Beweglicher Androide – der Android-Track auf der MobileTech Conference 2013
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Viele Jahre legte Google bei der Entwicklung von Android Wert auf Performance und Funktionalität. Als Folge davon blieben Design und Usability auf der Strecke. Android galt als cool und geeky, aber hässlich. Das änderte sich mit Ice Cream Sandwich und den Design Guidelines. Inzwischen ist Android UI so stark in den Fokus getreten, dass es ein vorherrschendes Thema in den Android-Tracks der MobileTech Conference 2013 geworden ist. Und das ist auch gut so.

Denn es gibt viel zu erzählen und zu diskutieren in Sachen Android UI. Zum einen haben Entwickler seit Ice Cream Sandwich ganz neue Möglichkeiten für ihre Apps erhalten, die Umsetzung ist aber noch nicht überall gelungen. Die Fragmentierung wird oft als Pitfall herangezogen – da müssen Webentwickler dann oft müde lächeln. Schließlich bauen sie seit vielen Jahren Anwendungen, die auf verschiedenen Browsern und Bildschirmgrößen funktionieren müssen. Heutzutage sind Webseiten responsiv, um auf dem Desktop UND auf dem mobilen Gerät optimal zu laufen. Und genau das muss auch für Android-Apps möglich sein.

Responsive Design für Android

Kein Problem, sagt Juhani Lehtimäki von Snapp TV, der den Android Day am Mittwoch eröffnete. Android Apps müssen von den Erfahrungen der Web-Apps und –Entwickler profitieren und dieselben Prinzipien studieren. Denn mit den Tools, die für Android verfügbar sind, lassen sich heute Apps bauen, die auf jedem Device laufen, egal welche Screengröße. Juhani muss es wissen, schließlich beschäftigt er sich seit über 10 Jahren mit Android und betreut mit www.androiduipatterns.com einen der wichtigsten Quellen zum Thema UI Design Patterns. Es gibt keine Android App, die Juhani noch nicht in den Fingern hatte.

Mit Responsive Design müssen sich Android-Entwickler beschäftigen, so Juhani, und die Plattform hilft ihnen dabei. Man müsse weggehen von der Prämisse, es gäbe auf der einen Seite Smartphone-Apps und auf der anderen Seite Tablet-Apps. Eine App für alles, das ist das Ziel. „There shouldn’t be such thing as an android phone app,“ so Juhani in seinem Talk. Interessant: Im raum saßen zu 90 Prozent Android-Entwickler, mit Responsive hatten sich aber laut Handzeichen maximal 10 Prozent beschäftigt.

Google macht uns vor, wie responsive Apps aussehen müssen: Google Play Store, Google Mail, YoutTube App – alles Beispiele für Apps, die überall gut aussehen. Wie erwähnt ist das alles kein Hexenwerk, sondern mit den Mitteln umsetzbar, die Android heute bietet. So gibt es beispielsweise die Funktion, zwei Items nebeneinander darzustellen, wenn der User sich im Landscape-View eines Tablets befindet. Wechselt er auf das Smartphone, wird nur noch ein Item angezeigt, nach Tap auf einen Punkt gelangt man dann in Item 2. Genau so funktioniert auch die Google-Mail-App auf dem Smartphone.

Eine weitere Möglichkeit von Android ist der Grid View, wie z. B. in der YoutTube App zu sehen. Der Entwickler/Designer entscheidet zu Beginn, wie viele Columns das Grid haben soll. Durch einstellen des stretchmode auf columnWidth werden diese Grids dann automatisch an die jeweilige Screengröße angepasst. Columns auf dem Smartphone werden vertikal dargestellt.

Am Ende gab Juhani den Teilnehmern der MTC noch einen Tipp mit auf den Weg: Tablets First. Konzipiert eure App als erstes für das Tablet und wandelt von dort die Version für das Smartphone ab. Dieser Weg ist, so Juhani, um Längen unkomplizierter als umgekehrt.

Supercharge your Android UI

Wie anfangs erwähnt hatte iOS lange Zeit die Nase vorn, weil iOS Apps rein objektiv betrachtet besser aussahen und ergonomisch besser bedienbar waren. Apple hatte von Anfang an darauf geachtet, dass jede App, die in den Store gelangt, zu 100 Prozent die iOS-UX-Paradigmen erfüllt. Wer schon mal eine App für iPhone oder iPad entwickelt hat, kennt die Schmerzen, die mit dem Apple Review Prozess verbunden sind.

Der Erfolg einer App hängt maßgeblich davon ab, wie sie sich dem Nutzer präsentiert. Um Android-Apps einen außergewöhnlichen Look zu verleihen, steht unter anderem das Android Graphics Framework zur Verfügung. Dominik Helleberg und Kollege (inovex) präsentieren die Möglichkeiten des Frameworks in einem Talk, und sprachen über Performance und Best Practices. Mit dem Framework lassen sich zum Beispiel Animationen und 3D-Effekte in der App einbauen.

Android-UIs für alle

Das Thema Responsive Design vom ersten Talk nahm nachmittags Andreas Hölz von canoo wieder auf: Seit Honeycomb gibt es das neue Feature „Fragments“, das die Smartphone- und Tabletentwicklung vereinen soll. Die jüngste Qualitätsoffensive von Google, gezielt App-Entwickler für die Tabletentwicklung zu gewinnen, zeigt, dass es im Bereich der Cross-Device-UI-Entwicklung noch Informationsbedarf gibt. Andreas stellte das Fragment-Konzept vor und konzentrierte sich dabei auf Tablet-UIs. Wichtig war ihm, festzuhalten, dass man auf der Android-Plattform nicht (mehr) von Fragmentierung, sondern eher von Differenzierung sprechen sollte. Derzeit gibt es 2244 unterschiedliche Geräte für eine einzige Codebasis, und das sollte man als Chance und nicht als Problem warhnehmen. Wir sprachen vor seinem Talk mit Andreas, das Videokönnt Ihr Euch im Beitrag“Andreas Hölzl über Mobile Business Apps, Wikihood und Tablet UIs“ anschauen. Und wer sich in dieses Thema einlesen will: Andreas hat einen spannenden Artikel für das Mobile Technology Magazin 1.2013 geschrieben.

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