Apple auf der Anklagebank
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Gestern berichteten wir in “Apples Steuertricks, ein Milliardengeschäft” über den Vorwurf des US-Senats, Apple unterschlage durch diverse Auslandsvertriebe Steuern in immenser Höhe. Vor dem Senat machte Apple CEO Tim Cook nun seine offizielle Aussage zu den Vorwürfen.

Er sei stolz, Apple zu repräsentieren, leitete er ein. Das Video der kompletten Anhörung seht Ihr nachfolgend:

Für alle, denen die knapp 40-minütige erste Anhörung zu lang ist, fassen wir die Knackpunkte hier zusammen:

Tim Cook gab in seinem Eröffnungsplädoyer zu Protokoll, dass die Auslandsgewinne doppelt so hoch seien, wie im Inland, weshalb man ihn des Öfteren danach frage, ob Apple Inc. überhaupt noch eine amerikanische Firma sei. Euphorisch würde er diese Frage immer mit “ja” beantworten, unter anderem deshalb, weil die Innovationen in Cupertino geboren werden. Weiterhin sagte Cook, dass die neue Jobgattung des App Developers in den letzten Jahren für einen ökonomischen Wachstum gesorgt habe.

Während der Anhörung gab sich Cook stets selbstbewusst, sehr gut vorbereitet und zudem patriotisch. So zitierte er Präsident Kennedys Ruf nach Innovation und bekannte, ein großer Fan der Kennedy-Familie zu sein. Alles in allem hätte man Cooks Plädoyer gut und gerne in einer iPhone Keynote unterbringen können.

von Links: Peter Oppenheimer (CFO Apple), Tim Cook (CEO Apple), Phillip Bullock (CAO Apple)

Fiese Fragen

Die Fragerunde mit Chairman Levin, bei der auch Apple CFO (Chief Financial Officer) Oppenheimer und CAO (Chief Accounting Officer) Bullock verstärkt zu Wort kamen, ging dann schon eher ins Eingemachte. Apple musste hier fiese und unangenehmen Fragen betreffend der vermeintlichen Steuerparadies-Firmen AOI und ASI beantworten, die beide in Irland gemeldet sind, aber aus der Zentrale in Cupertino gesteuert werden. Insbesondere Bullock kam dabei gehörig ins Schwitzen, hielt sich aber wacker.

Nichtsdestotrotz gab keiner der drei Apple-Vertreter zu, Steuervorteile durch die besagten Tochtergesellschaften zu haben, auch wenn das ziemlich offensichtlich ist. Immerhin liegt der von Apple mit der irischen Regierung ausgehandelte Gewinnsteuersatz bei gerade einmal zwei Prozent. In den USA sind 35 Prozent fällig. Dennoch gab Cook zu Protokoll, man nutze die Auslandsfirmen lediglich dazu, um durch die Expertise der ansässigen Mitarbeiter, weiter in den Europäischen Markt vorzudringen. Auch die guten Beziehungen zur irischen Regierung wolle man pflegen. Jegliche Anspielungen auf unfaire Steuervorteile wies er vehement von sich.

Am Ende sorgte Senator McCain, der Chairman Levin für einige weitere Fragen ablöste, dann doch noch für ein kurzes Schmunzeln, indem er Cook fragte, warum er ständig die Apps auf seinem iPhone updaten muss.

What I really wanted to ask you is why the hell I have to keep updating the apps on my iPhone all the time and why you don’t fix that.  

apple-anklage 

Ach ja, da wäre noch der Mac Made in USA

Tim Cook ließ es sich nicht nehmen, den in den USA produzierten Mac anzukündigen, um damit auf den Punkt zu bringen, wie groß sein Interesse ist, die US-Wirtschaft anzukurbeln. Er soll, wie wir bereits in einem früheren Artikel berichteten, in Texas durch Foxconn-Partnerfirmen hergestellt werden und aus Einzelteilen bestehen, die aus mehreren US-Bundesstaaten kommen. Apples Glasfabrik, die auch das iPhone-Glas herstellt, hat beispielsweise ihre Hallen in Kentucky.

Bilder: YouTube-Screenshot und eigene Aufnahme

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