11 Tipps für gutes Webdesign

Webdesign: Von der Natur lernen
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Ein gutes Webdesign muss verschiedenste Aspekte berücksichtigen. Egal ob suchmaschinenoptimiertes oder das responsive Webdesign – das Web quillt über vor Ansätzen, die eine Orientierung im Webdesign-Dschungel bieten sollen. Ein spannender Gesichtspunkt ist die Anlehnung an die Natur. Klingt zunächst ungewöhnlich, macht aber Sinn, wie die folgenden elf Tipps zeigen.

Webdesigner sind Künstler, die sich genauso wie die großen Meister vergangener Jahrhunderte von der Natur inspirieren lassen können. Die Natur bietet Webdesignern vielfältige Möglichkeiten: Farben, Texturen, Linien, Formen, Symmetrien und Strukturen, die in Kunst und Design nachgebildet werden können. Diese Vorlagen lassen sich in elf Tipps für gutes Webdesign umwandeln, wie Laura Callisen in „What Web Designers Should Learn from Nature“ erläutert. Wir haben uns die Ratschläge angesehen und mit anderen Quellen abgeglichen. Dabei stellt man fest: Viele der Tipps sind nicht nur auf die Natur bezogen, sondern „universeller Natur“.

11 Tipps für gutes Webdesign

1.

Beständigkeit


Zu wissen, auf welcher Website man sich befindet, ist für einen User nicht nur ein Nice-to-Have. Dass die einzelnen Unterseiten das gleiche Design und Branding widerspiegeln, ist ein entscheidender Faktor für die Nutzerfreundlichkeit. Zudem sollte das Design auf allen Devices gleich aussehen. Dabei geht es nicht darum, dass jede einzelne Site komplett identisch gestaltet ist, sondern vielmehr darum, dass Elemente des UI (Firmenlogo, Inhalt, Seitennavigation etc.) an gleicher Stelle auftauchen. So spart sich der User Zeit bei der Navigation und kann sich mehr auf den Content konzentrieren oder wie es Ben Lacey in „Why is consistency important in Web Design?“ ausdrückt:

If the site is inconsistent it slows the visitor down, causing them to lose interest in your site.

Auf die Natur übertragen heißt das, sich am Konzept von Harmonie und Einheitlichkeit ein Beispiel zu nehmen. Die einzelnen Elemente einer Website müssen sich ergänzen, so wie ein Pflanzenarrangement im Garten oder die visuelle Einheit von Baum, Blättern und Wolken. So sollte eine Site, deren Inhalt beispielsweise Musik ist, Gestaltungselemente verwenden, die das Thema ergänzen.

2.

Ausgewogenheit


Eine gewisse Balance und Ausgewogenheit im Design können dabei helfen, den User zu den Stellen zu führen, die wir als Designer für angemessen erachten. Webdesignerin Stephanie Hamilton erklärt, dass eine Site, die eine ausgewogene Balance zwischen Text, Grafik, Medien und White-Space aufweist, Besucher anzieht, während eine zu volle eher abschreckt. Auch die Ausrichtung der Elemente an der vertikalen Achse machen eine Site angenehm zum Anschauen:

We are bilateral creatures and our sense of balance is innate. When elements are not balanced around a vertical axis, the effect is disturbing and makes us uncomfortable.

Ein guter Tipp ist, die erstellte Website zu schließen und nach einem kurzen Moment noch einmal draufzuschauen: Wie ist der eigene erste Eindruck? Ist die Page zu voll oder dominiert eine einzelne Sache? Ein weit verbreiteter Fehler beim Erstellen von Sites liegt im Fokussieren auf ein bestimmtes Detail, von dem der Webdesigner denkt, dass dieses den User direkt anspricht.
3.

Kontrast


Einen sonnigen Sommertag kann man nicht nur zum Entspannen nutzen, sondern auch, um sich von den Kontrasten in der Natur inspirieren zu lassen: Ein Baum mit unzähligen grünen Blättern, der sich gegen einen ebenen, blauen Himmel mit unterschiedlichsten Wolkenformen abhebt. Gerade die Kontraste machen den Anblick so spannend. Dabei geht es nicht nur um Farbkontraste, sondern um Abweichungen in Formen und Größen. Nutzt man alternativ unterschiedliche Schrift- oder Bildgrößen, Layoutformen oder verschiedenartige Textblöcke, lockert das das Design erheblich auf.

4.

Proportion


Denkt man an den Goldenen Schnitt oder die Fibonacci-Folge, zeigt sich, dass auch hier die Natur Vorbild für gutes Webdesign ist. Man findet die Fibonacci-Folge beispielsweise in der Anordnung von Blättern: Die dort befindlichen Spiralen sind in ihrer Anzahl durch Fibonacci-Zahlen bestimmt. Gleiches gilt für den Goldenen Schnitt. So sollte beim Design einer Website stets darauf geachtet werden, dass die wichtigen Elemente im Verhältnis größer sind als die unwichtigeren – denn der Besucher fixiert sich mehr darauf.

5.

Einfachheit


Beim Design sollte man sich nicht dazu hinreißen lassen, zu viel auf eine Seite packen zu wollen. Eine Website sollte benutzerfreundlich sein und das bedeutet, dass auf zu kompliziertes Design verzichtet werden sollte. Von unnötigen Deko-Elementen, verspielten Schriftarten und komplizierten Logos sieht man besser ab. Auch die Ladezeit einer Website sollte möglichst kurz gehalten sein, um einen einfachen Zugang zu schaffen. Steve Jobs sagte einmal, dass einfaches Design zwar von außen simpel aussehe, aber nicht einfach umzusetzen sei – und genau das ist der Punkt:

Simple can be harder than complex: You have to work hard to get your thinking clean to make it simple.

6.

Ordnung


Wie heißt das Sprichwort so schön: Ordnung ist das halbe Leben. Und genauso, wie die Sonne nicht plötzlich im Westen aufgeht oder Planeten nicht ihren Platz untereinander tauschen, hat auch gutes Webdesign eine logische Ordnung. Dies vermittelt dem User Kontinuität und hilft ihm, sich auf der Site zurechtzufinden. Inhalt und Gestaltungselemente sollten aufeinander abgestimmt sein, denn jegliches Unbehagen des Besuchers führt zu einem Seitenausstieg.

7.

Textur


Texturen kann man auf einer Website zwar natürlich nicht fühlen – sehen kann man sie aber doch. So besteht die Möglichkeit, den Seitenhintergrund mit einer passenden Textur zu füllen. Stellt man sich eine Website für ein Steakhouse vor, lässt sich zur Unterstreichung mit Leder- oder Holzelementen arbeiten. Dieser Realismus weckt Emotionen (#11) im Betrachter und kann sehr beeindruckend wirken, wie Rachel Alexander in „Using Texture Tastefully in Web Designs“ schreibt. Wie immer gilt aber: In Maßen einsetzen, sonst passiert so etwas wie in diesem (abschreckenden) Beispiel!

8.

Bewegung


Für den Punkt „Bewegung“ gilt das gleiche wie für die Verwendung von Textur: Keep it simple! Auch in der Natur gibt es ständige Bewegung und so lange das keine Wirbelstürme, Erdbeben oder andere Katastrophen sind, ist dies auch schön anzusehen. Eine kleine Animation hier und da schafft Luft und lockert die Site auf.
Auch das Einbinden von Standbildern oder eine Scrollmöglichkeit erzeugen Bewegung, was laut Emelyn Baker (Design Trend: Motion in Web Design) sehr wirkungsvoll sein kann. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Website Dataveyes.

9.

Vielfalt


Genauso wie die Natur mit einer schier unendlichen Varietät an Tieren, Pflanzen, Formen usw. ausgestattet ist, sollte auch eine Website durch Vielfalt den Besuch interessant, angenehm und aufregend gestalten. Es lassen sich zum Beispiel verschiedene Schriftarten und Farben wählen, oder dasselbe Bild kann in verschiedenen Größen, Nuancen und Farben wiederholt angezeigt werden. Zur Vielfalt zählt aber auch die Vielfalt an Geräten, auf denen eine Website dargestellt wird: Der Webdesigner muss bei der Entwicklung darauf achten, dass seine Site auf jedem Device korrekt angezeigt wird und alle Features vorhanden bleiben.

10.

Wechselwirkung von Elementen


Alles auf der Erde steht in Beziehung zueinander und befindet sich in einer symbiotischen Wechselwirkung. Aufs Webdesign übertragen bedeutet das, dass alle Seiten einer Website ihre eigene Aufgabe haben, aber trotzdem in Abhängigkeit voneinander existieren. Verdeutlichen lässt sich das Ganze am Beispiel einer Site für High-End-Schmuck: Diese Page macht nicht nur Werbung für ihren Schmuck, sondern verkauft zugleich einen gewissen Lifestyle. Daran muss sich die Gestaltung orientieren: So sollten etwa gedeckte Farben genutzt werden, die Kleidung der Models extrem stylish und der Hintergrund einfach und ruhig gestaltet sein. Denn erst alle Elemente im gelungenen Zusammenspiel ergeben eine ansprechende Website.

11.

Emotionen


Über Emotionen tritt man direkt an den User heran. Deswegen ist es besonders wichtig, darauf zu achten, welche Stimmung man mit seiner Website transportieren möchte. So hat beispielsweise der Auftritt eines Bestattungsunternehmens eine andere Grundstimmung als der eines Konzertveranstalters. Natürlich kreiert man bereits allein mit dem Inhalt Emotionen, aber man kann diesen durch die entsprechende Farbwahl unterstützen: Rot vermittelt Jugendlichkeit und Stärke, während Blau für Stille und Sicherheit steht. Des Weiteren gehören laut des Beitrags „The Basics of Emotional Design“ beispielsweise Humor und überraschende Elemente zu den Punkten, die User emotional ansprechen. Bereits 2003 berichtete der Kognitionswissenschaftler Don Norman darüber, wie gutes Design Menschen glücklich macht:

Now Go and Be Different!

Alle diese elf Punkte beim Webdesign zu berücksichtigen, braucht Übung und Zeit. Allerdings werden Sie sehen, dass es sich lohnt und auch die User werden es Ihnen danken. Gutes Webdesign zeigt sich auch darin, dass man Dinge anders macht als andere – nämlich besser. Natürlich ist es auch immer abhängig vom Projekt, ob alle vorgestellten Schritte notwendig sind. In jedem Fall hat uns aber bereits die Natur gezeigt, wie gutes Design funktionieren kann – lassen wir uns von ihr inspirieren!

Aufmacherbild: Businessman working with the nature von Shutterstock / Urheberrecht: Rawpixel

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