Amerika schafft die Netzneutralität ab
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Die amerikanische Telekommunikationsaufsicht FCC hat eine Änderung der Regeln zur Netzneutralität angekündigt, wie mehrere US-Medien berichten. Danach können ISPs wie Comcast, Verizon und AT&T in Zukunft bestimmte Inhalte gegen Bezahlung schneller durch ihre Leitungen schleusen. 

Gegen einen Aufpreis können Unternehmen wie Disney, Google und Netflix ihre Inhalte so schneller an den Nutzer zu bringen. Ihre Datenpakete würden bevorzugt behandelt. Voraussetzung dafür sei, dass die Verträge „kommerziell vernünftig“ festgelegt werden, erwähnte ein FCC Sprecher gegenüber der New York Times. Eine Blockade von Inhalten werde ausdrücklich verboten. Die neue Regelung würde dennoch das Ende der Netzneutralität in den USA bedeuten. Bisher wurden alle Datenpakete gleich behandelt. Einige Anbieter, wie der Videostreaming-Dienst Netflix bezahlen jetzt schon für eine schnellere Verbindung. Das ist möglich, weil Netflix seine Server gegen eine Gebühr direkt ans Comcast-Netz anschließt. Der Zuständigkeitsbereich der FCC greift in diesem Fall nicht.

Zunächst sind vor allem Videostreaming-Dienste wie Googles Youtube, Netflix und Vimeo betroffen, die große Datenpakete zuverlässig und möglichst störungsfrei an den Kunden bringen müssen. Sie können die Mehrkosten für ein schnelleres Internet stemmen (beziehungsweise am Ende auf den User abwälzen). Jedoch gibt es eine Reihe kleinerer Unternehmen und Organisationen – beispielsweise Videokonferenzdienste oder Unternehmen aus dem medizinischen Sektor – die ebenfalls auf schnelle Leitungen angewiesen sind, aber nicht die Kapazitäten besitzen, dafür zu bezahlen.  Netzaktivisten argumentieren, dass dadurch Wachstum und Innovation gebremst und die Entstehung des nächsten Twitter oder Facebook im Keim erstickt würde.

Die neuen Regeln der FCC sind das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens vom Januar, bei dem Verizon gegen die FCC geklagt hatte, weil diese die Netzneutralität gesetzlich festschreiben wollte. Verizon bekam Recht. Am 15. Mai sollen der Entwurf verabschiedet werden. 

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