Interview mit Anna Filina

Wie sich Manager verhalten sollten, um Entwickler glücklich zu machen
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In wenigen Wochen beginnt die Frühlingsausgabe der International PHP Conference in Berlin. Nur heute, am 4. April noch profitiert Ihr übrigens von den Frühbucherpreisen „Very Early Bird“. Im Countdown zur Konferenz haben wir mit Anna Filina von FooLab Inc. gesprochen, die sich in einer ihrer Sessions mit der Motivation von Entwicklern befasst. Was ärgert Entwickler eigentlich am meisten? Und wie sollten sich Manager verhalten, um die Entwicklerseele zufrieden zu stimmen?

PHP Magazin: Hallo Anna, in deiner IPC-Session gibst du Tipps, wie man Entwickler motivieren kann. Gehen wir die Sache einmal anders herum an: Welche Dinge demotivieren Entwickler deiner Erfahrung nach am meisten?

Anna Filina: Viele Entwickler sind unzufrieden, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Talent nicht richtig anerkannt wird. Und zwar sowohl in Hinblick auf das Gehalt als auch auf einer tieferen, emotionalen Ebene. Dabei kann dieses Problem doch so einfach gelöst werden: Entwickler wollen Herausforderungen meistern und für ihre Leistungen anerkannt werden.

Als Tellerwäscher ist kein Entwickler glücklich, denn verfügt man über die Fähigkeiten, mehr zu leisten, ist diese Arbeit zu anspruchslos und zu monoton. Der Verstand des Entwicklers quillt nämlich nur so über vor tollen Ideen und sehnt sich danach, ein komplexes Puzzle zu lösen. Muss der Entwickler stattdessen den ganzen Tag über nur Tickets in einem Bug Tracker kategorisieren, frustriert ihn das. Entwickler möchten Dinge bauen, und clevere Manager können ihnen das in vielerlei Weise ermöglichen, ohne selbst große Opfer bringen zu müssen.

Allein die Anwendung ihres Talentes in der täglichen Arbeit macht Entwickler aber noch nicht zufrieden, denn sie wollen auch von anderen bemerkt werden. Anders als vielleicht erwartet, können Boni und andere Belohnungen hier sogar gegenteilige Auswirkungen nach sich ziehen – das haben jahrzehntelange Studien belegt. Geht ein Baby etwa seine ersten Schritte gegen ein Entgelt oder für Schokolade? Ganz sicher nicht. Babys wollen Aufgaben meistern und probieren es nach einem fehlgeschlagenen Versuch noch einmal, wenn sie angefeuert und ermutigt werden. Haben sie es dann geschafft, nimmt man sie in den Arm und feiert ihre Leistung. Ich habe meinen Sohn noch nie dafür bezahlt, dass er den Abwasch erledigt. Aber um mir zu helfen und mir eine Freude zu machen, tut er es trotzdem. Er hat sogar noch mehr Spaß daran, mir mein Frühstück zuzubereiten, denn diese Aufgabe ist komplexer und kreativer. Alles was er im Gegenzug von mir möchte, ist ein Lächeln, ein Danke und ein gelegentliches Lob. Und diese Dinge kann jeder großzügig verteilen.

PHP Magazin: Du beschreibst in deiner Session verschiedene Entwickler-Typen. Kannst du ein Beispiel nennen?

Anna Filina: Die beiden offensichtlichsten Typen sind wohl “Der Anfänger” und “Der Experte”. Der Anfänger fühlt sich meist beobachtet und in einer Art Testsituation, sodass er selten um Hilfe bittet und Angst hat, Fragen zu stellen. Wenn man nach ihm schaut, sollte es darum gehen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und ihm die Gelegenheit zu geben, zu fragen. Man sollte Anfänger niemals beurteilen, wenn die Gefahr besteht, dass sie an ihren Fähigkeiten zweifeln. Fehler, die nicht so wichtig sind, sollte man nicht herausstellen. Gelegentlich sollte man aber Vorschläge machen, wie man bestimmte Dinge besser machen könnte.

Ein anderer Fehler, den Manager und Teamleiter immer wieder bei Anfängern machen, ist, ihnen Aufgaben zu stellen, die zu schwierig sind. Es dauert dann lange, bis man merkt, dass der Entwickler nicht weiter kommt, und zu diesem Zeitpunkt kann er das Interesse und die Lust am Projekt bereits verloren haben. Aber man sollte dann auch nicht in das andere Extrem verfallen und ihm nur die ganz einfachen Aufgaben zuweisen. Jeder Entwickler muss das Gefühl haben, Vertrauen zu genießen und nützlich zu sein. Fordere sie schrittweise immer ein bisschen mehr und leiste Hilfestellung, wenn sie in einer Sackgasse sind.

Experten hingegen benötigen Freiheiten in der Wahl ihrer Mittel. Autonomie und Vertrauen ist das Wichtigste für sie. Man sollte sich keine Sorgen machen, wie sie die Dinge angehen, solange sie die gewünschten Resultate liefern – gemäß dem Zeitplan und den erwarteten Standards. Als ich einmal für ein Unternehmen gearbeitet habe, habe ich die Initiative ergriffen und Guidelines für die Qualität von Quellcode erarbeitet, der von externen Parteien stammte. Das hätte mich in die Lage gesetzt, genauere Schätzungen bezüglich neuer Features und der Integration in die Codebasis zu machen. Durch die eine Stunde Arbeit an den Guidelines hätten wir so hunderte von Arbeitstunden sparen können. Meine Vorgesetzte wollte aber, dass ich aufhöre, Zeit für so etwas “zu verschwenden”. Sie schaute auf meine Methodologie anstatt auf die Ergebnisse. Ich habe das Projekt dann einige Monate später verlassen. Das selbe Unternehmen hat es auch verweigert, einige hundert Dollar für eine professionelle Debugger/Profiler-Lizenz zu bezahlen, und dennoch erwartet, dass ich, quasi blind, die Performance der Anwendung verbessern sollte.

Als Manager sollte man Folgendes im Hinterkopf behalten: Die Entwicklergruppe der “Experten” heißt nicht umsonst so. Die Experten wissen besser was sie tun als irgendjemand anderes im Unternehmen. Trauen Sie ihrem Urteil, solange die Ergebnisse stimmen. Andere Typen-Paare, die ich behandeln werden, sind übrigens “Der Pragmatische” versus “Der Detailverliebte”, “Der Optimistische” versus “Der Pessimistische”, “Der Kontroll-Freak” versus “Der Drauflos-Entwickler”.

PHP Magazin: Was hat dich selbst dazu motiviert, Menschen zu motivieren?

Anna Filina: Ich unterrichte schon seit Jahren Entwickler, und dazu gehört eben auch, sie zu motivieren, denn nicht jeder ist von Natur aus aufnahmefähig. Menschen sind stolz und wollen nicht, dass man ihre Ansichten in Frage stellt. Ich probiere gerne neue Ansätze aus und freue mich, wenn ich drastische Fortschritte bei meinen Schülern erkennen kann. Ich höre mir ihre Geschichten an und helfe, wo ich kann. Entwickler zu motivieren und zufrieden zu machen, ist nicht nur ein schönes Gefühl, sondern bringt ihnen selbst auch die besten Ergebnisse. Als leidenschaftliche Person möchte ich meine Leidenschaft gerne in die Welt hinaus tragen. Mit einem Lächeln auf den Lippen funktioniert alles gleich viel einfacher!

PHP Magazin: Vielen Dank für dieses Interview!

Anna Filina is a Web software expert. As vice-president at FooLab, she helps companies by coaching developers and by providing valuable advice to help clients achieve their business goals. Her latest project was a mission-critical application to increase factory production, eliminate product defects and reduce raw material waste. Anna also organizes ConFoo, a world-renowned conference for developers. She herself gives presentations at conferences all over the world.

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