Apple vor Gericht: Geheime E-Book-Preisabsprachen ?
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Heute muss Apple sich vor Gericht gegenüber der US-Regierung verantworten. Gegenstand der Verhandlungen ist der Vorwurf, Apple habe vorsätzlich Preise für digitale Bücher durch Absprachen mit anderen Unternehmen in die Höhe getrieben. Während die beteiligten Unternehmen bereits außergerichtliche Einigungen erzielen konnten, teilte Apple-Anwalt Orin Snyder mit, man wolle darlegen, dass die E-Book-Preise unterschiedlicher und nicht einheitlicher geworden seien. Den Vorwurf geheimer Presiabsprachen wies der Konzern entschieden zurück.

Ganz normale Preisabsprachen?

In der Anklage wird Apple vorgeworfen, bei der Einführung des iPads Absprachen mit diversen Verlagsgruppen getroffen zu haben, um die Monopolstellung Amazons auf dem E-Book-Markt zu brechen. Die Absprachen beinhalteten dabei eine sogenannte „Most-Favored-Nation-Clause,“ die festlegt, dass Apple der günstigste Anbieter des jeweiligen E-Books ist. Gemäß der Vertragsabsprachen sahen sich die Verlage nunmehr verpflichtet, 30 Prozent der Gewinne an Apple abzutreten, um die E-Books über den Apple-Store vertreiben zu können. Im Gegenzug erhielten die Verlage die Möglichkeit, die Verkaufspreise selbst festzulegen. In den USA sind solche Absprachen gerade in der Entertainment-Branche, etwa bei Musik oder Filmen, durchaus üblich. Daher geht es in dem Verfahren um mehr als nur einen Verstoß Apples gegen Kartellrichtlinien. Insbesondere Amazon, Marktführer der E-Book-Branche, sah in der Klausel eine geschäftsschädigende Maßnahme seitens der Cuperntiner, da die Absprache mit den Verlagen zur Folge hatte, dass der Preis für digitale Bücher bei Konkurrenzanbietern um etwa 30 Prozent höher liegt als bei Apple. Für Amazon bedeutete dies, dass die bevorzugte Grenze von 10 Dollar auf 12.99 bzw. 14.99 Dollar überschritten werden musste.

Wie stehen die Chancen für Apple?

Obwohl die Unternehmen bekannt gaben, gegen keine Gesetze verstoßen zu haben, erzielten die Apple-Partner Macmillan, Simon & Schuster, Hachette, Penguin und HarperCollins außergerichtlichen Einigungen, um dem Ruf der Unternehmen durch eine etwaige Niederlage vor Gericht keinen Schaden zuzufügen, wie Bloomberg berichtet. Die Zahlungen sollen sich dabei auf eine Summe in Höhe von mindestens 164 Millionen Dollar belaufen.

Tim Cook hingegen weigerte sich, etwas zu unterschreiben, das man nicht getan habe und kündigte an, sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen zu wollen. Dabei gab die zuständige Richterin, Denise Cote, bereits vor Prozessbeginn eine Einschätzung, die Apple keine allzu großen Chancen auf Erfolg einzuräumen scheint, da sie davon ausgeht, dass die Regierung erdrückende Beweise vorlegen werde. Hierzu zählt auch die öffentlich gewordene E-Mail-Korrespondenz zwischen Steve Jobs und James Murdoch. Zwar betonte Cote, dass ihre Einschätzung nicht unwiderruflich sei, doch ist eine deratige Stellungnahme vor Prozessbeginn doch ungewöhnlich. Auch in der EU musste Apple die Most-Favored-Nation-Klausel bereits aufgeben.

E-Books machen nur einen vergleichsweise geringen Anteil an Apples Umsätzen aus und Amazon ist immer noch der unumstrittene Marktführer, doch auch die Großen der Branche bekommen den Wandel des Marktes zu spüren. So sind digitalbookworld zufolge die durchschnittlichen Preise der Bestseller-Liste von E-Books im vergangenen Monat in den USA auf unter 7 Dollar gefallen, da immer mehr selbst-publizierende Autoren auf den Markt drängen. Durch den Prozess, der aller Wahrscheinlichkeit nicht mit einem Urteil im aktuellen Verfahren enden wird, kämpft Apple also auch um eine Sicherung der eigenen Stellung im Musik- und Video-Geschäft.

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