Berlin Startup-Tour: Sankt Oberholz – das Epizentrum der Gründer-Szene?
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Kostenloses WLAN, Latte Macchiato und zusammengewürfelte Stühle und Tische vom Sperrmüll … Entschuldigung – Vintage-Möbel: Das Szene-Lokal Sankt Oberholz ist das vermeintliche Epizentrum der Berliner Startup-Szene und so führen mich heute gleich zwei der vielen Termine meiner Tour in das Café in Berlin Mitte.

Wer glaubt, dass Jungunternehmer an einem Dienstagmorgen um neun Uhr noch den Rausch des vergangenen Startup-Party-Events ausschlafen, kann sich im Sankt Oberholz eines Besseren belehren lassen. Die Schlange an der Bar für den ersten Café des Tages ist lang. Luis Daniel Alegria, der Gründer der Event-Discovery-App Vamos, wartet bereits auf mich an der Tür. „Nein, ich will nichts trinken, das dauert ewig, lass uns hochgehen,“ sagt er und geht voraus. Einfach im Café rumsitzen und plaudern ohne etwas zu bestellen? Mir wird langsam klar, warum das Sankt Oberholz in der Szene so beliebt ist.

Nachdem mir Luis ausgiebig von den Vorteilen seiner App erzählt hat, hake ich nach: „Klingt spannend, aber was ist, wenn sich der erhoffte Erfolg nicht einstellt – wie sieht Dein Plan B aus?“ Luis zögert einen kurzen Moment, dann platz es aus ihm heraus: „Es gibt keinen Plan B, es gibt nur diesen Plan und ich werde damit erfolgreich werden“. Sein jugendliches Gesicht mit Flusenbart täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass ich es mit einem Verkaufsprofi zu tun habe und ich bin auch sicher nicht der erste, dem Luis so überzeugend die Vorteile seiner Idee erzählt.

Definitiv bin ich aber der erste, dem Luis zumindest an diesem Dienstagmorgen von Vamos erzählt und tatsächlich habe ich es im Laufe dieses Gesprächs geschafft, ein wenig hinter die Fassade des Pitch-Profis zu schauen. Ein ausführlicher Beitrag dazu folgt in den kommenden Tagen.

Für ein anschließendes Treffen mit Espen Systad von capsule.fm muss ich nicht einmal die Location wechseln. Bevor ich mich zu Espen auf die klapprige Bank vor dem Lokal setze, kaufe ich mir an der Bar noch schnell eine Cola für 2,50 Euro. Übrigens, so viel kostet auch dieser leckere Döner gleich um die Ecke, eine Cola gibt’s für 1,50 Euro dazu, aber wir sitzen im Sankt Oberholz, weil man das eben in Startup-Berlin so tut.

espen saki

Espen und Saki vor dem Sankt Oberholz

© Software & Support Media

Espen baut mit capsule.fm gerade einem individuellen Content Player, der tagesabhängig Inhalte wie News, Musik oder E-Mails abspielt – eine Art Google Glass für die Ohren, wie er sagt. Der Launch findet aber erst in ein paar Wochen statt, deshalb ist alles noch streng geheim. Aber auch hier konnte ich bereits die eine oder andere Info in Erfahrung bringen, die ich noch in einem separaten Beitrag verarbeitete werde.

Mein Kalender ist an diesem sonnigen Dienstag voll und so folgt ein Termin auf den nächsten. Alle Treffen finden im Stadtteil Berlin Mitte, und tatsächlich markiert das Sankt Oberholz mehr oder weniger das geografische Zentrum meines Terminradius.

Als ich am Ende des Tages ein letztes Mal am Sankt Oberholz vorbeischlurfe, die Blasen an den Füßen gehören zu dieser Startup-Tour dazu, sitzen dort immer noch dutzende junge Leute vor ihren Mac Books und ich frage mich, ob sie gerade tatsächlich an einer neuen, revolutionären Geschäftsidee tüfteln oder einfach nur auf Facebook ganz banale Sachen wie Katzenbilder liken – egal was sie tun, sie tun es im Sankt Oberholz und machen es damit zu einem Zentrum der Szene und deswegen hat das Café diesen Titel verdient.

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