Big in Japan – Driving (mobile) Innovation in Japan von Marco Koeder
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Während wir uns hierzulande noch über erfolgreiche Geschäftsmodelle im Mobile-Sektor den Kopf zerbrechen, werden innovative Konzepte am anderen Ende der Welt tagtäglich gelebt. Stellen wir uns eine Mobile Game-Entwicklerschmiede vor, die es schafft, einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Dollar mit einer Gewinnspanne von 50 Prozent zu generieren. Oder einen Messaging-Dienst, der in nur wenigen Monaten rund 40 Millionen Nutzer zählt – unmöglich? Nicht in Japan.

Bei seiner Keynote am ersten Tag der webinale 2013 erklärte Marco Koeder, warum Japan in Sachen Mobile als Trendsetter gilt. Der Experte für mobile Kampagnen lebt selbst seit über zehn Jahren in Tokio und gestaltet als Leiter der Agentur Cybermedia die Mobile Entwicklung im Land der aufgehenden Sonne.

Seiner Meinung nach beruht der Erfolg von Mobile-Innovationen in Japan auf der Tatsache, dass Mobiltelefone sehr stark verbreitet sind. Bei 127 Millionen Einwohnern werden in Japan rund 108 Millionen aktive Mobiltelefone gezählt. 96 Prozent davon sind 3G-fähige Geräte.

Wohlgemerkt handelt es sich hierbei aber nicht um Smartphones, sondern um 3G-fähige „featured phones“. Und diese werden auch fleißig genutzt. So greifen Japaner viermal so häufig über ein Smartphone auf das Internet zu, als über einen PC – ein Szenario, von dem App-Entwickler in Deutschland nur träumen können.

Darüber hinaus treiben schnelle Internetverbindungen zu günstigen Preisen zusätzlich dazu bei, dass Japaner ihre Smartphones exzessiv nutzen, ohne lange Ladezeiten oder hohe Kosten in Kauf nehmen zu müssen.

Bei dieser intensiven Nutzung konnte sich M-Commerce in Japan früher etablieren als in Europa. Erfahrungswerte aus Japan beruhen auf einer Mobile-sozialisierten Kundschaft. So hat zum Beispiel McDonalds bereits vor Jahren seine gedruckten Coupons abgeschafft und bietet diese ausschließlich in digitaler Form an.

Das Sytem merkt sich die Gewohnheiten der Nutzer. Wenn zum Beispiel ein Kunde täglich einen Kaffee und einen Muffin im Schnellrestaurant kauft und plötzlich nicht mehr kommt, lockt das System den Kunden mit kostenlosen Angeboten, zeigt ihm wie weit das nächste Restaurant von seinem aktuellen Standort entfernt ist und spendiert ihm den Kaffe, wenn er in den kommenden 30 Minuten den Laden betritt.

Die Bedürfnisse der Nutzer werden erkannt und aus den gesammelten Informationen werden individuelle Mehrwerte und Angebote geschaffen.

Aber nicht nur die Software, sondern auch die Hardware passt sich ganz individuell an die jeweiligen Bedürfnisse der Zielgruppen an. Koeder zeigte bei seiner Keynote Bilder von mobilen Endgeräten, die speziell für junge Frauen entwickelt wurden. Neben dem Bonbon-geprägten Design hatte der Hersteller des japanischen Mädchen-Phones am Rand des Gerätes eine Scroll-Hilfe angebracht, die mit den Fingern gesteuert werden kann. Schließlich sind lange Fingernägel bei jungen Japanerinnen sehr beliebt, stören aber, wenn man ein Multitouch-Display bedienen will.

Und so endete der erste Tag der webinale mit einem Blick nach Asien und mit einer Vision dessen, was wir hierzulande an unserer Mobile-Infrastruktur und ihren Angeboten verbessern können.

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