Interview mit Alain Veuve von der TYPO3 Association

"Wir stehen am Anfang eines Dialogs, der hilft, diesen Split gut zu machen."
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Nachdem wir bereits gestern mit Robert Lemke über den am Montagabend verkündeten Split von TYPO3 und Neos gesprochen haben, erklärt Alain Veuve von der TYPO3 Association die Sicht der anderen am Split beteiligten Partei. Dabei wird eins besonders deutlich: die Trennung soll so schnell wie möglich, aber gleichzeitig so freundschaftlich wie möglich erfolgen.

Zumindest für aussenstehende kam die bereits am Montagabend verkündete Trennung durchaus überraschend. Wie Alain Veuve uns in unserem Gespräch heute Vormittag verraten hat, steht dahinter allerdings ein längerer Prozess. Wir haben mit dem sympathischen Schweizer aus der TYPO3 Association und dem TYPO3-Marketingteam gesprochen und einige spannende Einblicke von der anderen Seite erhaschen können.

„Trennungen sind immer schwierig.“

PHP Magazin: Alain, der Split der TYPO3 Association vom TYPO3-Neos-Team kam für viele ziemlich überraschend. Wie begründet sich der Schritt aus der Sicht der TYPO3 Association?

Alain Veuve: Grundsätzlich denk ich nicht unbedingt, dass er überraschend kam – außer vielleicht für die Leute außerhalb der Community. Ich denke aber, die meisten haben schon gemerkt, dass wir nicht in allen Bereichen stark zusammenarbeiteten, dass sich die Produkte unterschiedlich entwickelten und sich so unterschiedliche Communities gebildet haben. Deswegen ist es eigentlich eine natürliche Entwicklung. Wir denken eher, dass diese administrative Geschichte, also diese Separation, ein Schlusspunkt einer natürlichen Entwicklung ist, die sich in den letzten ein bis zwei Jahren abgezeichnet hat. Gleichzeitig sehen wir sie auch als Startpunkt eines neuen Kapitels, bei Neos wie auch bei uns.

Alain Veuve

Alain VeuveAlain Veuve ist Mitglied des Boards der TYPO3 Association und Leader des TYPO3 Marketingteams. Hauptberuflich ist er als Managing Director Switzerland bei AOE (www.aoe.com) tätig, wo er große Unternehmen bei der Konzeption & Umsetzung von OpenSource eBusiness Projekten unterstützt. In seinem Blog auf alainveuve.ch schreibt Alain über die Digitale Transformation und die Wechselwirkungen von Technologie, Business und Gesellschaft, über die Digitalwirtschaft und natürlich über TYPO3.

PHP Magazin: Generell ist aber der Eindruck, dass beide Communities sehr respektvoll miteinander umgehen aber schon richtig, oder?

Alain: Auf jeden Fall. Man muss dazu auch sagen, dass wir auch gar nichts verbergen wollen. Es gab natürlich Spannungen, und ich will auch gar nicht so tun als gäbe es bei der Association wie beim Neos Team keine unglücklichen Momente. Das ist aber wie in jeder Partnerschaft; gewisse Dinge passieren einfach und man muss einen Weg finden, gemeinsam weiterzugehen.

Wenn man jedoch erkennt, dass man sich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt, ist es an der Zeit, getrennte Wege zu gehen. Das ist das, was wir jetzt im Moment umsetzen. Das heißt aber nicht, dass da jetzt bestehende Freundschaften auseinanderbrechen, sondern im Gegenteil: wir wollen ja gerade freundschaftlich weitergehen, das ist das Ziel, das soll den Umgang definieren.

PHP Magazin: Das klingt sehr versöhnlich. Wie steht die TYPO3 Association generell zum Split?

Alain: Wir sehen ihn mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Trennungen sind immer schwierig. Es gab im April in einer großen Runde Gespräche mit Leuten von Neos, der Association und vom CMS-Team, die sich überlegten, wie es mit diesen zwei Produkten weitergehen könnte. Da kamen Fragen auf wie „Können wir eine gemeinsame Produktstrategie definieren?“ und „Wo stehen wir?“, und diese Gespräche waren sehr positiv und konstruktiv.

Was dabei allerdings nicht herausgekommen ist, ist eine klare Marschrichtung wie es weitergehen muss. Im Nachhinein ist dann klargeworden, dass man nicht um jeden Preis gemeinsam weitergehen soll. Es war wenn Du so willst, eine gemeinsame Einsicht.

PHP Magazin: Vor kurzem wurden die strategischen Optionen für die TYPO3 Association für die Jahre 2016 bis 2019 diskutiert. Versteh ich das richtig, dass die Trennung intern schon beschlossen war, als sie durchgingen?

Alain: Nein, überhaupt nicht. Bei dem Meeting, das wir am 2. April hatten, ging es um die Zukunft des Verhältnisses von Neos, der TYPO3 Association und TYPO3 CMS – und war komplett ergebnisoffen. Die GA fiel auf einen Zeitpunkt zwei Wochen später und da war noch nichts entschieden, es gab noch nicht einmal Gespräche dazu. Die Weiterentwicklung der Association und der Split sind unabhängige Initiativen.

PHP Magazin: Die TYPO3 Association stellt unter anderem auch eine finanzielle Unterstützung für die Teilprojekte zur Verfügung. Wird Neos noch einen Teil dieser Unterstützung erhalten?

Alain: Es ist klar, dass mittel bis langfristig Neos komplett auf eigenen Beinen stehen muss. Wie das kurzfristig aussieht, liegt im Moment in der Verantwortung des EAB. Zur Zeit läuft z. Bsp. ja gerade ein Sprint des Neos-Teams, der auch von der Association mitfinanziert wird. Zudem werden wir unsere Member in einem Polling dazu befragen, aber da wir ganz am Anfang stehen, bleibt es auch hier bei der Absichterklärung – Details sind noch nicht besprochen.

Was wir beide allgemein wollen, ist eine gut geordnete und freundschaftliche, aber auch eine möglichst schnelle und effiziente Trennung. Es bringt ja nichts, wenn man sich einmal entschieden hat, nicht Nägel mit Köpfen zu machen.

Noch kein konkreter Termin für den Split

PHP Magazin: Der Split soll also so schnell wie möglich vollzogen werden. Gibt es dafür schon einen konkreten Termin?

Alain: Es gibt keinen konkreten Termin oder Zeitraum. Die Direktive ist, wie gesagt, so schnell wie möglich, aber geordnet und freundschaftlich.

Diese Gespräche sind gerade mal ein paar Tage alt, aber wir sagen schon jetzt, dass wir uns im Grundzug einig sind: dass es diese Trennung geben soll. Wir haben aber noch keine Inhalte besprochen oder diskutiert, sondern nur die Absichtserklärung zur Trennung geklärt und die Frage erörtert, wie wir das kommunizieren wollen. Das Statement wird von beiden Seiten gemeinsam getragen und wurde von beiden Seiten gemeinsam herausgegeben.

Schlussendlich wird diese Transition durch sachliche Themen getrieben, sie definieren wie schnell die Trennung umgesetzt werden kann. Man muss auch bedenken, dass das Neos-Team im Moment mit dem Release von Version 2 stark beansprucht ist – und natürlich auch da Prioritäten liegen.

PHP Magazin: Es ist auch gut, dass ihr mit der Kommunikation so früh rausgegangen seid. In der Pressemitteilung hieß es, dass man noch dabei sei, die Details der Trennung auszuarbeiten. Welche Details sind aktuell noch offen?

Alain: Ehrlich gesagt eigentlich fast alle, wir haben eine ziemlich lange Liste mit Details. Wir haben uns aber zunächst darauf geeinigt, sie vorerst nicht zu veröffentlichen. Es gibt das Neos-Team mit +/- 14 Leuten, das Board, das EAB, – und alle haben dabei mitzureden. Wenn so viele Leute beteiligt sind, gibt es auch entsprechend viele Meinungen, da muss man erst einmal in dieser Gruppe einen Konsens finden, bevor man an die Öffentlichkeit geht.

Ich denke nicht, dass es etwas bringt, mit der ganzen Community über alle Details zu sprechen, auch wenn wir demokratisch sein wollen. Das ist erstmal eine Frage der Effizienz. Da wir die Association aber soll demokratischer und kommunikativer werden; nicht zuletzt darum haben wir uns gesagt, wenn wir jetzt diese Gespräche haben und einen Konsens über die Trennung, dann müssen wir das auch kommunizieren. Das sind wir unseren Members schuldig. Das Mitspracherecht möchten wir mit dem Polling berücksichtigen.

Zukunftspläne für TYPO3 CMS

PHP Magazin: Ihr arbeitet ja noch gemeinsam an verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel die Template Engine Fluid oder einem Deployment Tool. Werdet ihr die Zusammenarbeit auch in Zukunft eng halten?

Alain: Ich denke, es ist so wie Robert es in seinem Interview auch schon gesagt hat: grundsätzlich sollen die vielen Freundschaften weiter gepflegt werden und Anknüpfungspunkte – wo das Sinn ergibt – bestehen bleiben. Wie das konkret aussieht, kann ich nicht sagen. Aber wenn man Dinge gemeinsam weiterentwickeln, weiterbringen kann, dann nur zu. Die Trennung ist ja keine ideologische Geschichte, wo man mit den anderen nichts mehr zu tun haben will, sondern allein von der Tatsache getrieben, dass verschiedene Communities und Einsatzbereiche entstanden und man nun der Überzeugung ist, dass es für beide besser ist das selbständiger weiterzuentwickeln.

PHP Magazin: Was sind nun die nächsten Schritte für das TYPO3 CMS?

Alain: Was für uns natürlich sehr positiv ist, dass wir sehr viel Motivation in dem Projekt haben und sehr viele neue Leute hinzukommen und mitarbeiten. Es ist klar, dass wenn so viel Energie reinfließt und so viele Leute contributen, wir ein Produkt sehen werden, das sehr viel stärker und schneller entwickelt werden wird, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Insofern hat die Trennung für uns auch eine positive Auswirkung, weil viele Leute ihren Einsatz gerade über die Frage, ob Neos ein Nachfolger von TYPO3 CMS sein wird, definiert haben. Es gab schon Tendenzen, dass Contributors gehemmt waren, in CMS Zeit zu investieren.

Da diese Frage nun geklärt ist, versprechen wir uns, dass neuer Schwung in TYPO3 reinkommt. Das ist teilweise ja bereits geschehen.  Denselben Effekt erhoffen und erwarten wir auch bei Neos.

PHP Magazin: Das klingt doch spannend. Noch irgendwelche berühmten letzten Worte?

Alain: Es sind hier nicht die letzten Worte. Wir stehen am Anfang eines Dialogs, eines Findens einer Möglichkeit, diesen Split gut zu machen. Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann vielleicht das, dass wir in zwei, drei Jahren auf heute zurückblicken und sagen können: Wir haben das Richtige getan. Das würde sich für mich so zeigen, dass beide Produkte und Communities stärker geworden sind und Anknüpfungspunkte behalten haben. Sowohl das Neos-Team als auch wir von der TYPO3 Association setzen uns jetzt dafür ein, dass das Wirklichkeit wird.

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