Ab Mai ist Schluss mit freiem Internet: Dann fahr’ ich lieber Harley [Kommentar]
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So langsam sollten wir uns alle überlegen, eine Harley-Davidson zu kaufen. Deren Werbeslogan, der neuerdings beinahe täglich durchs Radio schallt, weckt in mir ein ungeahntes Streben nach freier Entfaltung. Der Slogan lautet (in etwa): “Du brauchst kein Smartphone und Internet – was du brauchst, ist Freiheit!” Den anschließenden Aufruf, eine kostenlose Probefahrt zu vereinbaren, würde ich liebend gern wahrnehmen. Und zwar nicht, weil ich Motorradfreak bin, sondern weil die jetzige Entwicklung meiner eigentlichen Interessen, Smartphones und Internet, in die falsche Richtung geht.

Wie kommt die Telekom auch dazu, eine Datendrossel für DSL-Flattarife einzuführen? Für alle, die es noch nicht gehört haben, die Telekom bremst ab 2. Mai die Viel-Surfer aus, wie die Sueddeutsche titelt. Normalsterbliche mit 16 Mbit/s-Leitung surfen dann ab 75 GB monatlich genutztem Volumen mit GPRS-Geschwindigkeit weiter. Ich gebe zu, dass die meisten wohl nichts von der Drossel merken werden, nicht zuletzt, weil die Telekom erst ab 2016 tatsächlich den Fuß auf die Bremse setzen will. Bedroht wird dadurch aber einer unserer bedeutensten Grundinstinkte: die Freiheit.   

Ich quäle mich übrigens schon seit Jahren mit meinen 200 MB durch den Monat und hoffte bis gestern, dass in naher Zukunft mehr Volumen entweder bezahlbar wird, oder man die Sperre irgendwann einfach komplett aufhebt. Ist es nicht so, dass mittlerweile jeder Grundschüler mit einem Smartphone rumläuft und die Provider dementprechend aufrüsten?

Im Moment glaube ich, sie hinken hinterher und ich habe die Befürchtung, dass sich nun auch auf dem mobilen Markt so schnell nichts ändern wird. Dass ich in einigen Jahren nicht mal mehr im heimischen WLAN bedenkenlos surfen kann, beunruhigt mich sehr.  

CC BY-SA 2.0 secretlondon123 / John F. Nebel / metronaut.deWerbesatire zur Telekom-Ankündigung (CC BY-SA 2.0 secretlondon123 / John F. Nebel / metronaut.de).

Bundesnetzagentur auf meiner Seite

Die Bundesnetzagentur ermittelt im Auftrag der Verbraucher und fordert Internetprovider mit bisher mäßigem Erfolg dazu auf, transparentere Informationen zur tatsächlich erreichbaren Bandbreite zu geben.

Jetzt wird ermittelt, ob die Telekom mit den neuen Drosseltarifen gegen die Netzneutralität verstößt. Denn laut AGB sollen Kunden mit Entertain-Paket (TV) oder VoIP-Anschluss dahingehend bevorzugt werden, dass die Datenströme, die für TV und Telefon genutzt werden, nicht auf die Gesamtdatenmenge angerechnet werden. So funktioniert auch der Music-Tarif von T-Mobile: Alles was innerhalb der Spotify-App geschieht, wirkt sich nicht auf das gebuchte Volumen aus.

Abwarten und Tee trinken

Im Moment heißt es leider: Abwarten und Tee trinken. Denn wir als Kunden haben bei solchen Beschlüssen nur wenig Mitspracherecht. Zwar liegt ein Wechsel nahe, doch andere Provider werden mit Sicherheit nachziehen. Schon allein, weil die Discounter (1und1 und Konsorten), die im Grunde nur Kontingente der Großprovider an uns weiterverkaufen, keine Verhandlungsposition besitzen. Ein Wechsel zu Kabelnetzbetreibern bleibt für viele auch keine Lösung, denn diese Drosseln schon seit einiger Zeit Viel-Downloader, die ihre Medien über One-Click-Hoster und Filesharing-Portale beziehen, so berichtet Caschy auf seinem Blog.

Ich für meinen Teil werde versuchen, so schwer es mir fällt, die Pferde noch nicht scheu zu machen. Wer weiß, wie sich alles noch entwickelt und ob die Telekom schließlich doch noch von ihren Plänen absieht. Für den Notfall habe ich zumindest eine Alternative, in der Smartphone, DSL und Internet keine Rolle mehr spielen: Eine Harley.   

Aufmacherbild: Screenshot testrides.harley-davidson.de

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