Apple WWDC – OS X Mavericks, MacBook Air & ein neuer Mac Pro
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Im Zentrum der rund zweistündigen Keynote zum Auftakt von Apples Entwicklerkonferenz WWDC (Worldwide Developer Conference) stand zweifelsohne das Update von Apples mobilem Betriebssystem. Es heißt iOS 7 und bringt neben zahlreichen neuen Funktionen auch ein optisches Redesign mit sich.

Unseren Bericht zu den neuen Features von iOS 7 findet Ihr in Kürze auf webmagazin.de. Alles zum optischen Redesign erklärt der Beitrag „Apple Redesign WWDC 2013 – iOS 7 im Flat Design„. An dieser Stelle möchten wir auf die Neuheiten abseits von iOS 7 eingehen. Denn Apple hat im Moscone Center in San Francisco einiges aufgefahren. Manche Neuheiten waren bekannt, andere sind überraschend.

Naturgemäß ging es während der Keynote viel um Software. Doch es war auch mehr als nur ein bisschen Hardware dabei. Doch der Reihe nach.

OS X Mavericks

Als erstes war die neue Version des Apple Desktop-Betriebssystems Mac OS X an der Reihe. Der Name: OS X Mavericks. Einigen Menschen im Publikum hatte es allerdings vor Schreck das Entsetzen ins Gesicht getrieben, denn Craig Fedrighi, Senior Vice President of Software Engineering bei Apple, hatte sich den Scherz erlaubt und das Update als „OS X Sea Lion“ (Seelöwe) angekündigt – passend mit Seerobben-Icon dazu.

Im Vorfeld war bereits spekuliert worden, das Update von Apples Desktop-OS könnte schlichter ausfallen als üblich. Gerüchten zufolge soll Apple eine Gruppe von OS-X-Entwicklern für die Arbeit an iOS abgestellt haben.

Doch bevor man die Früchte ihrer Arbeit zu bestaunen konnte – ingesamt soll OS X Mavericks über 200 neue Features haben – gab es zunächst ein paar Zahlen: Es gibt inzwischen 72 Millionen Macs auf dem Markt. Im Vergleich zum PC (5 Prozent) kann der Mac ein Wachstum von 100 Prozent in den letzten fünf Jahren vorweisen. Er ist Nummer eins bei der Kundenzufriedenheit in den USA. Darüber hinaus nutzen 35 Prozent aller Mac-User die bis dato aktuellste OS-Version Mountain Lion, während Windows 8 hier nur auf fünf Prozent kommt.

OS X MavericksOS X Mavericks soll über 200 neue Features bieten.

Poweruser-Feature 1: Finder mit Tabs

Schon im Vorfeld hatten einschlägige Medien spekuliert, OS X 10.9, Codename “Cabernet”, könne eine Reihe von sogenannten Poweruser-Features erhalten. Als erstes neues Feature von OS X Mavericks zeigte Federighi die Finder Tabs. Wie beim Browser lassen sich jetzt auch in den Finder-Fenstern mehrere Tabs öffnen. Die Ansichten der verschiedenen Tabs sollen individualisiert werden können. Zwischen denTabs kann auch Drag & Drop genutzt werden. Die Tabs an sich erinnern sehr an die Tabs auf Safari.

Poweruser-Feature 2: Tagging

Das Tagging hat jetzt auch den Mac erreicht. Speicher man beispielsweise ein Dokument, lässt es sich mit Begriffen vertaggen. Der vergebene Tag erscheint sofort in der Finder Sidebar. Tabs werden auch über die iCloud synchronisiert. Vor allem die Suche soll mithilfe von Tags erheblich erleichtert und die Anwender in die Lage versetzt werden, Dateien nach Projekt oder Kategorie zu betrachten.

Poweruser-Feature 3: Multi-Displays-Unterstützung

Besonders interessant für Poweruser – und deswegen im Moscone Center stark bejubelt – ist die Möglichkeit, mehrere verschiedene Vollbildschirm-Workspaces auf mehreren Desktops einzustellen. Sprich: Man kann beispielsweise eine zweite Vollbildschirm-App auf einem zweiten Monitor im Multi-Monitor-Betrieb unabhängig voneinander betreiben. Auch Menüleiste und das Dock sind jetzt dank „multiple displays“ auf allen angeschlossenen Displays verfügbar. Auch HDTV-Flachbildschirme und der Apple TV können jetzt als vollwertige Displays genutzt werden, letztere sogar drahtlos. Mithilfe von Mission Control lassen sich die verschiedenen Bildschirme kontrollieren und sogar die Full-Screen-Apps über die verschiedenen Displays manövrieren.

Advanced Technologies in Mavericks

Darüber hinaus stellte Federighi die “Advanced Technologies in Mavericks” vor. Dabei handelt es sich vor allem um Innovationen, die die CPU Belastung verringern, die Akkulaufzeit verlängern und damit Energieeffizienz und das Reaktionsverhalten des Mac verbessern sollen.

Timer Coalescing

Da wäre zum einen das sogenannte “Timer Coalescing”. Das Feature soll die Anzahl der CPU Transitions, also der CPU Wechselphasen, verringern und damit die CPU Beanspruchung um 72 Prozent reduzieren. Das Feature fasst damit low-level Operationen in Gruppen zusammen, sodass die CPU mehr Zeit in einem Niedrig-Energie-Status verbringen kann und Energie spart. Die Leistungs- oder Reaktionsfähigkeit soll nicht beeinträchtigt werden.

Compressed Memory

Das Speichermanagement “Compressed Memory” komprimiert automatisch inaktive Daten, wenn sich der Systemspeicher gefährlich zu füllen beginnt.

App Nap

Das Feature soll den Energieverbrauch ungenutzer App reduzieren, indem es sie in den Schlafmodus versetzt. In der Demo zeigte Federighi, wie im Safari Browser die Rendering Engine fam.os lief. Ein CPU-Aktivitätsbalken zeigte die starke Beanspruchung des Prozessors. Legt man allerdings ein anderes Fenster, in diesem Fall ein ein Finder-Window, darüber, reduziert sich die CPU-Beanspruchung dramatisch.

Safari

Auch eine neue Version von Safari für OS X wurde vorgestellt. Eine neue Process-Per-Tab-Architektur soll den Browser reaktionsfähiger, stabiler und sicherer machen. Beachtlich war bei der Demo in der Tat das Scrolling, das extrem geschmeidig und schnell aussah. Weitere Neuerungen: Shared Links, eine Funktion, die es erleichtern soll, interessante neue Twitter- und LinkedIn-Inhalte zu entdecken, zu lesen und zu teilen.

Betont wurde auch das Abschneiden in JavaScript-Benchmarks von SunSpider oder der JSBench Suite, wo Safari andere Browser nageblich abhängt. Darüber hinaus müssen sich die 1,5 Milliarden Safari-User weltweit auf eine neue Sidebar am linken Fensterrand und andere kleine UI-Änderungen einstellen.

Maps auf dem Mac

Auf iOS war Apple Maps zunächst ein Fiasko, jetzt kommen die Karten auch auf den Mac, und zwar mit 3D-Asichten und interaktivem Flyover. Cool: Plant man eine Route auf dem Mac, kann man sie sich auf Knopfdruck auf das iPhone senden lassen und dort die Navigation starten. Die systemübergreifende Integration von Maps OS X Mavericks soll Anwendern ferner die Karten in Mail, Kontakte und Kalender zur Verfügungstellen. Entwickler können die Mapping-Funktionen in ihre Apps mit Hilfe des Map Kit API einbauen.

Die weiteren Neuerungen von OS X Mavericks im Schnelldurchlauf:

  • iCloud Keychain: speichert Log-In Informationen von Webseiten, Kreditkartennummern und Wi-Fi-Passwörter eines Nutzers und schickt sie auf alle Geräte des Anwenders; Informationen sind mittels AES-256 Verschlüsselung geschützt sobald sie auf dem Mac gespeichert und auf die Geräte geschickt werden; typisch amerikanischer Use-Case während der Keynote: “iCloud ist super fürs Shoppen geeignet, denn es erinnert sich an all deine verschiedenen Kreditkarten…”
  • ein aktualisierter Kalender mit überarbeitetem User Interface: die Integration von Karten wurde hinzufügt sowie durchgängiges Scrollen, sodass man Wochen und Monate überfliegen kann; ein neuer Inspector, für die vereinfachte Erstellung und Bearbeitung von Events, ist ebenfalls an Bord; 
  • interaktive Benachrichtigungen, die es dem Anwender ermöglichen auf eine Nachricht aus dem Mitteilungszentrum zu antworten, einen FaceTime Anruf anzunehmen oder eine E-Mail zu löschen ohne die gerade aktive App zu verlassen; Auch Websites sollen jetzt  Benachrichtigungen nutzen können, um den Nutzer über die neuesten Nachrichten, Ergebnisse und andere Informationen auf dem Laufenden zu halten. While You Were Away-Benachrichtigungen stellen sicher, dass man sieht, was passiert ist während sich der Mac im Ruhezustand befand. Insbesondere iOS-User werden sich über die Möglichkeit freuen, sich die Push-Nachrichten von iOS-Devices dann auch auf den Mac schicken lassen zu können;
  • iBooks kommen auf den Mac und damit der Zugriff auf die iBooks Bibliothek mit mehr als 1,8 Millionen verfügbaren Titeln; iBooks soll damit nahtlos über alle Geräte eines Nutzers hinweg arbeiten, sodass man ein Buch auf seinem Mac lesen, Notizen oder Hervorhebungen vornehmen kann und im Anschluss auf dem iPad genau dort weiterlesen kann, wo man aufgehört hatte;

OS X Mavericks Kalender
Der neue OS X Mavericks Kalender (Quelle: Apple Events).

Auf Seite 2 des Berichts geht es unter anderem weiter mit dem Mac Book Air, dem neuen Mac Pro und iWork for iCloud.

Aufmacherbild: Screenshot https://developer.apple.com/wwdc/

Quelle Produktfotos:  Apple Press Info

[ header = Seite 2 mit Mac Book Air, Mac Pro und iWork for iCloud ]

MacBook Air

Zur ersten Hardware, die an diesem Abend vorgestellt wurde, gehört das neue MacBook.  mit Intel Core Prozessoren der vierten Generation. Es soll sich vor allem durch eine erheblich gesteigerte Akkulaufzeit auszeichnen.

Das MacBook Air verfügt über Intel Core i5 und Core i7 Prozessoren der vierten Generation, die dem 13-Zoll MacBook Air bis zu 12 Stunden Batterielaufzeit und bis zu 10 Stunden iTunes-Filmwiedergabe ermöglichen sollen. Das 11-Zoll MacBook Air soll bis zu 9 Stunden Batterielaufzeit und bis zu 8 Stunden iTunes-Filmwiedergabe liefern.

Das MacBook Air unterstützt 802.11ac Wi-Fi der nächsten Generation und soll so für eine bis zu drei mal schnellere drahtlose Performance bei Verbindung mit einer 802.11ac Basisstation sorgen. Neue Intel HD Graphics 5000 Grafikprozessoren ermöglichen dem MacBook Air laut Apple eine bis zu 40 Prozent schnellere Leistung für Spiele und grafikintensive Apps. Ein neu entwickelter Flash-Speicher bietet bis 45 Prozent höhere Geschwindigkeiten als die vorherige Generation und soll bis zu neun mal so schnell als herkömmliche Festplatten sein.

MacBook AirDas neue MacBook Air.

Bei den Anschlüssen sind ein High-Speed Thunderbolt-Anschluss und zwei USB 3.0 Anschlüsse an Bord. Das MacBook Air unterstützt außerdem Dual-Displays und Video-Mirroring bei gleichzeitig voller native Auflösung auf dem eingebauten Display.

Ausgeliefert wird das MacBook Air mit OS X Mountain Lion. Es ist ab heute erhältlich. Das 11-Zoll MacBook Air ist mit einem 1,3 GHz Prozessor mit Turbo Boost-Geschwindigkeiten bis zu 2,6 GHz, 4 GB RAM und 128 GB Flash-Speicher ab 999 Euro erhältlich. Mit 256 GB Flash-Speicher kostet es ab 1.199 Euro. Das 13-Zoll MacBook Air ist mit einem 1,3 GHz Prozessor mit Turbo Boost-Geschwindigkeiten bis zu 2,6 GHz, 4 GB RAM und 128 GB Flash-Speicher ab 1.099 Euro erhältlich; mit 256 GB Flash-Speicher kostet es ab 1.299 Euro.

AirPort Extreme & AirPort Time Capsule

Außerdem vorgestellt wurden die neu designte Airport Extreme- und Airport Time Capsule-Basisstationen. Beide unterstützen die 802.11ac Drei-Strom-Wi-Fi-Technologie, die mit einer maximalen Datenrate von 1,3 GBit/s fast drei mal so schnell sein soll als 802.11n. Die neuen Airport Basisstationen integrieren Hochleistungssender und ein Antennensystem mit Strahlformung für sechs Elemente. Ausstatten kann man die Basisstationen mit 2 TB- oder 3 TB-Festplatten. Mit Maßen von 9,8 cm mal 9,8 cm und einer Höhe von 16,8 cm fallen beide schön klein aus.

Mac Pro – die ultimative Desktop Maschine!?

Highlight des Abends abseits von der Begeisterung über iOS war der Sneak Peak auf die neue Generation des Mac Pro. Es ist  rund um einen vereinheitlichten Wärmekern entwickelt, der es dem Desktop-Rechner ermöglichen soll seine gesamte Wärmeleistung über alle Prozessoren zu verteilen. Dabei kommt der Mac Pro in einem Gehäuse unter,  das einem Achtel der bisherige Größe des Mac Pro entspricht.

Mac ProNur noch 1/8 so groß wie der Vorgänger: der neue Mac Pro.

Weitere Key-Features im Überblick:

  • Intel Xeon E5-Prozessoren der vierten Generation (Haswell) mit Konfigurationen bis zu 12 Kernen sollen doppelt so schnelle Gleitkomma-Berechnungen liefern und mit zwei AMD FirePro-GPUs der Workstation-Klasse soll der neue Mac Pro bis zu 2,5 mal schneller sein als der bisherige Mac Pro und dabei bis zu 7 Teraflops an Rechenleistung unterbieten.

  • Die Monstermaschine enthält PCIe-basierenden Flash-Speicher (bis zu 10 mal schneller als herkömmliche Desktop-Festplatten) und beinhaltet den neuesten Vier-Kanal-ECC-DDR-Arbeitsspeicher mit 1.866 MHz und bis zu 60 GByte/Sek. an Arbeitsspeicherbandbreite. Damit soll das Kraftpaket eine ruckelfreie Bearbeitung von voll auflösendem 4K-Video ermöglichen, und zwar während man gleichzeitig Renderings im Hintergrund durchführt.

  • Ungewöhnlich für Apple: Der neue Mac Pro soll der am meisten erweiterbare Mac sein, den Cupertino jemals gebaut hat. Er verfügt über sechs Thunderbolt 2-Anschlüsse, die jedem externen Device bis zu 20 GBit/Sek. an Bandbreite bieten sollen, was sich besonders gut für den Anschluss von externem Speicher, mehreren PCI-Erweiterungseinschüben, Audio- und Video-Breakout-Boxen und den neuesten externen Displays, inklusive 4K-Desktop-Monitoren, eignen soll.

  • Jeder der sechs Thunderbolt 2-Anschlüsse unterstützt bis zu sechs in Reihe geschaltete Geräte und bietet somit die Möglichkeit bis zu 36 Hochleistungsperipheriegeräte anzuschliessen.

Mac Pro innen
Futuristisch anmutendes Inneres: der neue Mac Pro (Quelle: Apple Events).

Die nächste Generation des Mac Pro soll im Laufe des Jahres verfügbar sein. Über Preise wurde noch nichts verraten.

iWork for iCloud

Als letzte der nicht-iOS-Vorstellungen möchten wir noch ein paar Takte zu iWork for iCloud sagen. Es integriert die bekannte Produktivitäts-Suite von Apple mit der iCloud und ermöglicht das Erstellen und Bearbeiten von Dokumenten im Browser. Selbst Word-Dokumente lassen sich per Drag & Drop hineinziehen und bearbeiten. Auch auf Windows funktioniert es. So wurde in der Demo gezeigt, wie ein eben auf dem Mac importiertes und bearbeitetes Word-Dokument via Chrome-Browser auf einem Windows 8 Rechner geöffnet und weiter bearbeitet wurde.

iWork for iCloud
Über alle Apple-Plattformen hinweg nutzbar: iWork for iCloud (Quelle: Apple Events).

Fazit

Auch abseits von iOS 7 konnte Apple mit einigen interessanten Neuerungen aufwarten. Dabei bewegt man sich jedoch mit dem neuen OS X Mavericks etwas weniger auf iOS zu als viele erwartet hatten. Auch optisch vielen die Änderungen an OS X eher marginale aus. Man darf gespannt sein, ob die skeuomorphic Design-Elemente, beispielsweise der Ledereinband der Kontakte- und Kalender-App, der gelbe Zettel-Look der Notizen-App, dann spätestens im nächsten Update das Zeitliche segnet. Darüber hinaus präsentiert sich OS X Mavericks nicht so App-centric wie es viele erwartet hatten.

Schön ist, dass man einige Wünsche von Powerusern erhört hat und auf deren Basis neue, vielversprechende Features integriert hat. Und: Siri bleibt vorerst den iOS-Devices vorenthalten, obwohl ich persönlich noch am ehesten mit meinem Rechner zuhause sprechen würde als beispielsweise in der Öffentlichkeit.

Die neuen Mac Book Air Varianten sind technisch voll ausgestattet. Ob sie tatsächlich die angepriesene Akkulaufzeitverlängerungen bringen, muss man abwarten. Auf jeden Fall dürfte Apple an der Notebook-Front weiter die Spitzenposition behaupten.

Sehr gespannt darf man auf den neuen Mac Pro sein, der auf den ersten Blick das Potenzial hat sowohl bei Designern, Fotografen, Musikern, Video-Editors und anderen Kreativen zum Referenzrechner zu avancieren.

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