Startup-Interview

auticon bringt Autisten in IT-Jobs
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Asperger-Autisten haben große Stärken im analytisch-logischen Bereich. Das Startup auticon hat dies erkannt und will Menschen im Autismus-Spektrum helfen, im IT-Jobmarkt Fuß zu fassen.

Autistische Menschen haben häufig Probleme, einen Job zu finden. Dabei sind sie mit ihren überdurchschnittlichen Fähigkeiten in Logik, Mustererkennung und Fehlersuche sehr gut in der IT-Branche aufgenommen. auticon vermittelt vor allem Software-Testing-Jobs und Quality Assurance an Asperger-Autisten und betreut sie bei ihren Projekten.

WebMagazin: Erklär uns doch bitte das Prinzip von auticon, wie funktioniert Eure Idee?

auticon verbindet wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem Anspruch: Wir sehen das enorme Potential von Menschen im Autismus-Spektrum, deren Stärken insbesondere in der Mustererkennung und im logisch-analytischen Bereich liegen. Stärken also, die sich wunderbar im IT-Bereich, vor allem in der IT-Qualitätssicherung, einbringen lassen. Als GmbH sind wir am freien Markt aktiv, denn wir wissen, wie gut unsere Mitarbeiter sind. Wir setzen sie meist vor Ort bei unseren Kunden ein, wo sie kreative Lösungsansätze entwickeln und so die IT-Projekte unserer Kunden effizient ergänzen.

Trotz ihrer fachlichen Stärken sind viele Menschen im Autismus-Spektrum arbeitslos. Das hängt oftmals mit ihren Schwierigkeiten in den sogenannten Soft-Skills – wie Small-Talk – zusammen, die in der heutigen Arbeitswelt extrem wichtig sind. Fachwissen reicht heute leider nicht mehr für einen festen Arbeitsplatz. Um unseren Consultants in diesem „weichen“ Bereich Sicherheit geben zu können, beschäftigen wir eigene Job Coaches. Diese sitzen jedoch nie bei unseren Kunden vor Ort, sondern agieren im Hintergrund.

WebMagazin:  Was macht auticon besonders, wer sind eure Mitbewerber und was unterscheidet euch vom Rest?

auticon ist ein normales Unternehmen mit ganz besonderen Mitarbeitern. Sie machen auticon erst zu einem außergewöhnlichen Unternehmen. Da auticon ein in Deutschland einzigartiges Geschäftskonzept verfolgt, haben wir keine direkten Konkurrenten. Im weiteren Sinne könnte man die Unternehmen, die ebenfalls IT-Qualitätssicherung anbieten, als Mitbewerber verstehen – doch die haben nicht unsere Mitarbeiter…

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befindet ihr euch gerade bzw. wann seid ihr live gegangen? Wie werdet ihr finanziert?

auticon ist gerade drei Jahre alt geworden. Seit dem ist viel passiert! Inzwischen haben wir sechs Standorte, sechzig Mitarbeiter/innen – davon vierzig autistische Consultants. Wir haben erfolgreich Projekte mit der Bayerischen Landesbank, Infineon, der Pfandbriefbank, Vodafone und der Telekom realisiert – um nur ein paar zu nennen. Die Anschubfinanzierung kam damals vom Münchner Social Venture Fund. Inzwischen nähern wir uns der schwarzen Null, die wir nächstes Jahr erreichen werden.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient ihr Geld?

Wie jedes andere Unternehmen auch: durch Umsatz! Wir setzen unsere Consultants in Projekten bei unseren Kunden ein. Der Umsatz macht ca. 90 % unserer Einnahmen aus – 10 % kommen über Fördergelder, die wir für die Inklusion schwerbehinderter Menschen erhalten. Zur Unterstützung unserer Consultants beschäftigen wir Job Coaches – die Fördergelder decken jedoch nicht einmal die Personalkosten für unsere Job Coaches. Folglich hat auticon sogar einen kleinen Kostennachteil gegenüber anderen am freien Markt tätigen Unternehmen, die keine Job Coaches beschäftigen.

WebMagazin: Wie seid ihr auf die Idee von auticon gekommen und was habt ihr vorher gemacht?

auticon wurde von Dirk Müller-Remus gegründet, der zuvor unter anderem als Geschäftsführer in der Medizintechnik Branche und im IT-Bereich arbeitete. Die Idee zu auticon kam Dirk, da er selbst einen autistischen Sohn hat und dessen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, aber auch seine enormen Stärken sah. Die auticon-Idee war geboren!

 

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