Webdesign ist mehr als Kunst
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Galt es in den frühen Nullerjahren noch als Kunststück, eine Seite überhaupt online zu bekommen, so gewannen in den letzten Jahren Faktoren wie das Interfacedesign, die Usability oder die User Experience

Galt es in den frühen Nullerjahren noch als Kunststück, eine Seite überhaupt online zu bekommen, so gewannen in den letzten Jahren Faktoren wie das Interfacedesign, die Usability oder die User Experience zunehmend an Bedeutung. Diese Abkehr vom rein technischen Anspruch und die Hinwendung zu eher künstlerisch angehauchten Termini setzt dem Kolumnisten und Webentwickler Casey Ark zufolge jedoch gleich mehrere falsche Signale mit potentiell negativen Auswirkungen.

Entkoppelungseffekt

So befürchtet er Erstens einen Entkoppelungseffekt: Die Erwartungshaltung der Auftraggeber und das von Webdesignern abgelieferte Produkt driften zunehmend auseinander. Dies ist Ark zufolge in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass die meisten Unternehmen die Existenzberechtigung einer Webseite darin sehen, ihre Marke bzw. ihre Produkte bekannter zu machen; erklärtes Endziel ist die Gewinnung neuer Kunden. Beginnt man als Webdesigner nun damit, bei Verhandlungen und Projektbesprechungen von einem künstlerischen statt einem wirtschaftlichen Standpunkt aus zu argumentieren, kann dies zu unnötigen Irritationen aufseiten der Kunden führen.

Verlust profitabler Kunden

Konzentriert man sich auf eine künstlerische Gestaltung mag man zwar einige Kunden gewinnen, die sich für derartiges begeistern können, gleichzeitig riskiert man Zweitens jedoch, deutlich mehr Kunden zu verlieren: Insbesondere Unternehmen mittlerer Größe betrachten ihre Webseiten in erster Linie als Mittel zum Zweck der Profitsteigerung; eine ansprechende Gestaltung spielt für sie hingegen nur dann eine Rolle, wenn sie dem Erreichen dieses Ziels förderlich ist. Da Unternehmen mittlerer Größe zumeist die treuesten, an längerfristigen Geschäftsbeziehungen interessierten Kunden sind, sollte man im Sinne konstanter Einkünfte tunlichst vermeiden, sie mit allzu ambitionierten Designs zu verschrecken.

Verkürzung des Leistungsspektrums

Webdesigner und -entwickler werden zumeist einer der folgenden Sparten zugeordnet: Webdesign, Grafikdesign oder Webentwicklung. Diese Klassifizierungen können Drittens einschränkend sein, decken sie zwar die meisten, aber eben doch nicht alle Dienstleistungen im Webbereich ab. So lassen sich einige der lukrativsten Tätigkeiten, wie beispielsweise die Markt- oder Usability-Forschung, keinem dieser Bereiche zuordnen. Sollten einen die Auftraggeber bereits in eine bestimmte Schublade gesteckt haben, ist es fast unmöglich, an derartige Aufträge zu kommen.

Arks Fazit lautet deshalb: Es ist zwar gut und wichtig, einen gewissen künstlerischen Anspruch zu haben, man sollte jedoch darauf achten, dass einem dieser nicht irgendwann zum Nachteil gereicht.

Aufmacherbild: Concept of creativity in business on white background von Shutterstock / Urheberrecht: alphaspirit

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