XML ist tot. Lang lebe XML!
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Ist XML wirklich so tot, wie manche Technologie-Evangelisten es einem glauben machen wollen? Dieser Frage ging David Zülke (Bitextender GmbH) in seiner IPC Keynote am Dienstag nach. Sein Session-Titel

Ist XML wirklich so tot, wie manche Technologie-Evangelisten es einem glauben machen wollen? Dieser Frage ging David Zülke (Bitextender GmbH) in seiner IPC Keynote am Dienstag nach. Sein Session-Titel „XML is dead. Long live XML“ deutet schon an, dass David XML nicht den schnellen Tod, sondern vielmehr noch ein langes Leben bescheinigt.

Die Extensible Markup Language ging 1998 an den Start, um den plattformübergreifenden und implementationsunabhängigen Datentransfer zwischen Computersystemen zu ermöglichen. Heute haftet dem Standard das Etikett der Schwerfälligkeit an; neuere Technologien, vor allem JSON, erhalten oft den Vorzug. Angesichts dieser Front gegen XML konnte man David Zülkes Vortrag durchaus als Verteidigungsrede verstehen, die die Botschaft übermittelte: XML ist richtig eingesetzt auch heute noch eine durchaus sinnvolle Wahl!

David Zülke auf der IPC 2013

Sicherlich – negative Erfahrungen mit XML hat fast schon ein jeder gemacht. Dies liegt aber nicht unbedingt an der fehlenden Qualität von XML, sondern vielmehr daran, dass XML allzu oft auf eine Weise genutzt wird, für die es nicht vorgesehen war. Push Parsing mit SAX, DTD, Objekt-Serialisierung nach XML à la SOAP – das sind laut Zülke Dinge, die man einfach nicht machen sollte.

XML hat richtig eingesetzt aber durchaus Vorteile auch gegenüber JSON. Etwa lassen sich in XML Namespaces und Attribute hinzufügen, ohne existierende Parser zu beeinträchtigen. Wird beispielsweise ein Produkt zunächst auf dem deutschen Markt angeboten, später dann international vertrieben, können Attribute für US-Dollar-Preise hinzugefügt werden.

Das XML Document Model ist also auf Erweiterbarkeit ausgelegt und ist hier JSON überlegen. Doch natürlich hat auch JSON seine Stärken, es ist das Format Nr.1 zur Serialisierung von Objekten und im Kontext von AJAX der beste Kommunikationsweg zwischen Server und JavaScript-lastigem Browser.

Weder JSON noch XML sollte man allerdings für Datenbankquerys in Betracht ziehen. Nicht umsonst hat sich MySQL hier so lange gehalten, sagt Zülke. Sicherlich kann man mit entsprechenden Kniffen jede der Technologien auf alle mögloichen (und unmöglichen) Probleme anwenden – ganz im Sinne des Hammers, bei dessen Besitz man alle möglichen Aufgaben als Nagel sieht. Auf lange Sicht handelt man sich indes nur größere Schwierigkeiten ein.

Und so lautete die Subbotschaft Davids Vortrag eigentlich: Macht euch mit den Technologien vertraut und lotet aus, für welchen Einsatzbereich sie prädestiniert sind. Das kann XML, JSON, MySQL oder selbst YAML sein (auch wenn Zülke nichts Gutes über YAML zu erzählen hatte). Stößt man allerdings an die Grenzen einer Technologie, sollte man nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen wollen, sondern einen Moment innehalten und überlegen, ob hier nicht eine andere Technologie die Lösung sein könnte. Erweitert Euer Toolset, damit ihr erst gar nicht in die Versuchung kommt, mit XML alles erschlagen zu wollen.

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