Apple: Skeuomorphic Webdesign ist doch so 1988, oder?
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Apple tut es, viele Webseiten tun es und manche Apps verwenden es: Skeumorphic Webdesign, also die realistische die Nachbildung realer Gegenstände. Viele von uns sind mit Holzfurnier-Möbeln aufgewachsen oder kennen die selbstklebenden Plastikfolien im Marmor-Look und finden sie fürchterlich kitschig.

Apple hat mit seinem User Interface dem Skeuomorphismus neues Leben eingehaucht: So sieht zum Beispiel der Zeitungskiosk aus wie ein hölzernes Bücherregal, oder der Notizblock wie ein Block aus echtem Papier. Warum Apple sich vor einigen Jahren dazu entschlossen hat, Skeuomorphic Design zu verwenden, ist klar: Man wollte zeigen, was designtechnisch alles möglich ist. Und tatsächlich sehen viele skeuomorphiostische Elemente verblüffend echt aus.

Papier, Holz und Leder

So wirkt zum Beispiel die Papierstruktur in der iOS-Erinnerungs-App ausgesprochen realistisch. Kleine Zellulosefasern und Unregelmäßigkeiten kommen auf den immer schärferen Displays sehr gut zur Geltung. Aber ist dieser Look noch wirklich aktuell?

Mit etwas Abstand, betrachtet ist dieses Design auch nicht besser als die abwischbare Plastik-Tischdecke im Häkelgardinen-Look meiner Oma, die kommt übrigens auch mit vielen Details daher.

webdesign

Quelle aller Screenshots: iOS 6.1 

Natural User Interface

Ein zweiter und viel wichtigerer Grund, warum Apple dem Skeuomorphismus einen zweiten Frühling beschert hat, könnte die gute Usability sein. Wenn ein Bücherregal aussieht wie ein Bücherregal, ist mir auf Anhieb klar, was ich damit tun kann: Bücher reinstellen, herausnehmen und wieder zurückstellen. Dieses User Interface bedarf keiner Worte, es überwindet Sprachbarrieren und ist damit für alle verständlich.

Nachdem sich aber bereits so viele User an den typischen Apple-Look gewöhnt haben, wäre ein radikales Redesign ohne Skeuomorphismen ein großes Risiko. So albern es auch klingen mag: Sollten die realistisch anmutenden Elemente eines Tages gegen abstrakte Figuren ersetzt werden, würde so mancher seinen Kalender nicht mehr finden. Und so wird uns wohl auch in Zukunft nichts anderes übrig bleiben, als den Kitsch made in Cupertino hinzunehmen.

design

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