari Browser ankündigt, der zukünftig das Tracking persönlicher Daten blockiert.

Sebastian Meyen eröffnet die Webinale & IPC 2018

Wenn Microsoft in einem spektakulären Deal diese Woche GitHub erwirbt, kann das ebenfalls als Commitment für eine offene Software-Entwicklung gedeutet werden. Und Besucher der IPC haben seit jeher PHP als offenes System verstanden und gepflegt. Auch sie sehen sich durch den Erfolg von Open Source bestätigt, den Sebastian Meyen mit dem Slogan auf den Punkt bringt: Openness is winnig, and so is PHP!

In andere Gefilde stieß Emily Freeman in ihrer anschließenden Keynote vor. Die Software-Entwicklerin von Kickbox beschrieb Analogien zwischen militärischen Organisationen und IT-Unternehmen.

Was können wir von Sparta, Dschingis Khan und Rom lernen?

Militärlektionen für Entwicklerteams

Unternehmen sind Organisationen, die sich verändern. Aus einem Startup wird ein mittelständisches Unternehmen, aus dem Mittelständler ein Großkonzern. Zudem wird Software immer wichtiger für den Unternehmenserfolg – Software ist schließlich „Eating the World“ –, was neue Anforderungen an die IT stellt, die entsprechend skaliert werden muss.

Doch ist Skalierung nicht einfach Wachstum. Durch die Vergrößerung der Teams ergeben sich neue Kommunikationswege, neue Infrastrukturanforderungen, neue Modelle der Interaktion mit anderen Teams.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Die Formel n*(n-1)/2 gibt an, wieviele Möglichkeiten der Kommunikation es in einem Team der Größe n gibt. So bestehen in einer Gruppe von 5 Personen 10 Kommunikationswege, bei einem Team von 10 bereits 45. 20 Teammitglieder verfügen über 190, 100 Personen über stolze 4950 mögliche Kanäle. Man sieht: Das Skalieren von Teams ist nicht trivial!

Emily Freemans Eröffnungskeynote: Scaling Sparta: Military Lessons for Growing a Dev Team

Sparta

Hilfestellung gab Emily Freeman in ihrer Eröffnungskeynote. Anhand der militärischen Organisationen der Spartaner, der Mongolen und der Römer stellte sie drei Modelle für die Organisation von Gruppen vor, die miteinander arbeiten, um dringende Ziele zu erreichen.

Wir beginnen bei den Spartanern. Sparta hatte eine kleine Armee. Die Kultur war bestimmt von einer Obsession für den Kampf. Die gesamte Erziehung war auf dieses militärische Wertesystem abgestellt und darauf ausgerichtet, hocheffiziente Krieger hervorzubringen. Die Armee sollte die „Mauer von Sparta“ sein – da Sparta selbst keine Mauer aus Stein hatte, sollte die „Wall of men“ den nötigen Schutz bieten.

Was können wir hier für unsere Entwicklerteams lernen?

Sparta steht in Emilys Metapher für ein Startup: Genauso wie Sparta auf ein Ziel hin fokussiert war – Krieg und Kampf –, sind Startups auf ein bestimmtes Produkt bzw. eine spezielle Dienstleistung hin optimiert. Bei der Umsetzung sind Generalisten gefragt, die flexibel auf verschiedene Probleme reagieren und unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Starke Individuen, die stets das Gesamtbild der Organisation im Auge haben. Spezialisierung in verschiedene Abteilungen ist hier eher ineffizient, natürliche Kommunikationswege schneller als institutionalisierte.

Im Zentrum steht das geteilte Wertesystem des Unternehmens, die gemeinsame Kultur, die verteidigt wird und für die in einer Art verschworener Gemeinschaft gekämpft wird.

Dschingis Khan

Beginnt das Startup zu wachsen, vergrößern sich die Teams, verändert sich die Organisationsweise. Hier könnte man sich einiges bei den Mongolen abschauen.

Unter ihrem Führer Dschingis Khan waren die Mongolen in der Lage, das größte Reich in der Geschichte aufzubauen. Strategisch entscheidend dafür war ein Beförderungssystem basierend auf persönlichem Verdienst, kulturelle Toleranz gegenüber den Unterworfenen und eine hohe taktische Anpassungsfähigkeit in der Kriegsführung. Als Nomaden waren sie nicht abhängig von groß angelegten Versorgungsinfrastrukturen. Gleichwohl etablierten sie mit der Seidenstraße ein quasi globales Handelssystem, in dem die Leute gute Geschäfte machen konnten.

Welche Lektionen könnte ein mittelgroßes Unternehmen hier mitnehmen?

Denke strategisch – vermeide emotionale Entscheidungsprozesse. Vermittle den Angestellten die große Zielsetzung, die Vision, lasse ihnen aber Raum, diese Ziele auf ihre Weise zu verfolgen. Autonomes Handeln sollte gefördert werden, Micromanagement vermieden. Organisiere dich in kleinen Einheiten, die ein familiäres Arbeitsklima aufbauen.

Viele Unternehmen begehen laut Freeman in diesem Stadium den Fehler, sich wie eine „echtes“ Unternehmen aufstellen zu wollen – mit spezialisierten Abteilungen, neuen Hierarchieebenen, institutionalisierten Prozessen. Stattdessen sollte man weiterhin einfache Strukturen pflegen, sich auf das konzentrieren, was man wirklich beherrscht. Den Teams gilt es die Mittel bereit zu stellen, die sie für das Erreichen der Ziele benötigen – Toleranz also auch für individuelle Wünsche, damit die Mitarbeiter ihre Geschäfte erledigen können.

Rom

Die Römer haben es geschafft, ein über 2000 Jahre andauerndes Imperium aufzubauen. Rom steht bei Emily Freeman für den Großkonzern. In einem gewissen Stadium der Entwicklung geht es nicht mehr darum, besonders disruptiv zu sein, sondern auch das zu schützen, was man bereits erreicht hat.

In Rom hatte jede Region ihre eigenen Legionen, die an die Zentrale berichteten. Entscheidend für dieses System waren spezialisierte Einheiten, die nur im Zusammenspiel miteinander funktionierten und über eine gewaltige Infrastruktur an Straßen und Interaktionswegen zusammengehalten wurden.

Genauso sind Großkonzerne eingeteilt in spezialisierte Einzelabteilungen, bei denen es auf die richtige Mischung an Autonomie und Hierarchie ankommt. Die Leads kommunizieren die Unternehmensziele in die Teams, berichten die Arbeitsergebnisse an die Zentrale.

Freeman rät dazu, die Abteilungen und Teams im Konzern durchlässig aufzustellen, damit jeder Mitarbeiter seinen Platz findet, an dem er sich wohl fühlt. Wichtig werden Investitionen in Infrastruktur und Systeme der Zusammenarbeit wie DevOps. Themen wie Work-Live-Balance und Mitarbeiterförderung sind essentiell, um leistungsfähige Mitarbeiter zu zufriedenen Mitarbeitern zu machen.

Jetzt werden Spezialisten wichtig – idealerweise ermöglicht man den Angestellten selbst, sich zu solchen zu entwickeln. In jedem Fall ist eine ehrliche Kommunikation, die Wertschätzung der geleisteten Arbeit sowie eine klar vermittelte Vision der Unternehmensziele wichtig.

Fazit

So weit die kurze Darstellung Emily Freemans militärischer Lektionen für Entwicklerteams. Geschichtliche Exaktheit ist hier natürlich nicht gefragt, und sicherlich geben diese Modelle nur Hinweise zu möglichen Entwicklungsformen. Letztendlich komme es darauf an, sein eigenes Sparta zu finden, so Freeman. Um dies zu erreichen, empfiehlt Emily, sich für wichtige Entscheidungen auf Daten zu stützen, Vertrauen in die Mitarbeiter zu entwickeln und ihnen die Freiheit zu geben, sich zu verwirklichen. Bei der Mitarbeitersuche auf kommunikationsstarke, fokussierte und engagierte Leute zu setzen, sind der Schlüssel für jede Skalierung im Team.

Die Webinale und IPC findet vom Montag, 4. Juni bis Freitag 8. Juni statt und versammelt über 700 Webdesigner und Entwickler auf einem gemeinsamen Event. Entwickler.de ist dabei und berichtet live vor Ort.

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