Analoge Nostalgien von Netzbewohnern: Startup EchtPost
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Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden kürzer und im Supermarkt gibt es bereits Weihnachts-Schoko-Kram. Jetzt, wo der Weihnachts-Countdown angelaufen ist, denken wir auch wieder öfter an Freunde und Verwandte. Traditionelle Postkarten zum Fest erinnern viele von uns an eine vordigitale Zeit.

Die analoge Nostalgie wird stärker und so greifen auch hartgesottene Netzbewohner wieder zur Briefmarke. Das Startup EchtPost möchte Netzbewohnern wieder das Versenden von Postkarten ermöglichen – vom Computer aus. Ob diese Geschäftsidee überhaupt noch zeitgemäß ist, erzählt uns Anne Buch, Gründerin von EchtPost, in einem Startup-Interview:

WebMagazin: Erkläre uns doch bitte das Prinzip von EchtPost, wie funktioniert Eure Idee?

Anne: EchtPost ist eine Online-Plattform, über die man Postkarten per Post verschicken kann. Der Nutzer wählt online ein Motiv aus, gibt einen individuellen Text sowie die Empfängeradresse ein und das Ganze wird dann gedruckt, mit einer echten Briefmarke frankiert und über die Deutsche Post verschickt.

Somit stellt EchtPost die Verbindung der Vorteile von analoger und digitaler Kommunikation dar: EchtPost-Nutzer kommunizieren einfach und bequem über Computer, iPad oder Smartphone und der Empfänger erhält dennoch ein hochwertiges und persönliches Produkt: Eine Postkarte im Briefkasten. EchtPost richtet sich damit insbesondere an die Generation, die mit Brieffreunden und Wählscheibe am Telefon aufgewachsen ist, heute aber fast ausschließlich digital kommuniziert – während beim Gedanken an einen vollen Briefkasten nostalgische Gefühle aufkommen.

WebMagazin: Unsere Gesellschaft wird immer digitaler. Ist die Idee Postkarten zu versenden nicht anachronistisch?

Anne: Ganz im Gegenteil! Gerade weil unsere Welt immer digitaler wird, wächst das Bedürfnis nach „echten“ Produkten und Erfahrungen. Das hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen gezeigt, beispielsweise in der gesamten Do It Yourself Branche: Stricken, Häkeln und Basteln haben sich zu starken Trends entwickelt, das beweist nicht zuletzt der Erfolg von Dawanda. Ein weiteres Beispiel stellt Instagram dar: Mit digitaler Technik werden Fotos so bearbeitet, dass sie den Eindruck erwecken, in den siebziger Jahren mit einem alten Farbfilm aufgenommen worden zu sein.

Damit lösen sie beim Betrachter nostalgische Gefühle aus. EchtPost überträgt dieses Prinzip in die Kommunikation: Genauso wenig wie der Fotograf zum Farbfilm greifen muss, muss der Absender bei EchtPost den Stift in die Hand nehmen und zum Briefkasten gehen, sondern kann moderne Kommunikationswege wählen, wie er es gewohnt ist.

WebMagazin: Wo steht Ihr bei der Entwicklung von EchtPost gerade und wie finanziert Ihr Euch?

Anne: EchtPost steht kurz vor dem Launch, am 18. November soll www.echtpost.de online gehen. Damit haben die Vorbereitungen genau ein Jahr gedauert: Letztes Jahr im November startete der NUK Businessplan-Wettbewerb, an dem ich teilgenommen habe und im Zuge dessen die Idee EchtPost konkrete Formen angenommen hat. Die Finanzierung erfolgt zum Teil aus Eigenkapital sowie im Wesentlichen aus einem KfW geförderten ERP-Gründerkredit.

WebMagazin: Was macht EchtPost besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Anne: Es gibt auf dem deutschen Markt etwa ein Dutzend ernstzunehmender Wettbewerber, die über eine Online-Plattform Postkarten per Post verschicken. Im Gegensatz zu EchtPost konzentriert sich der Wettbewerb auf den Versand von Karten mit eigenen Fotomotiven der Kunden. EchtPost hingegen bietet ausschließlich „fertige“ Motive an – die sind exklusiv und immer wieder neu, es lohnt sich also regelmäßig bei EchtPost vorbeizuschauen.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzepts, wie verdient Ihr Geld?

Anne: Das Ertragsmodell von EchtPost ist denkbar einfach: Jede über EchtPost verschickte Postkarte erfordert ein kleines Entgelt des Nutzers. Der Preis für eine Postkarte inklusive Porto liegt bei 2,30 Euro. Der Preis ist bewusst niedrig gewählt, damit er keine Hürde bei der Nutzung von EchtPost darstellt. Das bedeutet aber auch, dass EchtPost nur mit einer gewissen Popularität auf Dauer auch wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von EchtPost gekommen, und was habt Ihr vorher gemacht?

Anne: Die Idee zu EchtPost kam ursprünglich über die Postkartenmotive, die ich nebenbei gestaltet habe. Ich war auf der Suche nach einem alternativen Vertriebsweg zum klassischen Einzelhandel. Gleichzeitig wollte ich eine Lösung für mein eigenes Dilemma finden: Immer wieder nehme ich mir vor, Postkarten zu verschicken und mache es dann doch nicht, sei es, weil ich im Laden kein schönes Motiv finde, oder weil mich der Briefmarkenautomat der Post nervt, der Wechselgeld nur in Form unnützer Briefmarken ausspukt.

Ursprünglich habe ich Publizistik studiert und danach jahrelang im Bereich Public Relations gearbeitet. Diese Erfahrungen kommen mir nun sehr zu Gute, denn EchtPost wird nur funktionieren, wenn es mir gelingt, es auch bekannt zu machen.

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine, und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Anne: Die nächsten sechs Monate stehen ganz im Sinne der Kundengewinnung. EchtPost soll möglichst schnell bekannt werden, insbesondere über Social Media Kommunikation und Pressearbeit. Wie es dann weitergehen soll, darauf will ich mich noch nicht festlegen. Natürlich sind im Businessplan einige Ausbaustrategien bereits angedacht, aber ich glaube, nur die Erfahrung mit echten Nutzern wird zeigen, in welche Richtung sich EchtPost entwickeln wird.

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