Alternative Kanäle – Wie alternative App Stores & das Freemium Model zum Erfolg führen
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Möchte man sich nicht allein auf die Vermarktungsmöglichkeiten des offiziellen App Stores einer Plattform verlassen, kann man auf verschiedene Alternativen zurückgreifen. Auf der Android-Plattform hat man im Gegensatz zu iOS, Windows Phone, BlackBerry und Co. auch die Möglichkeit auf alternative App Stores auszuweichen. Auch mit kostenlosen Apps kann man durchaus Einnahmen erzielen. Beide Ansätze wollen wir in dieser Ausgabe etwas genauer unter die Lupe nehmen.

App Stores bieten Entwicklern einen relativ einfachen Mechanismus an, eigene Apps auffindbar zu machen und sie an Kunden auszuliefern. Dabei wird zumeist die komplette Infrastruktur von der Präsentation bis zur Abrechnung von kostenpflichtigen Apps mit dem Kunden bereitgestellt. Alle aktuell relevanten mobilen Plattformen wie Android, iOS, Windows Phone und BlackBerry 10 bieten einen eigenen App Store an, der fest mit der Plattform und dem Plattformbetreiber verzahnt ist. Für den Entwickler ergibt sich dadurch eine Reihe von Vorteilen, da er für die jeweilige Plattform einen Rundumservice bei der Vermarktung und der Auslieferung der App erhält. Gleichzeitig hat das Ganze aber auch einen entscheidenden Nachteil. Bei fast allen Plattformen macht man sich von dem jeweiligen Plattformanbieter abhängig, denn diese haben die Kontrolle über die Plattform und erlauben keinen alternativen Vertriebskanal.

Die einzige Ausnahme stellt hier Android dar. Bei allen anderen der zuvor genannten Plattformen hat man als Entwickler keine Möglichkeit, Apps auf alternativen Wegen, wie über einen alternativen App Store oder die eigene Website, auf dem Gerät zu installieren. Eine Ausnahme machen natürlich iOS-Geräte mit Jailbrea- Software, die nicht mehr den von Apple auferlegten Einschränkungen unterliegen. Doch man spricht hiermit nur eine ganz bestimmte Zielgruppe von Nutzern an und sollte als Entwickler nicht allein auf diesen Vertriebskanal setzen. Dennoch sollte man den Cydia App Store von Jay Freeman, der auch als Saurik bekannt ist, nicht außer Acht lassen. Dieser ist inzwischen auf über 30 Millionen iOS-Geräten mit Jailbreak-Software installiert und bietet somit ein nicht zu vernachlässigendes Potenzial für iOS-Entwickler, die zusätzliche potenzielle Kunden erreichen möchten.

Auf iOS-Geräten ist ein Jailbreak erforderlich, um einen alternativen App Store wie Cydia nutzen zu können
Abb. 1: Auf iOS-Geräten ist ein Jailbreak erforderlich, um einen alternativen App Store wie Cydia nutzen zu können (Quelle: Wikipedia)

 

Die Plattformbetreiber verhindern nicht nur technologisch den Einsatz alternativer App Stores, sondern gehen teilweise auch gegen so genannte Meta-App-Stores und Empfehlungsplattformen vor, die als Apps bereitgestellt werden, wie erst kürzlich wieder am Fall AppGratis deutlich wurde. Die App wurde, obwohl sie schon seit Langem verfügbar war und erst kurz zuvor eine iPad-App von Apple genehmigt wurde, über Nacht aus dem App Store verbannt, da sie angeblich gegen verschiedene Punkte der App-Store-Richtlinien verstoßen hatte.

Gleichzeitig macht dieses Beispiel aber auch deutlich, wie abhängig man als Entwickler von dem Plattformbetreiber ist, wenn dieser keine alternativen Vertriebswege zulässt. Konzentriert man sich nämlich als Entwickler lediglich auf eine Plattform, die keine alternativen App Stores oder Installationswege zulässt, dann kann es passieren, dass man entweder viel Geld und Zeit in die Entwicklung einer App steckt und diese dann bereits vor der Veröffentlichung vom Plattformbetreiber abgelehnt wird. Auch wenn die App einmal genehmigt wurde, besteht immer noch das Restrisiko, dass die App im Nachhinein über Nacht aus dem App Store entfernt wird und dadurch unter Umständen das gesamte Geschäftsmodell einer Firma zusammenbricht.

Man sollte als Entwickler also möglichst versuchen, solche Abhängigkeiten zu vermeiden und nicht alles auf eine Karte setzen. Dies kann man dadurch erreichen, dass man die App für mehrere Plattformen bereitstellt. Im zweiten Teil dieser Artikelserie wurde bereits darauf eingegangen, ob hierfür mehrere native Apps oder der Cross-Plattform-Ansatz sinnvoller sind.

Entwickelt man für Android, hat man mit solchen Problemen nicht zu kämpfen, denn Google erlaubt es, neben Google Play auch noch beliebige weitere App Stores und Vertriebskanäle zu nutzen. In der Praxis sieht das dann so aus, dass man als Entwickler entweder die App zusätzlich auf einer Website zum Download anbietet oder dass man einen oder mehrere der zahlreichen alternativen App Stores nutzt und dort die App ebenfalls bereitstellt.

Alternative App Stores

Als Konkurrenz zu Googles Play Store, früher unter dem Namen Android Market bekannt, haben sich inzwischen zahlreiche Alternativen am Markt durchgesetzt. Die wichtigsten haben wir einmal in der nebenstehenden Tabelle 1 zusammengefasst. Viele dieser App Stores haben sich auf bestimmte Gerätetypen, Geräte bestimmter Hersteller oder auch bestimmte Länder spezialisiert, die von Google Play noch nicht oder nur unzureichend abgedeckt werden. So bietet zum Beispiel der Gerätehersteller Archos mit AppsLib einen eigenen App Store an, der sich speziell auf Android-Tablet-Geräte mit großen Displays spezialisiert hat. Der AppsLib Store ist zurzeit auf Archos-Tablets vorinstalliert. Hierbei verlangt Archos genauso wie Google bei Google Play eine Verkaufsprovision von 30 Prozent des Umsatzes. Sienzig Prozent gehen an den Entwickler, die Abwicklung der Zahlung erfolgt per PayPal. Der Zahlungsanbieter kümmert sich dabei auch um die Umrechnung der Währungen, sodass der Käufer in seiner Währung bezahlen kann und der Verkäufer in seiner Heimatwährung ausbezahlt wird. Nach dem Kauf einer Applikation bei AppsLib hat man das Recht, bis zu drei Kopien der Applikation auf verschiedenen Geräten zu installieren. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um ein Android-Gerät vom gleichen Hersteller und der gleichen Marke handelt und dass der AppsLib Store für dieses Gerät zugelassen ist.

Zahlreiche weitere App Stores werden von diversen Geräteherstellern wie Samsung betrieben. Aber es existieren auch eine Reihe geräteunabhängiger App Stores (Tabelle 1). Exemplarisch wollen wir uns hier mal den Amazon App Shop genauer anschauen, da dieser inzwischen eine relativ hohe Verbreitung erlangt hat.

Application Store

Website

Amazon App Shop

http://www.amazon.de

Pdassi for Android

http://android.pdassi.com

AndroidPit

http://www.androidpit.de

AndroidZoom

http://www.androidzoom.com

Androlib

http://www.androlib.com

AppBrain

http://www.appbrain.com

Appcity

http://www.appcity.com

Appia

http://www.appia.com

AppsLib

http://appslib.com

Aproov

http://www.aproov.com

AutoLinQ

http://www.autolinq.de

Camangi Market

http://www.camangimarket.com

Docomo Market

http://www.docomo-market.info

GetJar

http://www.getjar.com

Google Play

http://play.google.com

Handango

http://www.handango.com

Handster

http://www.handster.com

Insyde Market

http://www.insydemarket.com

LePhone App Store

http://app.lenovo.com

MobileIron Enterprise App Store

http://www.mobileiron.com

MobileRated

http://www.mobilerated.com

Mplayit

http://mplayit.com

neXva

http://www.nexva.com

Opera Mobile Store

http://mobilestore.opera.com

Orange App Shop

http://www.orangepartner.com

SlideMe

http://slideme.org

Vodafone 360 Shop

http://developer.vodafone.com

web2go

http://developer.t-mobile.com

YAAM Market

http://yaam.mobi

Tabelle 1: Übersicht über einige wichtige App Stores für Android-Applikationen

Amazon App Shop

Auch der Internethändler Amazon ist inzwischen in das Geschäft mit mobilen Apps eingestiegen und hat sich zu einem wichtigen Player neben Google etabliert. Noch vor dem offiziellen Start des Amazon App Stores, der im Moment auf die Android-Plattform beschränkt ist, kam eine Klage von Apple, da man angeblich Namensrechte an dem von Apple eingeführten Namen verletze, den sich Apple schützen ließ. Bisher hat sich noch kein anderer Application-Store-Anbieter gewagt, seinen Store auch offiziell als „App Store“ zu bezeichnen und ihn so zu bewerben. Amazon ist hier aufs Ganze gegangen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern war man hier aber anscheinend etwas vorsichtiger und hat der Verkaufsplattform den Namen App Shop gegeben.

Amazon hat einen interessanten Ansatz eingeführt, um Applikationen zu vermarkten und den Bekanntheitsgrad des App Shops zu steigern. Dieser besteht darin, dass man jeden Tag eine ausgewählte Applikation kostenlos anbietet. Bisher bekam der Entwickler, selbst wenn Amazon seine Applikation verschenkte, noch einen Betrag von 20 Prozent des Listenpreises der Applikation ausgezahlt. Inzwischen hat aber auch Amazon auf die 70-30-Aufteilung für alle Verkäufe umgestellt.

Für den Anwender ergeben sich mehrere Möglichkeiten des Einkaufs. Zum einen sind die Applikationen über die Kategorie „App Shopp für Android“ auf der normalen Amazon.de Website verfügbar. Zum anderen hat man als Benutzer die Möglichkeit, sich eine Android-Applikation zu installieren, die den Amazon App Shop direkt auf das Smartphone holt und somit ein komfortables Browsen durch den App-Katalog ermöglicht. Auf der Amazon-Website wird die App wie jeder andere Artikel aus dem Amazon-Sortiment gelistet inklusive der von dort bekannten Nutzerbewertungen.

Amazon unterstützt alle Android-Geräte ab der Version 2.2. Über den tatsächlichen Verkaufspreis im App Shop entscheidet nämlich Amazon und nicht der Entwickler. Man hat natürlich auch die Möglichkeit, seine App von vorne herein kostenlos anzubieten. Um sie in den Amazon App Shop einstellen zu können, muss man sich zunächst für das Amazon-Developer-Programm anmelden. Hierfür wird eine Gebühr von 99 US-Dollar fällig, die Amazon allerdings zurzeit erlässt [Stand: Juni 2013, Anm. d. Red.]. Die Registrierung ist für Entwickler aller Länder offen. Um die steuerlichen Aspekte beim Verkauf einer Applikation muss man sich allerdings selbst kümmern. Wie viel vom Gewinn dann nach Abzug der Steuern noch übrig bleibt, hängt von vielen Faktoren ab. Eine weitere Einschränkung ist, dass die Verkaufserlöse je nach Bank lediglich per Scheck und das erst ab einem Mindestbetrag von 100 Euro ausgezahlt werden.

Durch alternative App Stores, wie den von Amazon, kann man die Reichweite seiner App steigern.
Abb. 2: Durch alternative App Stores, wie den von Amazon, kann man die Reichweite seiner App steigern.

 

Amazon weist extra darauf hin, dass der Verkauf von Apps nicht exklusiv erfolgt. Man darf also seine App neben dem Amazon App Shop auch in alternativen App Stores anbieten. Im Gegensatz zu Googles Android Market durchlaufen neue Apps zunächst einen Review-Prozess, bevor sie online gestellt werden. Die Kriterien für das Review sind aber ähnlich wie bei Apples App Store nicht wirklich transparent. Neben Pornografie und anderem Illegalen sind auch „anstößige Inhalte“ nicht erlaubt. Was diese bedeutet, lässt Amazon allerdings weitgehend offen. Die FAQ geben lediglich folgenden Hinweis: „Was wir für anstößig halten, ist vermutlich das, was Sie erwarten würden.“

Auf Seite 2 lest Ihr mehr zu White Label App Stores, Google Play und dem Freemium Modell.

[ header = Seite 2: White Label App Stores, Google Play, Freemium Modell ]

White Label App Stores

Neben komplett eigenständigen App Stores existieren auch zahlreiche Stores, die auf die Dienstleistungen eines so genannten White Label App Store Anbieters zurückgreifen. Hierzu gehören beispielsweise die früher unter dem Namen PocketGear bekannte Firma Appia. Sie bietet ein Entwicklerprogramm an und betreibt mehrere eigene App Stores unter verschiedenen Namen wie AndroidGear, Handango, Mobile2Day oder PocketGear, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen adressieren. Man bietet den Dienst aber auch Firmen wie Opera an, deren in den Opera Mobile Browser integrierter Opera Mobile Store ebenfalls von Appia betrieben wird. Für Entwickler bedeutet das, dass man über einen White Label App Store eventuell eine wesentlich größere Zielgruppe erreicht, da die einmal eingestellte Applikation automatisch in mehreren App Stores bereitgestellt wird.

Das Appia-Developer-Programm verspricht Entwicklern beispielsweise den Zugang zu über 500 Millionen Kunden sowie Marketing und Vertrieb der Applikation über zahlreiche verschiedene App Stores. Appia stellt hierfür eine zentrale Schnittstelle bereit, über die dann die eingestellten Applikationen verwaltet werden können. Auch ein eigener Abrechnungsmechanismus wird bereitgestellt, sodass man sich als Entwickler nicht um die Verkaufsabwicklung mit dem Endkunden kümmern muss. Neben kostenpflichtigen Apps lässt Appia wie die meisten App Stores natürlich auch kostenlose Apps zu.

Mithilfe der Appia Commerce Engine kann man Applikationen sogar über die eigene Website vertreiben und die Infrastruktur von Appia nutzen, die sich dann unter anderem um die Abrechnung mit dem Kunden kümmert. Appia kümmert sich neben dem Verkauf, der Verteilung und dem Marketing der Apps auch um die Validierung von Kreditkarten und den gesamten Bezahlungsprozess.

Um mit dem Verkauf einer App zu beginnen, muss man lediglich einmal einen Account bei Appia Online beantragen und kann dann sofort seine Applikationen hochladen. Appia bietet Entwicklern auch weitere Services an. Hierzu gehören z. B. ein Übersetzungs- und Lokalisierungsdienst, der entweder kostenlos oder zu günstigen Konditionen angeboten wird. Außerdem hat man als registrierter Entwickler auch die Möglichkeit, an speziellen Appia Events oder Marketingaktivitäten teilzunehmen.

 Appie stellt seinen White Lable App Store für verschiedene Drittmarken und auch eigene Marken wie Handango bereit.
Abb. 3: Appie stellt seinen White Lable App Store für verschiedene Drittmarken und auch eigene Marken wie Handango bereit.

Google Play

Trotz der zahlreichen Alternativen ist Google Play immer noch die erste Anlaufstelle bei den meisten Entwicklern, wenn es um den Vertriebskanal für die eigene App geht. Die Anzahl der Apps in Google Play, der bereits im Oktober 2008 online gegangen ist, hat inzwischen die Marke von 850 000 Apps überschritten. Der große Vorteil für Entwickler ist, dass man seine App sehr schnell in den Google Play Store einstellen kann. Man meldet sich dort als Entwickler an, lädt die App hoch und kann diese dann umgehend veröffentlichen. Im Gegensatz zu Apples App Store ist kein langwieriger Review-Prozess erforderlich. Die App ist sofort für den Anwender zum Download verfügbar. Falls eine App gegen Googles Veröffentlichungsrichtlinien verstößt, behält sich Google allerdings vor, Applikationen post hoc aus dem Play Store zu entfernen. Google zahlt wie die meisten anderen Betreiber auch nach dem Vorbild des Apple App Stores 70 Prozent der Einnahmen an den Entwickler aus und behält 30 Prozent selber ein.

Über Google Play werden auch sogenannte Channels bereitgestellt. Während schon seit Längerem einige Netzwerkbetreiber mit eigenen Channels vertreten sind, gibt es inzwischen auch Gerätehersteller wie Sony, die eine modifizierte Version von Google Play anbieten. Anstelle des „My Apps“-Buttons findet der Nutzer in Zukunft auf Sony-Geräten den Sony Channel vor, in dem er exklusive Apps sowie Erweiterungen für Sony Timescape herunterladen kann.

Mehrgleisig fahren

Um möglichst viele potenzielle Kunden und eine möglichst große Palette an Endgeräten abzudecken, macht es für Entwickler durchaus Sinn, ihre Apps in so vielen Stores wie möglich anzubieten. Das ist natürlich mit einigem Aufwand verbunden, denn oft muss die Applikation dafür auch an die speziellen Bedürfnisse der Zielplattform angepasst werden, für die der App Store vorgesehen ist. So ist es notwendig, spezielle Versionen einer Anwendung für Tablet-PCs mit großen Displays oder für den Einsatz im KFZ zu liefern, wo spezielle APIs zur Verfügung stehen. Möchte man eine Vielzahl von App Stores adressieren, steigt natürlich auch der Aufwand, was die Abrechnung sowie die Auswertung von Statistiken und Feedback angeht. Abhilfe schafft hierbei der Distimo Monitor. Hierbei handelt es sich um ein kostenloses App-Store-Analysetool für Entwickler von mobilen Applikationen, das einen guten Überblick über Verkaufsstatistiken einer Applikation über mehrere App Stores hinweg erlaubt. Gleichzeitig ermöglicht es auch einen Einblick in die entsprechenden Daten von Applikationen der Konkurrenz. Distimo Monitor sammelt Daten wie Anzahl der täglichen Downloads, Einnahmen sowie weltweites Ranking einer Applikation und stellt diese komfortabel über eine Website bereit. Entwickler können dann diese Informationen nutzen, um die Vermarktung ihrer Applikationen zu optimieren und zum Beispiel den Verkaufspreis oder den Verkaufskanal anzupassen.

Alternative Einnahmequellen

Obwohl App Stores nicht der einzige Weg für den Entwickler sind, seine Applikation an den Kunden zu bringen, stellen sie auf jeden Fall zurzeit die wichtigste Variante dar. Durch das Einstellen der App zu einem bestimmten Preis in einen App Store rechnet man damit, dass ein bestimmter Prozentsatz aller Nutzer den App Store verwendet und davon wieder ein Teil die Applikation im App Store findet. Von diesen hofft man als Entwickler, dass ein bestimmter Prozentsatz die Applikation kauft und nicht von einem eventuell vorhandenen Umtauschrecht Gebrauch macht. Die Chance, dass ein potenzieller Kunde eine Applikation findet und kauft, kann durch entsprechendes Marketing erhöht werden und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nutzer den App Store verwendet, kann erhöht werden, indem man die Applikation in mehreren App Stores parallel veröffentlicht.

Man hat als Entwickler aber auch zahlreiche andere Möglichkeiten, seine Applikationen zu Geld zu machen. Neben dem direkten Verkauf an Endkunden über einen App Store besteht natürlich immer auch die Möglichkeit, die Anwendung direkt bestimmten Zielgruppen wie beispielsweise Firmen, Schulen und Universitäten, OEMs sowie Content und Service-Providern anzubieten. Ob dieses Modell praktikabel ist, hängt natürlich stark von der jeweiligen Applikation ab.

Klar ist, dass kostenlose Apps wesentlich häufiger heruntergeladen werden als kostenpflichtige, nicht nur weil die Kostenbarriere für den Benutzer nicht vorhanden ist, sondern weil die Applikationen auch oft wie bei Google Play in einem separaten Bereich angezeigt werden, in dem Benutzer oft bevorzugt nach neuen Apps schmökern. Vor allem bei Benutzern von Android-Geräten handelt es sich oft um Nutzer, die sich auch aufgrund der Begeisterung für das Open-Source-System für diese Plattform entschieden haben. Bei diesen Nutzern ist oft die Schwelle zum Kauf einer kostenpflichtigen Applikation noch etwas höher als z. B. bei einem iPhone-Benutzer. Diese Tatsache kann man sich natürlich zunutze machen und seine Applikation kostenlos anbieten, um dann auf andere Weise daran zu verdienen.

Das Freemium-Modell

Das so genannte Freemium-Geschäftsmodell wurde zuerst vom Risikokapitalgeber Fred Wilson beschrieben: „Biete deinen Dienst gratis an, möglicherweise mit Werbeeinblendungen oder vielleicht auch nicht, gewinne viele Kunden auf effiziente Weise durch Mundpropaganda, Werbepartner, Platzierung in Suchmaschinen usw., und biete dann deinem Kundenstamm zu einem Aufpreis Zusatzleistungen oder eine erweiterte Version deines Dienstes an.“ Inzwischen ist dieser Ansatz immer populärer geworden und vor allem viele IT-Start-ups basieren auf diesem Konzept. Gerade im Bereich der mobilen Applikationen ist er ein sinnvolles Instrument, um zunächst einen möglichst großen Nutzerstamm aufzubauen, dem man dann Zusatzleistungen anbieten kann, an denen man erst später verdient. Dies können beispielsweise kostenpflichtige Plug-ins sein, die eine kostenlose Basisversion der Anwendung um zusätzliche Premium-Funktionen erweitert. Auch eine Freischaltung dieser zusätzlichen Funktionen mithilfe von Unlock-Codes ist denkbar. Diese können separat verkauft werden und ermöglichen das Freischalten von Zusatzfunktionen, die bereits in der kostenlosen Applikation enthalten aber gesperrt sind. Eine andere Variante ist ein Abo-Modell, bei dem man über einen Account in Verbindung mit einem Abo zusätzliche Services in Anspruch nehmen kann, die die kostenlose Version der Applikation aufwerten. Bietet man eine Applikation über Googles Play Store an, dann muss man aufpassen, dass man die Vereinbarungen für den Entwicklervertrieb nicht verletzt, die unter anderem folgende Passage enthalten: „Sie dürfen dann aber auch zukünftig den Nutzern für Vervielfältigungen der Produkte, die diese ursprünglich unentgeltlich herunterladen konnten, nichts in Rechnung stellen.“ Bei anderen Marktplätzen sollte man vorher die Bedingungen daraufhin prüfen, ob sie mit einem Freemium-Geschäftsmodell vereinbar sind. Bietet man als Entwickler seine Applikation unabhängig von einem Marktplatz zum Beispiel über die eigene Website an, dann kann man bedenkenlos ein Freemium-Geschäftsmodell umsetzen. Einfacher gestaltet sich die Implementierung dieses Ansatzes, indem man die In-App Billing-Funktion des jeweiligen App Stores verwendet, über den die App bereitgestellt wird. Diese erlaubt das nachträgliche Abrechnen von Beträgen aus der App heraus und greift dabei auf den Zahlungsmechanismus des App Stores zurück. Während dieser Ansatz bei iOS, Windows Phone und BlackBerry relativ leicht umzusetzen ist, sollte man bei der Android-Plattform daran denken, dass in unterschiedlichen App Stores auch verschiedene Mechanismen für das In-App Billing bereitgestellt werden und diese oft auch nur verwendet werden können, wenn die App über den jeweiligen App Store heruntergeladen wurde. Das bedeutet, dass es beispielsweise nicht möglich ist, in einer App den In-App-Billing-Mechanismus von Google Play zu nutzen, wenn diese über den Amazon App Shop heruntergeladen wurde.

In-App Billing wie hier über Google Play ermöglicht es zusätzliche Features einer Freemium-App abzurechnen.
Abb. 4: In-App Billing wie hier über Google Play ermöglicht es zusätzliche Features einer Freemium-App abzurechnen.

Auch Werbung bringt Einnahmen

Ein anderer Ansatz, Einnahmen aus einer kostenlosen Applikation zu erzielen, ist das Integrieren von Werbung. Viele Entwickler gehen inzwischen diesen Weg und greifen auf Ad-Provider wie Mobclix oder Google AdSense zurück. Mit Google Mobile Ads wird ein Developer Toolkit bereitgestellt, das die einfache Integration von Google Ads in mobile Apps ermöglicht.

Es gibt Entwickler, die mit kostenlosen Apps über die integrierte Werbung mehr Geld verdient haben als mit kostenpflichtigen Apps. Man muss sich dann auch keine Gedanken mehr über vorhandene Rückgabefristen machen, denn der Nutzer installiert die Applikation zunächst kostenlos und immer wenn er die Anwendung nutz, kann man über die Werbeeinnahmen mitverdienen. Der Nachteil dieses Modells ist, dass man sich in eine Abhängigkeit von Third-Party-Code begibt und die Applikation auf eine Internetverbindung angewiesen ist, um Werbeanzeigen nachzuladen. Für Applikationen, die explizit für den Offline-Betrieb ausgelegt sind, ist die werbebasierte Finanzierung kein geeigneter Ansatz. Möchte man beide Ansätze nutzen, dann kann man sowohl eine kostenpflichtige als auch eine kostenlose aber werbefinanzierte Version der gleichen Applikation anbieten. Dann kann der Nutzer entscheiden, ob er bereit ist, für die App zu bezahlen oder lieber die Werbeeinblendungen in Kauf nehmen möchte. Außer Werbung gibt es noch weitere Ansätze, über die man Einnahmen aus kostenlosen Applikationen generieren kann. Hierzu gehören beispielsweise Provisionsmodelle, wie sie Amazon anbietet. Bietet man z. B. den Kauf von Artikeln oder MP3-Dateien aus der Applikation heraus an, so kann man als Entwickler an jeder Transaktion des Nutzers mitverdienen.

Fazit

Es wird deutlich, dass der offizielle App Store der jeweiligen Plattform zwar in den meisten Fällen der beste erste Anlaufpunkt ist, dass aber neben diesem noch zahlreiche weitere Möglichkeiten bestehen, eine App an den Kunden zu bringen. Während man bei Android über die zahlreichen alternativen App Stores die Reichweite der App wesentlich erhöhen kann, bietet bei den anderen mobilen Plattformen vor allem das Freemium-Modell einen interessanten Ansatz, der sich durchaus bezahlt machen kann. Ob man hier auf Werbung, In-App Billing oder andere Alternativen setzten sollte, hängt dabei stark von der jeweiligen App ab. Die Bereiche mobile Advertising und In-App Billing wollen wir dann in den verbleibenden Ausgaben dieser Artikelserie noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mobile Technology Magazine, Ausgabe 3.13Dieser Artikel ist im Mobile Technology Magazin, Ausgabe 3.13, erschienen. Mobile Technology ist der Wegbegleiter für jeden, der sich beruflich oder privat mit der Entwicklung für mobile Devices und den Möglichkeiten, die der Markt des Mobile Business und Marketing bereithält, beschäftigt. Das Magazin deckt dabei die volle Bandbreite ab und bringt dem Leser nicht nur Development-Themen für die verschiedenen Mobile OS wie Android, iOS oder Windows Phone näher sondern eröffnet ihnen ebenfalls einen tiefen Einblick in die Chancen, die der Markt des Mobile Business und Marketing für Sie bereithält. Darüber hinaus bietet das Mobile Technology auch interessante Tutorials zu zahlreichen Teilbereichen der klassischen, mobilen Betriebssystemen.

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