Apples TouchID Pläne: Home Button als Trackpad, Display als Fingerabdrucksensor
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Das aufsehenerregendste Feature des iPhone 5s ist zweifelsohne die TouchID. Mit dem biometrischen Fingerabdruckscanner kann man Apples Flaggschiff entsperren oder Käufe im App- oder iTunes-Store autorisieren. Schon zum Launch wurde viel darüber spekuliert, welche Anwendungsmöglichkeiten TouchID in Zukunft noch bieten könnte, beispielsweise im Bereich Mobile Payment in Verbindung mit Apples iBeacon-Technologie.

Welche Pläne Apple für die TouchID noch haben könnte, verrät ein Patent, das Apple bereits am 20. Mai 2013 bei der World International Property Organization unter dem Titel „Device, method, and graphical user interface for manipulating user interfaces based on fingerprint sensor inputs“ eingereicht hat. Die englische Kurzbeschreibung des Patents (das komplette Patentdokument ist 612 Seiten lang) lautet wie folgt:

An electronic device with a display and a fingerprint sensor displays, on the display, a first user interface. While displaying the first user interface on the display, the device detects movement of a fingerprint on the fingerprint sensor. In response to detecting movement of the fingerprint on the fingerprint sensor: in accordance with a determination that the movement of the fingerprint is in a first direction, the device navigates through the first user interface; and in accordance with a determination that the movement of the fingerprint is in a second direction different from the first direction, the device displays a second user interface different from the first user interface on the display. 

Im Klartext beschreibt das Patent die Möglichkeit den Fingerabdrucksensor als Trackpad zu verwenden, sprich als eine weitere Möglichkeit durch das User Interface zu navigieren. UnwiredView.com, die als erste über das Patent berichteten, sehen die neue Bedienungsmöglichkeit als praktische Ergänzung, sollte Apple mit dem iPhone 6 ein größeres Display einführen. Das leuchtet ein, denn mit einer Art Trackpad ließe sich weiter mit einem Finger, zum Beispiel dem Daumen, durch das UI navigieren. Das Hauptargument von Apple gegen Displays größer als vier Zoll wäre damit obsolet: die „one hand usability“.

Screenshot Apple Patent WO/2013/173838 (PDF via WIPO)
Bewegungen auf der TouchID lassen den Fingerabdrucksensor zum Trackpad werden (Screenshot Apple Patent WO/2013/173838, 
PDF via WIPO).


Zusätzlich soll der Sensor auch in der Lage sein, die Dauer und die Stärke des Drucks zu messen, der auf ihn ausgeübt wird – und auf dieser Basis weitere Steuerungsmöglichkeiten anzubieten, beispielsweise für Spiele.

Technische Vorbedingung für einen Einsatz des Fingerabdrucksensors als Trackpad einzusetzen ist eine entsprechende Empfindlichkeit des Sensors. Im Grunde ist die TouchID allerdings nichts anderes als ein kapazitiver Touch Sensor, ähnlich dem eines Multi-Touch-Screens, nur mit deutlich höherer Auflösung (500 dpi).

Und hier wird’s richtig spannend. Im Patent wird nämlich darüber hinaus noch erläutert, wie das gesamte Display eingesetzt werden könnte, um Fingerabdrücke zu identifizieren. Würde dies technisch realisiert, wäre das Telefon in der Lage, genau zu erkennen, welcher Finger welcher Hand sich gerade wo auf dem Display befindet. Die Anwendungsmöglichkeiten sind klar: Man könnte bestimmte Aktionen oder Markos definieren, die entweder durch bestimmte Finger, Fingerbewegungen oder  Kombinationen von beidem ausgelöst werden. Mit dem Zeigefinger öffnet man Safari, mit dem Mittelfinger die Einstellungen und so weiter.

Screenshot Apple Patent WO/2013/173838 (PDF via WIPO)

Künftig könnte das Display jeden Finger genau identifizieren (Screenshot Apple Patent WO/2013/173838, PDF via WIPO).


Screenshot Apple Patent WO/2013/173838 (PDF via WIPO)
So könnte beispielsweise der Zugriff auf bestimmte Apps nur ganz bestimmen Fingern gewährt werden (Screenshot Apple Patent WO/2013/173838, PDF via WIPO).


Im Patentdokument wird als weitere mögliche Anwendung eine Klaviertastatur auf einem Display gezeigt, die scheinbar erkennt, welche Taste mit welchem Finger angeschlagen wurde:

Apple_TouchID01
Screenshot Apple Patent WO/2013/173838, PDF via WIPO


Alles in allem darf man also sehr gespannt sein, wie die Entwicklung von TouchID und Touchscreens weiter geht. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass eine Integration der im Patent beschriebenen Technologie unter Umständen noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Vielleicht stecken aber schon Teile davon im nächsten iPhone. Dass Apple es mit dieser Entwicklung ernst meint, zeigt der schiere Umfang des Patentdokuments. Auf den 612 Seiten mit Beschreibungen, Diagrammen und Zeichnungen finden sich 464 Patentansprüche. Nur das Patent für Multi-Touch Displays und Siri waren ebenso voluminös.Bedenken, dass sich diese erhöhte Display-Empfindlichkeit negativ auf die Akkulaufzeit auswirken könne, tritt die Patentbeschreibung entgegen: Das Telefon soll clever genug sein, zu erkennen, wann es die Display-Empfindlichkeit zur Erkennung von Fingerabdrücken erhöhen müsse und wann der ‚Normalbetrieb’ ausreiche. Darüber hinaus geht aus den dem Patent angehängten Zeichnungen hervor, dass die Fingerabdruckerkennung nur in bestimmten Bereichen des Displays funktioniert.

 

 

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