Big in Japan! Oder: Was NFC mit Vertrauen zu tun hat
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Es gibt Technologien, die seit Jahren auf ihren großen Durchbruch warten. Augmented Reality beispielsweise, der Technologie, der seit Jahren mit großer Ausdauer auf der Inside AR das Abheben attestiert wird. Ganz bestimmt – die Zeit sei reif! Eine weitere mehr oder weniger vor sich hinsiechende Technologie ist die Near Field Communication, kurz NFC. Zumindest in Deutschland wartet man noch darauf – in Japan sieht das schon ganz anders aus, was Gregor Hohpe in seiner Keynote „Near Field Communication in Japan“ auf der MobileTech Conference 2013 eindrucksvoll bewiesen hat.

Im Land der aufgehenden Sonne gibt es über 100 Millionen Mobiltelefone; 65 Millonen davon mit dem begehrten NFC-Chip ausgestattet. Auf einen Einwohner kommen im Schnitt über zwei NFC-Karten, über eine Millionen Stationen locken mit unterschiedlichsten Diensten und Gamification-Elementen; stets auf der Jagd nach Daten. Kein Wunder also, dass die ohnehin technikbegeisterten Asiaten ihren Spieltrieb mit ihren Gadgets noch weiter befeuern. Handys und Smartphones sind Lifestyle-Utensilien, werden mit Plastik-Figuren behängt, mit ausgefallenen Cases personalisiert. In Japan ist das mobile Device bereits das, was es sich im Rest der Welt anschickt zu werden: Es ist Teil des Menschen, der Persönlichkeit. Nicht nur ein Device, dass das Leben in vielen Bereichen vereinfachen kann.

Und NFC? NFC ist ein weiterer Schritt in eben diese Richtung. Auch wenn – wie eigentlich nicht anders zu erwarten – in Japan eben alles etwas anders läuft. Das fängt schon bei der Technik an: Während im Rest der Welt das mobile Device das aktive Element ist – die Stromversorgung des Chips also über den Akku des Geräts gewährleistet wird – ist es in Japan anders herum. Das Smartphone ist das passive Element, wird von den jeweiligen Stationen mit Strom versorgt. Und der Vorteil liegt auf der Hand, denn bezahlen kann der Kunde auch, wenn sein Taschencomputer keinen Saft mehr hat.

Bezahlen ist ein gutes Stichwort; denn damit hat alles angefangen. Genaue Abrechnung für die Bahnfahrt zum Beispiel – einchecken, wenn man den Zug betritt, auschecken, wenn man sein Ziel erreicht hat. Doch auch Boni stehen ganz oben auf der Liste; wer regelmässig wiederkehrt, kann Punkte sammeln, sich Rabatte auf Einkäufe sichern. Kundenbindung leicht gemacht: ein Kunde, ein Device. Wird der Chip oft genutzt, lassen sich Daten sammeln, wie es mit reinem GPS in dieser Güte niemals möglich gewesen wäre.

Einer der großen Player in Japan ist Mc Donald’s, die mit einer ausgeklügelten Coupon-Strategie auf Kunden- und Datenfang gehen. Denn anders als in Deutschland, wo man ebenfalls Coupons über die entsprechende App bekommt, muss in Japan direkt am Schalter interagiert werden. In deutschen Filialen ist man sich des Werts des Instant-Feedbacks wohl nicht bewusst – es genügt, einfach den Coupon auf dem Handy vorzuzeigen; ein „jetzt einlösen“ wird nur selten gefordert. Nicht auszudenken, was man mit den Daten aus diesem Kontext alles anfangen könnte! Man kennt den Standort, die Vorlieben … das Verbinden der realen Aktion mit der Online-Welt – ein Markt mit Zukunft!

Hohpe selbst war fünf Jahre in Japan und konnte die Zeit nutzen, umfangreiche Erfahrungen zu sammeln. In seiner Zeit in Asien hat er System entwickelt, das es ermöglicht, einen einmaligen Key zu generieren, wenn ein Device mit einem Button gekoppelt wurde. Wiedererkennung ist alles; und genauer kann man einen Nutzer nicht tracken. Schöne neue Welt. Und doch attestiert er einen oft viel zu simplen Use Case; zu viel Potenzial wird verschenkt. Sei es mit simplen Spielereien oder oberflächlichen Interaktionen.

Sein Fazit lautete folgerichtig, dass es nur eine Killer-Applikation und das notwendige Vertrauen in den Anbieter braucht, um auch in Deutschland endlich durchstarten zu können. Vertrauen in die deutsche Bahn beispielsweise? Ich fürchte, dass wir noch weit vom Durchbruch entfernt sind.

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