Webdesigntrends 2012 auf der IPC/WTC 2012

Webdesigntrends 2012: Die Zeiten ändern sich, das Web auch
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Vieles hat sich verändert, seitdem Tim Bernes Lee vor über über 20 Jahren HTML erfunden und das World Wide Web begründet hat. Mit dem Internet setzte sich ein Lernprozess in Sachen Webdesign in Gang: Während Anfang der 1990er Jahre noch Text-Browser ohne grafische Benutzeroberfläche Mode waren, zettelte Microsoft 1995 einen Browserkrieg an. Es galt, den bis dahin vorherrschenden Netscape Navigator vom Markt zu verdrängen, der Internet Explorer war die Geheimwaffe: Es war der Anfang der heutigen Browservielfalt. Schon damals mussten Entwickler und Designer anfangen, sich Konzepte zu überlegen, die auf verschiedenen Formfaktoren bestmöglich funktionierten. Heute setzt sich dieser Trend gerade in puncto Mobile Web fort: Websites müssen heute responsive sein und sich an viele verschiedene Geräte anpassen können, auf dem iPhone ebenso gut wirken, wie auf dem iPad.

Aber auch in Sachen Optik hat sich vieles geändert. Waren in den 90er Jahren noch überladenen Websites, in denen Designer so ziemlich alle (technisch kaum noch mit heute vergleichbaren) Möglichkeiten ausreizten, gilt heute eher die Devise „Weniger ist mehr“. Wie in der Kunst wandelt sich der „Geschmack“ von Designern und Usern – Webdesign wandelt sich und ist sich verändernden Trends unterworfen. Aktuelle Trends stellte Vitaly Friedman, Chief Editor der Website Smashing Magazine, bei der IPC/WTC 2012 in Mainz vor.

Wobei er von „Trends“ eigentlich nicht sprechen wollte. Denn Trends suggerierten ein Ästhetikempfinden, das sich nicht pauschalisieren lasse. Besser fand er, von „neuen Ansätzen und Ideen“ zu sprechen und dem Designworkflow, der damit einher gehe.

Responsive Web Design sei ein gutes Framework für das inzwischen „flüssige“ Web, das keine feste Größe hat. Daher sollten Webdesigner sich beim Layout auch nicht an Browsergrößen orientieren, denn: „Wir sind Webdesigner, keine Rechteckdesigner.“ Die bekannten Komponenten zur Umsetzung von Responsive Web Design wie Fluid Grids ließ Friedman aber aus. Stattdessen konzentrierte er sich etwa auf „Content Choreography“: Der Content passt sich immer der Screenauflösung an, der Webdesigner muss, damit dies sinnvoll funktioniert, herausfinden, welcher Content für den User am Wichtigsten ist. Ziel soll sein, dass er nicht zufällig sondern nach Priorität die Anordnung wechselt.

Responsive Design meint aber nicht nur Bilder und Layout, sondern alle Designelemente, z.B. Navigation, Tabellen oder Typographie. Gerade an Typographie könne oder sollte ein zeitgemäßes Web Design orientiert sein. Das erfordert allerdings ein Umdenken in Sachen Designprozess. Der klassische Pfad (Planing- Static Wireframes-Static Design- HTML/CSS/JS-Launch) bewährt sich nicht mehr. Viel mehr sollte auf die Planung zunächst das Text Design folgen, erst später die visuelle Umsetzung. Der „Typography-Out Approach“ bedeutet, nicht mit dem Layout, sondern mit den Inhalten und deren Aussehen zu beginnen und so Struktur zu erzeugen. Die Typographie wird zum Ausgangspunkt für jegliche Designentscheidung.

Mit dem „Chameleon Approach“ können Webdesigner einen Design-Prozess vollziehen, der am Ende aber nicht das Ziel eines konkreten Release-Produkts hat, sondern zunächst eine vollständige Bibliothek mit diversen Komponenten (Style Guides, Templates etc.) darstellt, die später in Kundenprojekten weiterentwickelt, angepasst und mosaikartig zusammengesetzt werden. Das Manko für manche Web Designer: Mit Tools wie Photoshop ist das nur schwer zu realisieren. Adobe hat aber mit der Design-Lösung „Edge Reflow“ bereits darauf reagiert, erklärte Friedman.

Ein weiterer Punkt, der eine Website zeitgemäß mache, sei Persönlichkeit; ein „delightful UX“. „Design Personas“ dokumentieren wichtige Eigenschaften eines Brands, eine Wishlist und No-Gos und dienen als Leitfaden für jegliche Design- und Content-Entscheidungen. Webdesigner sollten sich selbst als Storyteller sehen: Sie erzählen die Geschichte ihrer Website, führen den User hindurch, geben ihr ihre persönliche Note und erschaffen eine Identität, die im besten Fall Empathie und Sympathie erzeugt.

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