bgf 2013: Auf zu neuen Ufern – vom Browser zu Mobile
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In Hamburg ist heute das bgf 2013 gestartet. Auf dem Event treffen sich an zwei Tagen die weltweit wichtigsten Browsergames-Unternehmen. Das Who-is-Who des Szene – Entwickler, Publisher und Professionals im Browser- und Online-Games-Sektor – tauscht sich über aktuelle Trends aus und lauscht den Vorträgen von Speakern aus der Branche.

In diesem Jahr stehen während der neunten Auflage der Konferenz Sessions zu webbasierten, mobilen und crossplatform Spielen auf dem Programm. Neben der neuen Location – das bgf ist vom Offenbacher Capitol ins Curio Haus nach Hamburg umgezogen – gibt es erstmals einen speziell auf Games Development ausgerichteten Track im Programm.

In seiner Begrüßung betonte Andreas Lober, Mitgründer des bgf, wie schnell sich heute die Spieleindustrie ändert. Allerdings habe ein XXL-Exit wie das des Mobile-Gaming Startups Supercell das Potenzial, vielleicht wieder etwas Fantasie zurück in die Industrie zu bringen. 

Ein Paradebeispiel für ein kleines Startup, das sich zu einem der erfolgreichsten Mobile Gaming Studios entwickelt hat, ist Kabam. Das amerikanische Unternahmen kann heute 700 Angestellte und sieben Niederlassungen weltweit vorweisen und hat sich über die Jahre von einem Browsergame-only-Studio zu einem der Top 10 Mobile Games Studios weltweit entwickelt. Wie Kabam dieser erfolgreiche Wandel gelungen ist, erläuterte Ken Go, Managing Director der Kabam Niederlassung in Berlin, in seiner Keynote „From Click to Tap: Success bringing browser games to mobile“.

Vom Browser zu Mobile

Noch 2011 kamen 100 Prozent des Umsatzes von Kabam aus Browsergames, null Prozent aus Mobile. 2013 sind es 70 Prozent Mobile. Das Flaggschiff-Spiel von Kabam ist „Kingdoms of Camelot“ (KoC), das 2009 von zwei Entwicklern und ein paar Praktikanten in drei Monaten entwickelt worden war. Das Spiel war eines der ersten Simulationsspiele auf Facebook, kann dort vier Jahre später immer noch gute Umsätze generieren und legte damit den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens.

2012 folgte die Mobile-Version für iOS und Android – mit umwerfendem Erfolg: KoC war 2012 im App Store das umsatzstärkste Spiel. Die Mobile-Version wurde von einem 15 Mann starken Entwickler-Team in Peking innerhalb eines Jahres produziert. Man nutze bereits existierende Artworks sowie den Code des Originals. Inzwischen ist die Niederlassung in Peking die erfolgreichste des Unternehmens. 

Ken Go KabamKen Go, Managing Director der Kabam Niederlassung in Berlin, während seiner Keynote auf dem bgf 2013 in Hamburg.

Gaming-Leitsätze

Welche Schlüsse hat Kabam also aus seiner eigenen Erfolgsgeschichte gezogen?

Ken Go fasste sie in seiner Keynote als „Great Game Truths“ zusammen:

  • Großartige Spiele machen eine Marke bekannt
  • Bekannte Marken sind in der Lage Plattformgrenzen zu überwinden
  • Großartige Spiele können Jahrzehnte erfolgreich sein
  • Großartige Spiele haben treue Communities, die nach mehr dürsten 

Aber: Lässt sich so ein Erfolg heute noch wiederholen? Denn schließlich ändert sich der Markt unglaublich schnell. Kabam versucht seinen Erfolg mit „Dragons of Atlantis“ zu wiederholen – offenbar erfolgreich: In drei Jahren hat man mit dem Spiel über 100 Millionen Dollar verdient und mehr als 15 Millionen Spieler an sich gebunden.

Allerdings merkt man auch, dass es nicht mehr so einfach ist wie früher. Eine neue Version von „Dragons of Atlantis“ – „Heirs of the Dragon“ – wächst zwar kontinuierlich, allerdings etwas langsamer als das Original. Ken Gos Bewertung: Es gibt sehr viel mehr Konkurrenz, höhere Kosten, aber auch eine schnell wachsende Zielgruppe.

Lessons Learned

Abschließend gab Ken Go dem Publikum noch die aus seiner Sicht wichtigsten Erkenntnisse bezüglich des Wandels vom Browsergames-only Studio zum Mobile-Game-Entwickler mit auf den Weg.

Ganz wichtig sei eine Fokussierung auf die User Experience. Mobile-Kunden sind kritischer als alle anderen, die Erwartungen sind viel höher als im Browser. 

Man sollte ein Spiel also niemals einfach nur portieren und nie die User Experience für höhere technische Effizienz opfern. Ferner darf man die Komplexität nicht unterschätzen, die sich durch die heutige Gerätevielfalt ergibt – insbesondere bei Android-Devices.

Da man sich im Mobile-Reich bewegt, sollte man unbedingt das Touch Interface clever nutzen und beachten, wie und wann die Spieler ihre Geräte nutzen (praktisch zu jeder Zeit!). Da der Wettbewerb sehr groß ist, sollte man sich besonders auf die erste und zweite Spielsession fokussieren und einen guten Eindruck machen, sonst ist der Spieler weg! Ebenfalls ans Herz legte Ken Go den Zuhörern, Apples und Googles Feedback ernst zu nehmen. Denn obwohl der Faktor Zeit immer wichtiger wird und Time-to-Market ein wichtiger Teil der Business-Strategie ist, sollte man sich Zeit für das Polieren der Spiele nehmen. So legt beispielsweise Apple viel Wert darauf, dass die Spiele ihrer Partner (und Kabam ist einer) besonders gut auf ihren Geräten mit Retina Display aussehen. Sowieso ist eine gute Partnerschaft mit Apple und Google enorm wichtig. Laut Ken Go tut man nahezu alles, um hier ein gutes Verhältnis aufzubauen, denn wird man im App Store oder auf Google Play gefeatured, kann das sehr rentabel sein.

Als weiteren entscheidenden Faktor sieht Go das Vereinfachen des User Interface. Kurzum: weniger Eingaben, weniger Tippen von Text und das Scrolling reduzieren.

Mit dem erwähnten Polieren des Spiels geht der Tip Ken Gos einher, auf Details zu achten. Sie machen den Unterschied. Dazu gehören unter anderem die Entscheidung, ob Landscape- oder Portrait-Modus unterstützt wird oder beides. Auch der Multi Device Login sollte immer häufiger in Betracht gezogen werden, damit die Gamer über verschiedene Geräte hinweg weiterspielen können. Ein Besonderheit ist der Android Back Button. Der sollte laut Go bei Android Spielen unbedingt vorhanden sein, weil die Android-Nutzer darauf trainiert sind, ihn zu nutzen.

Darüber hinaus darf trotz allem Fokus auf UX und UI die Technik nicht zu kurz kommen. Wie hoch ist die Akku-Beanspruchung meines Spiels und wie ist die Performance bei niedrigem Akkustand sind einige der Fragen, die beantwortet werden müssen. Dazu bedarf es umfangreicher Qualitätssicherung und Tests.

Alle Aspekte zusammen machen am Ende ein gutes Spiel aus. Und gute Spiele bekommen nun mal gute Bewertungen und Reviews in den App Stores – und die sind laut Ken Go ebenfalls ein sehr entscheidender Faktor für den Erfolg.

 

 

 

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