Wie das Fundraising für TYPO3 CMS 6.2 wirklich zu bewerten ist
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Steht TYPO3 CMS 6.2 etwa auf der Kippe? Man könnte es fast glauben, liest man so manche Meldungen der letzten Tage: Von Personal- und Finanzierungsproblemen ist da die Rede. Es müssen gar Gelder über Fundraising gesammelt werden, damit den Entwicklern, die derzeit fieberhaft an dem neuen Release werkeln, ihr Gehalt ausgezahlt werden kann.

Über die Initiative workpackages.org soll die Hälfte der für 6.2 benötigten Gelder über die Community gesammelt werden, die andere Hälfte zahle die TYPO3 Association.

Mal ganz davon abgesehen, dass die Initiative den Zielbetrag von rund 43 000 Euro bereits in wenigen Tagen so gut wie erreicht hatte,  haben wir uns gefragt, welches Licht die aktuellen Meldungen auf Open-Source-Projekte wie TYPO3 CMS werfen. Denn glaubt man manchem findigen Schreiber, hat man schnell den Eindruck, Open Source sei am Wanken und Projektinitiatoren müssten jetzt in der Community betteln gehen. Die gestreuten Gedanken weitergestrickt: Was wenn bei künftigen Releases nicht wie im konkreten Fall die Community finanziell beispringt? Fallen dann künftige Releases einfach aus?

Ganz und gar nicht, versicherte uns Mathias Schreiber von wmdb Systems, der viele Jahre Mitglied des TYPO3-CMS-Projekts war und jetzt an TYPO3 Neos mitarbeitet:

Über das Fundraising soll der Entwicklungsprozess von TYPO3 CMS 6.2 beschleunigt werden, das Release steht und fällt aber nicht damit. Es besteht also kein Grund zur Panik.

Bemerkenswert findet er die Akzeptanz der Initiative, die alles andere als auf eine Krise von Open Source und TYPO3 hindeute:

Dienstag gelaunched, Donnerstag Ziel erreicht – ein guter Indikator für die Stärke von Open Source im Allgemeinen und TYPO3 im Speziellen.

Die Community stehe hinter Open Source und TYPO3, wie Robert Lemke von TechDivision, Project Founder von TYPO3 FLOW und TYPO3 Neos sowie Co-Founder der  TYPO3 Association, am Erfolg der Initiative abliest:

Den neuen Ansatz, die Finanzierung von Arbeitspaketen zur Hälfte durch Crowdfunding und zur anderen Hälfte durch die TYPO3 Association zu  realisieren, ist eine gute Idee. Und offenbar sieht es die Community genauso – immerhin kam dadurch innerhalb weniger Tage eine Summe von über 43.000 Euro zusammen.

Mathias Schreiber betont: Das TYPO3 CMS Core Team habe sich nicht unter der Prämisse zusammengesetzt, dass die Community jetzt im wahrsten Sinne des Wortes ihren Beitrag leisten müsse und andernfalls nichts mehr zu sehen bekommt.

Die Initiative ist eher als Wertschätzung und Hilfestellung für die jahrelange, unbezahlte Arbeit zu sehen.

Robert Lemke beschreibt indes den Wandel im Open-Source-Bereich, der sich auch in Form der Initiative bemerkbar macht:

Web-Entwicklung ist in den letzte Jahren zunehmend komplexer geworden  und längst lassen sich in typischen Projekten nicht mehr alle benötigten Teilbereiche von einzelnen Entwicklern abdecken. Große Entwicklungen, wie zuletzt das neue CMS TYPO3 Neos, aber auch umfangreiche Performance-Verbesserungen für das TYPO3 CMS, lassen sich nicht durch einzelne Agenturen oder Freelancer stemmen. Die Arbeit der tausenden Freiwilligen ist nach wie vor das wichtigste Standbein der Weiterentwicklung unseres Open-Source-Projekts. Aber nur wenige Agenturen können es sich leisten, einen Mitarbeiter für 2-3  Monate freizustellen, um ein neues Kern-Feature zu entwickeln. Crowdfunding und Sponsoring sind eine willkommene und sinnvolle Ergänzung zur Basis-Arbeit der Freiwilligen, denn ohne sie lassen sich letztlich die großen Features, die ein Produkt ausmachen nicht mit den Ansprüchen realisieren, die wir heute an unsere Produkte haben.

Aufmacherbild: Funding Word Money Dollar Sphere Ball von Shutterstock / Urheberrecht: iQoncept

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