Apples Steuertricks, ein Milliardengeschäft [Kommentar]
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Vergangene Woche wurde Apple im Interview mit NBC öffentlich auf vermeintlichen Steuerbetrug angesprochen, der eigentlich gar keiner ist. Immerhin bewegt sich Apple mit seinen Geldschiebereien über Europa und wieder zurück nicht außerhalb der Legalität. Tim Cook sagte nun zu den jüngsten sowie tiefgründigeren Vorwürfen des US-Senats frei übersetzt, dass die amerikanische Regierung die Steuergesetze ändern möge, wenn ihr nicht gefällt, was Apple tut. Jeden Penny, den man seinem Land schulde, bezahle man auch, sagte Cook an anderer Stelle.

Im Blickfeld der Geier

Wie kommt es also, dass Apple vor dem Ausschuss, im Fokus der Investitionen, Rede und Antwort stehen muss? Möchte die USA einfach mehr Profit aus dem Erfolg der Cupertiner schlagen oder ist Cook seiner Aufgabe als CEO nicht gewachsen? Zumindest Letzteres kann keiner behaupten, denn Cooks Gegenargumentation während der Anhörung war stichhaltig und kugelsicher. Davon überzeugt war auch Senator Rand Paul, der den Fehler ganz klar in den US-Steuergesetzen sieht.

Die Regierung sollte sich bei Apple für diese an den Haaren herbeigezogenen Anschuldigungen öffentlich entschuldigen, forderte er mit Nachdruck. Es sei schließlich völlig legitim, mit legalen Mitteln die zu leistenden Steuern auf ein Minimum zu reduzieren. Andernfalls machte Apples CFO einen schlechten Job, was unter anderem den Share- und Stakeholdern gegen den Strich ginge.  

Ist Apple also völlig unschuldig?

Dass man Apple keine illegalen Geschäfte nachweisen kann, spricht sie zwar vor Gericht frei, gesellschaftlich handeln die Cupertiner aber, wie eigentlich fast alle großen Konzerne, verwerflich und eigennützig. Denn auch Apple ist kein Wohltäter, strebt in erster Linie nach Profit und bewegt sich, um diesen zu maximieren, innerhalb von Grauzonen und Schlupflöchern der Justiz. Die Tricks, die dazu zum Tragen kommen, sind in der Theorie einfach nachzuvollziehen. Man verfrachtet Gewinneinnahmen mit Hilfe zahlreicher Tochterfirmen ins Ausland, schmälert diese dann durch Verkäufe der Produkte an eigene Zweigstellen und spart so, einfach gesagt, Milliarden an Steuern.

Die bekanntesten Umschlagplätze, die einzig und allein für diese Zwecke genutzt werden, sind die Konzern-Töchter Apple Operations International (AOI) und Apple Sales International (ASI). Beide sind mit Sitz in Irland eingetragen, werden aber aus den USA geführt. Zwischen 2009 und 2011 soll Apple mit Hilfe dieser Firmen laut FAZ Fiskusgewinne in Höhe von 74 Milliarden Dollar erzielt haben. 

Apple Store NYC

Kein Geheimnis

Diese Machenschaften sind, wie man sicher weiß, keine Geheimnise. Steuersparmodelle ähnlicher Art bekommen BWL-Studenten bereits in den ersten Semestern eingebläut. Bevor man also versucht, Apple an den Pranger zu stellen, sollte man sich erst einmal in die Grundprinzipien der Betriebswirtschaft und die geltenden Gesetze internationaler Geschäfte einlesen. Mit Anschuldigungen allein erreicht man nichts.

Ohnehin kann sich Apple nicht zuletzt aufgrund seines hohen Beliebtheitsfaktors schnell wieder aus der Affäre ziehen und zwar mit einem weiteren in der Theorie altbekannten Trick: dem guten Image. Ein Resultat der Imagearbeit ist zum Beispiel der Mac Made in USA, der schon bald in Produktion gehen soll. Ein anderer Vorteil ist unweigerlich die Tatsache, dass Ankläger sowie Befürworter Apples beim Blick über den Display-Rand ihres eigenen silberfarbenen MacBook Pro von vorneherein nicht ganz unparteiisch sind.

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