Als Streetspotr mobil Geld verdienen
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Als das Nürnberger Startup nach dem Ende der Beta-Phase im Frühjahr 2012 die eigens entwickelte App „Streetspotr“ gelauncht hat, war der durchschlagende Erfolg noch nicht absehbar. Heute, nach einem dreiviertel Jahr, verzeichnet die App, die bisher für Android-Geräte und iPhone verfügbar ist, eine rasant wachsende Nutzerzahl und steigendes Interesse bei Unternehmen.

Was ist Streetspotr?

Die Plattform nutzt die hohe Verbreitung von Smartphones. Sie bietet in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Mikrojobs – sogenannte Spots – an, die von Smartphone-Nutzern unterwegs erledigt werden können. Dabei gibt es unbezahlte Spots, mithilfe derer vor allem infrastrukturelle Angaben wie vorhandene Taxistände oder öffentliche Toiletten geprüft werden. Für viele User interessanter sind sicherlich die bezahlten Mikrojobs, die von Unternehmen eingestellt werden. Durch deren Erledigung erhalten die Unternehmen schnell, zuverlässig und ohne großen Aufwand für sie relevante Informationen und die Smartphone-Besitzer erhalten im Gegenzug eine kleine Aufwandsentschädigung für ihren Einsatz als Straßendetektiv.

Das Team des Nürnberger Startups Streetspotr.



Das Team des Nürnberger Startups Streetspotr.

Die registrierten User, die Streetspotr, sehen in der App, welche Jobs aktuell vorhanden und in Reichweite sind. In der Regel sind die Aufgaben in wenigen Minuten erledigt und nach einer Qualitätsprüfung durch Streetspotr und bei bezahlten Jobs zusätzlich durch das Unternehmen, das den Job veröffentlicht hat, erfolgt die Auszahlung des Lohns auf das PayPal-Konto des Nutzers.

Neben der möglichen finanziellen Belohnung erhalten die Streetspotr für jeden erledigten Job Streetpoints. Diese erlauben Rückschlüsse auf die Erfahrung und die Qualität des jeweiligen Users. Dadurch und durch die Prüfung der erledigten Jobs sind die Unternehmen sicher, was die Qualität der erhaltenen Informationen angeht.

Wachsende Beliebtheit bei Nutzern und Unternehmen

Das Startup begann im Herbst 2011 mit einer geschlossenen Beta-Phase in den vier Großstädten Berlin, Hamburg, München und Nürnberg. Im Frühjahr 2012 wurde Streetspotr offiziell gelauncht, sechzehn weitere Städte kamen hinzu, kurz darauf folgten das bundesweite Angebot sowie Österreich und die Schweiz.

Die Zahl der registrierten Streetspotr wächst stetig an und auch das Interesse bei Unternehmen, Streetspotr als mögliches Tool zur Informationsbeschaffung einzusetzen, wird größer und größer. Die App wurde in den vergangenen Monaten mehrfach für Awards der Mobile-Branche nominiert. Zuletzt erhielten die Nürnberger Anfang Februar 2013 in Abu Dhabi den World Summit Award mobile in m-Business & Commerce.

Wir haben Streetspotr getestet

Natürlich wollten wir uns selbst ein Bild machen und haben die App – in unserem Fall die Version für Android-Geräte – aus der Perspektive eines Streetspotrs getestet. Die Registrierung als Streetspotr erfolgt in Windeseile auf der Internetseite, genauso wie der anschließende Download der App im Play Store. Es begrüßt den Neuling, bei Streetspotr Newbie genannt, dann ein erster Testspot, den es zu erledigen gilt. Also Spot annehmen, in wenigen Minuten bearbeiten, auf die Prüfung warten und schon erhält man die ersten fünfzig Streetpoints. Jetzt kann es also richtig losgehen. GPS aktivieren, wenn das noch nicht der Fall war, und schauen, welche Jobs in Reichweite liegen.

Wir entscheiden uns als erstes für den unbezahlten Spot, öffentliche Toiletten zu melden. Nach der Annahme der Aufgabe schießen wir aus der App heraus ein Foto des Gebäudes, in dem sich die Sanitäranlagen befinden, geben im Anschluss die exakte Adresse an und machen Angaben zur Ausstattung der Toiletten und ob sie kostenfrei oder gebührenpflichtig sind. Job erledigt. Nutzer, die unterwegs die Daten nicht hochladen möchten, können dies auch später bei vorhandenem W-LAN nachholen. Im Anschluss muss nur noch auf die Prüfung des erledigten Jobs gewartet werden. Diese dauert einige Tage, da Fotoqualität, Adressangaben und Ähnliches kontrolliert werden.

Streetspotr app screenLinks: Zunächst gilt es, einen Testspot zu erledigen. Rechts: In Frankfurt sind jede Menge Spots im Angebot.

Nun lockt uns ein bezahlter Spot. Aktuell ist ein solcher von einem Verlag vorhanden, der mithilfe der Crowd prüfen will, ob sein neues Magazin über Ferienhäuser im Zeitschriftenhandel zu finden ist. Wir gehen also in den nächsten Kiosk, entdecken das Magazin, von dem wir in der sehr guten Jobanleitung eine Abbildung gesehen haben, machen ein Foto des Magazins, wie es im Regal liegt, und fotografieren danach die Außenansicht des Geschäfts. Jetzt müssen noch die Adressdaten eingegeben werden und die Daten per Upload übertragen werden. Streetspotr und der Verlag prüfen nun den erledigten Job. Wird dieser akzeptiert, erfolgt in diesem Fall die Auszahlung von 1,50 Euro auf unser PayPal-Konto.

Die App funktioniert bei uns tadellos, läuft stabil und insbesondere die Anleitungen zu den Spots sind bemerkenswert übersichtlich und simpel. Neben einem Blick in die App lohnt sich auch ein Besuch der Facebookseite oder des Twitteraccounts von Streetspotr, da dort über neue – häufig bundesweite – Spots informiert wird.

Fazit

Streetspotr ist eine App, die den Nutzern Spaß und kleines Geld bringen kann. In noch größerem Maße können aber Unternehmen von Streetspotr profitieren. Die App ist eine attraktive Möglichkeit, ohne großen Aufwand wichtige Daten und Informationen zu erhalten, um die Umsetzung der eigenen Marketing- oder Vertriebsstrategien zu prüfen. Der Magazin-Spot aus unserem Test liefert den Herausgebern Daten über Verkaufsstellen und evtl. auch darüber, ob das Magazin im richtigen Regal einsortiert wurde. Dieses Wissen erhält das Unternehmen durch die wachsende Zahl der User schnell, durch die Prüfung der erledigten Jobs zuverlässig und in jedem Fall günstiger als durch den Einsatz eigener Mitarbeiter. Diese müssten Arbeitszeit aufbringen und würden Reisekosten sowie Spesen verursachen. Die Streetspotr sind zudem ortskundiger als es eigene Mitarbeiter in fremden Städten sein können. Die Möglichkeit von Win-Win-Situationen für User und Unternehmen ist demnach vorhanden.

Interview

Über aktuelle Fragen und das künftige Potenzial von Streetspotr haben wir mit Dorothea Utzt (im Bild unten), verantwortlich für Marketing/Business Development, gesprochen:

WebMagazin: Streetspotr gibt es seit Ende 2011. Seitdem wächst die Zahl der registrierten User ständig. Auf wie viele Nutzer bringt es Ihre Community aktuell?

Dorothea Utzt Dorothea Utzt: Richtig. Nachdem wir im Juni 2011 gegründet haben, haben wir bis Ende November beide Apps und die Web-Plattform entwickelt und sind dann mit 2.500 Nutzern in die geschlossene Beta-Phase gegangen. Seit wir im April 2012 offiziell gelauncht haben, kommen täglich durchschnittlich 400 Downloads hinzu. Derzeit sind über 160.000 Streetspotr registriert, sie bilden Europas größte mobile Crowdsourcing-Community.

WebMagazin: Neben der Größe Ihrer Crowd ist für Ihre Plattform die Anzahl der vorhandenen Spots entscheidend. Wie reagieren Unternehmen auf Ihr Angebot und was planen Sie, um Ihren Usern mehr Mikrojobs anbieten zu können?

Dorothea Utzt: Als wir gestartet sind, war es nicht leicht, unser Thema bei den Unternehmen zu platzieren. Aufgrund der Neuheit des Konzepts mussten wir bei vielen Ansprechpartnern zunächst einmal Überzeugungsarbeit leisten. Mittlerweile haben wir viele starke Partner gewonnen, die immer wieder tausende Spots schalten. Auch bei neuen Auftraggebern sind nach dem ersten Testlauf zumeist alle Zweifel beseitigt: über 90 Prozent der Firmen schalten einen Anschlussauftrag. Da wir die für den User unbezahlten Qualifizierungsspots selbst nicht monetarisieren, planen wir, für diese in Zukunft verstärkt gemeinnützige Aufgaben anzubieten. Aber auch abertausende neue bezahlte Mikrojobs stehen in der Pipeline.

WebMagazin: Die Nutzer freuen sich verständlicher Weise vor allem über bezahlte Spots. Können Sie sagen, wie derzeit das Verhältnis zwischen unbezahlten und bezahlten Jobs aussieht?

Dorothea Utzt: Das ist ganz unterschiedlich und kann nur zu einem festen Zeitpunkt festgemacht werden. Derzeit haben wir bereits so viele Streetspotr, dass jeder eingestellte bezahlte Job im Durchschnitt nach zehn Minuten von einem Nutzer angenommen wird. Das führt dazu, dass auch tausende Jobs schnell abgearbeitet sind und nur die Übungsaufgaben auf der Karte übrig bleiben. Um dem einzelnen Nutzer zu ermöglichen, der erste in der Nähe eines bezahlten Jobs zu sein, bieten wir die Benachrichtigungsfunktion, die Alarm schlägt, sobald es Neues in seiner Nähe zu tun gibt.

WebMagazin: Streetspotr ist aktuell für Android-Smartphones und für das iPhone verfügbar. Planen Sie eine Ausweitung auf andere Plattformen – allen voran Windows Phone?

Dorothea Utzt: Windows Phone ist aufgrund deren immer größer werdenden Beliebtheit auf jeden Fall die nächste Plattform, die wir andenken. Wann genau es soweit ist, kann ich derzeit allerdings noch nicht sagen.

WebMagazin: Was ist mit BlackBerry? Das Unternehmen präsentierte vor wenigen Tagen zwei neue Smartphones. Insbesondere mit dem Z10, dem neuen Betriebssystem und der Erweiterung des App-Angebots versuchen die Kanadier Boden zu den anderen Plattformen gut zu machen. Denken Sie auch über diesen Markt nach oder ist Ihre Zielgruppe hier unterrepräsentiert?

Dorothea Utzt: Unsere Nutzerschaft ist differenzierter, als man denken möchte. Daher ist sicherlich auch BlackBerry – besonders in Anbetracht der von Ihnen angesprochenen derzeitigen Entwicklungen – eine Plattform, die wir genau im Auge behalten.

WebMagazin: Wird es Streetspotr künftig auch in anderen Ländern geben oder liegt Ihr Fokus weiterhin auf Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Dorothea Utzt: Unser Erfolg in der DACH-Region zeigt, dass sich unser Konzept trägt und bei Firmen wie Nutzern gefragt ist. Mit diesem Proof of Concept in der Hand planen wir nun unsere Expansion.

WebMagazin: App-Anbieter und soziale Netzwerke werden immer wieder mit dem Thema Datenschutz konfrontiert, häufig stehen diese auch diesbezüglich in der Kritik. Wie geht Streetspotr mit den Daten seiner Nutzer um?

Dorothea Utzt: Wir nehmen den Datenschutz sehr ernst und geben keine persönlichen Daten unserer Nutzer an Dritte weiter. Das ist für unser Modell auch gar nicht nötig, da wir ja bei jedem ausgeführten Mikrojob einen Teilbetrag on top verdienen. Die Angaben der Nutzer wie Wohnort, Bildung und Interessen benötigen wir, um ihnen passende Jobs anzubieten. Wir geben diese aber niemals mit persönlichen Daten wie Name, Anschrift oder E-Mail-Adresse an Dritte weiter.

WebMagazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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