Big Data eines Protest-Planeten
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Gezi Park, Tahrir Square, Occupy XY – wir leben heute in einer Welt voller Proteste und fragen uns: War das schon immer so schlimm? War früher alles besser? Steuern wir auf eine Klimax der Gewalt und des zivilen Ungehorsams zu?

Um einen Vergleich zwischen heute und den letzten 30 Jahren zu ziehen und zu visualisieren, hat das Global Database of Events, Language, and Tone, kurz GDELT, Nachrichtenberichte ausgewertet. Gefiltert wurde nach Berichten zu Protesten, Gewalteskalationen etc. und heraus kamen ca. 250 Millionen Ereignisse seit 1979. Die Daten wurden dann auf eine Landkarte übertragen, die Zeit lässt sich von 1979 bis heute durchlaufen, wobei einzelne Ereignisse jeweils kurz aufleuchten. Die Daten werden täglich aktualisiert. 

Big Data eines Protest-Planeten
Screenshot: http://www.foreignpolicy.com


Grenzen von Big Data

Wie der Artikel auf Foreign Policy schon anmerkt, ist diese Datenvisualisierung zwar spannend anzusehen, doch zeigt sie auch die Grenzen von Big Data auf. Denn die Ergebnisse einer Datenanalyse können immer nur so gut sein wie die Daten selbst.

So scheint die Karte zu vermitteln, dass die Proteste in den letzten Jahren rapide zugenommen haben – während in den Achtzigern nur hier und da ein paar wenige Lichter aufleuchten, wird ab 2000 ein wahres Feuerwerk in Europa und den Nahen Osten verbrannt. Grund dafür ist natürlich das Aufkommen der digitalen Medien, welche die Berichterstattung nachhaltig beeinfluss haben.

Außerdem gibt es in Ländern mit autoritären oder totalitärem politischem System natürlich keine freie Berichterstattung. Proteste, Demonstrationen, Ausschreitungen, über die nicht berichtet wurde, erscheinen auch nicht in dieser Karte. Und natürlich können diese kurz aufscheinenden Punkte auf der Karte keine Aussage liefern über die Art und den politischen Hintergrund des Ereignisses. War das in den USA gerade ein Occupy-Wall-Street-Protest oder eine Demo der Tea Party?

Datenvisualisierung

So schön also Datenvisualisierung ist, sollte man sie auch meist kritisch hinterfragen. Wer sich für dieses Thema interessiert, sollte unbedingt einen Blick auf den neuen Bildband „Visual Simplexity“ werfen, der sich mit Datenvisualisierung und Big-Data-Kunst beschäftigt. 

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