IPC 2013

Wege zum perfekten Content Management
Kommentare

Content Management ist eines der Haupt-Einsatzgebiete von PHP im Web. Der Markt an Systemen ist groß und hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Sowohl für den Client, als auch für den Entwickler der Serverseite gibt es viele neue Anforderungen und Möglichkeiten. Um diesen flexibel zu begegnen, haben wir zwei unterschiedliche Ansätze auf der International PHP Conference in München kennen gelernt.

Im ersten Vortrag sahen wir Nicolas Pastorino, der die REST-Schnittstelle von eZ Publish vorgestellt hat, mit der Inhalte im Repository dank standardisierter Befehle von beliebigen Diensten aus editiert, hinzugefügt oder gelöscht werden können. Im nächsten Vortrag sahen wir Robert Lemke, der das neue Content Repository und weitere Entwicklungen aus dem Hause TYPO3 vorführt, die in Neos eingeflossen sind und dort für große Flexibilität innerhalb des eigenen Systems sorgen. 

Nicolas Pastorino zeigt die neue Content Management Strategie von eZ Publish mit ihrem breit angelegten REST Interface

Pastorino führt sein Publikum zunächst in REST allgemein ein, was eigentlich ein System aus den Neunzigerjahren ist. Er merkt an, dass dessen Potenzial lange ungenutzt blieb, was sich mit neuen Ansätzen im Content Management ändern könnte. Und genau dies ist, was man mit eZ Publish umgesetzt hat. 

Dazu erläutert er auch, dass sich im Core dieses Content Management Systems grundlegende Veränderungen abgespielt haben. So hat man den kompletten Kern unter Beibehaltung der wichtigsten Funktionen entlang der Konventionen des Symfony Frameworks refactort und Komponenten daraus übernommen. Unter anderem musste man Teile der eZ-Funktionalität in Bundles aufspalten, um der neuen Architektur zu entsprechen. Hilfreiche Tipps zum Überführen von Legacy Projekten in moderne Projekte lieferten am selben Morgen Benjamin Eberlei und Kore Nordmann in ihrem Vortrag. (Hans-Christian Otto lieferte ein Erfolgsbeispiel, wir haben berichtet.) Inwieweit eZ Publish Abstriche beim Wechsel auf ein externes Framework hinnehmen musste und welche Vorteile man auf der anderen Seite damit genießt, lernt Ihr in seinem Gespräch mit Robert Lemke, das ebenfalls auf phpmagazin.de erschienen ist.

Doch zurück zum REST API von eZ Publish. Dies liegt inzwischen in der zweiten Iteration vor, mit dem eine große neue Schnittstelle für Content-Management geöffnet wurde. In einem Hands-on führt Pastorino vor, wie er dieselben Bearbeitungsschritte einer Webseite sowohl im “Back Office”, dem Editor von eZ Publish, abarbeiten kann, die er auch via REST API steuern kann. Für den besseren Zugriff darauf nutzte er nichts weiter als die Chrome-Erweiterung Advanced Rest Client. Nun wird die Breite der Schnittstelle sichtbar, die gegenüber dem grafischen Web-Interface keine Einschränkungen aufweist. 

Dank der Rest-Schnittstelle wird eZ Publish bedienbar von etlichen erdenklichen Geräten oder Apps, um die sich eZ Systems prinzipiell nicht mehr kümmern muss. Externe Entwickler können hierfür individuelle Anwendungen entwickeln und vermarkten, die perfekt auf die Kundenwünsche zugeschnitten werden. Pastorino nennt dazu das Beispiel des Offroad-Reporters, der eine Fotomeldung eines Ereignisses in einer Smartphone-App komplett vorbereiten kann, die sich umgehend bei der nächsten Internetverbindung publiziert. Und Erster-Sein ist das wichtigste in dieser Branche, wie der Speaker betont. 

Dank des REST APIs kann es außerdem möglich werden, dass PHP-Backend-Entwickler und Frontend-Entwickler eine gemeinsame Sprache sprechen und auf dieselben Fehler stoßen, während sie Server-Logik und Web-Interface miteinander verbinden. Dies kann sehr hilfreich beim Zusammenführen der Teams werden und die Einbindung neuer Features stark beschleunigen. Wollen wir sehen, was hier noch auf uns zukommt.

Robert Lemke zeigt Neos, das Flow-basierte TYPO3-CMS, mit In-Place Editing und einem neuartigen Content Repository.

Robert Lemke beschäftigt sich seit rund zehn Jahren mit TYPO3. Er hat das nun circa sechs Jahre alte Framework Flow entwickelt, das inzwischen in der zweiten Version vorliegt. Das CMS Neos ist eines der ersten Praxis-Projekte, die voll auf diesem Framework fußen. Den Zuschauern der IPC zeigt Lemke in seinem Vortrag, was uns mit Neos 1.0 erwartet. 

Bei der Entwicklung von Neos ging es nur zu einem Teil um die Entwicklerseite. Lemke zeigte uns, dass User Experience und Content Strategy wichtige Säulen bei der Planung des neuen Open Source Projekts waren. 

We’re all users, but we tend to forget about it.

Entwickler verlieren oft die Userbrille, wenn sie ein Feature implementieren. Manchmal muss man dem Mut zum Weglassen aufbringen, wenn ein Feature komplizierter geraten ist, als es anfänglich geplant war. Wichtig ist, dass die User Experience nicht darunter leidet, auch wenn ein Feature auf dem Plan noch sehr praktisch aussah. 

Auf spätere Aspekte des Vortrages vorgreifend, schaut Lemke mit uns noch einmal unter die Haube von Neos. Sein Content Repository ist unabhängig vom Page Tree und nicht in statische Tabellen gegliedert. Dies macht es flexibel und verwendbar für Systeme, die Content anders als in Pages darstellen. Und später sollen wir feststellen, dass auch innerhalb von Neos dieser Ansatz hilfreich wird. 

Nun aber wieder zur Usability. Ein großes Problem beim Editieren moderner Websites ist das Editing. Zum einen müssen Editoren zuverlässig sein, damit eingetragener Content nicht verloren geht. Zum anderen muss er simpel sichtbar machen, welches Element wie editiert werden muss – was in komplexen Webseiten umständlich werden kann. Außerdem muss der Editor die notwendigen Formatierungsmöglichkeiten bieten. In-Place Editing scheint hier die einfache Lösung zu sein, doch ist damit neuer Aufwand verbunden. 

Einzelne Content-Teile werden im Neos-Editor aus der Live-Webseite genommen, damit diese lokal editiert werden können. Sämtliche restliche Elemente auf dieser Webseite bleiben für andere User mit Schreibrechten verfügbar. Andere User sehen die bisherige Version. Differenz-Ansichten zwischen mehreren Versionen eines Content-Elementes helfen dabei, frühere Versionen wiederherzustellen oder konkurrierende Versionen zu vergleichen. 

Content Strategen empfiehlt Lemke den Wireframe Mode, der sich vom WYSIWYG-Editing loslöst und mehr darauf ausgelegt wurde, Content noch vor dem Layout hinzuzufügen. Das dreht den Workflow vieler Website-Generatoren um und erlaubt in einem späteren Arbeitsschritt, Layout für real existenten Content maßzuschneidern. Die so beschleunigte Arbeit macht es leichter, Layout-Entwürfe frühzeitig zu verwerfen, da insgesamt weniger Arbeitszeit verloren geht.

Ein Hinkebein früherer Editoren waren Previews. Sie sorgen für einen abgehackten Workflow, bei dem User ständig zwischen Editor und Live-Ansicht umschalten mussten, um zu sehen, wie das Resultat aussieht. Das ist theoretisch im In-Place Editing nicht nötig. Aber da die Webseite auf etlichen Gerätetypen ausgegeben werden muss, gibt es Vorschauen für Desktop, Tablet und Smartphone – und recht untypischerweise gibt es auch eine Vorschau, wie die Seite in der Google-Suche repräsentiert wird. Zusätzliche Vorschau-Größen oder -Formate sind in Neos frei konfigurierbar. 

Wer im Content Repository hinterlegte Daten vor ihrer Darstellung im Template modifizieren möchte, der bekommt mit Neos TypoScript 2.0 und die zugehörige Query-Sprache FlowQuery an die Hand gelegt. Lemke demonstriert dies anhand eines Prototyps. Er erklärt, dass dank dieser Art von Datenzugriff so manches Plug-in erspart bleibt, um individuelle, speziell definierte Ansichten einzelner Elemente zu ermöglichen. 

Neos wird euch schon bald Feature-vollständg zum Testen vorliegen. Am 12. November soll die Beta-Phase starten, und am 10. Dezember soll Neos 1.0 final launchen. 

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -