Bild führt 1414-Leser-Reporter-App ein
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Seit 2006 gibt es in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben die umstrittene Rubrik des Leser-Reporters – jetzt starten die Freizeit-Karla Kolumnas ins App-Zeitalter. Mit der kostenlosen 1414-App für iOS und Android will der Springer-Verlag noch mehr Leser zum Einsenden von Fotos animieren, um die Leser und die Redaktion enger miteinander zu verbinden. Allerdings ist Vorsicht geboten.

Seit heute ist die App zum Download im Google Play und iTunes Store zu finden, über die sich mit etwas Glück sogar ein Taschengeld von bis zu 250 Euro für Schnappschüse verdienen lässt. Ein Haken dabei ist natürlich, dass man sich über myPass anmelden und seine Adresse und Konto-Daten preisgeben muss. Diese Informationen seien notwendig, damit im Falle einer Veröffentlichung das Honorar ausgezahlt werden kann. 

Neben der Möglichkeit, eigene Bilder jederzeit an die Bild-Redaktion zu übersenden, gibt es wechselnde Aktionen oder Missionen, bei denen zu bestimmten Themen deutschlandweit oder in bestimmten Städten oder Regionen Wettbewerbe ausgerufen werden. Per Push-Nachricht können sich die 1414-Reporter dabei über Aktionen in ihrer Region informieren lassen. Auf die Gewinner warten digitale Pokale oder gegebenenfalls ein Preisgeld. Beginn der Missionen ist bereits heute – gesucht wird unter anderem das schönste Handy-Foto oder das Wiesn-Girl 2013. Die Bildrechte bleiben dabei beim User. Sollte sich die Bild-Zeitung entscheiden, ein Foto für redaktionelle Zwecke zu verwenden, kann der Urheber mit einem Honorar von bis 20.000 Euro rechnen, im Regelfall sind es jedoch 1.000 Euro. Je nach Einstellung kann die Redaktion die Gewinner dann per SMS, E-Mail, Push-Nachricht oder Telefonanruf informieren.

Was verspricht sich die Bild-Zeitung von der 1414-App?

Was sich die Bild-Zeitung von einer solchen Plattform erhofft, dürfte dabei eigentlich klar sein. Denn was zunächst sicherlich wie eine spaßige Foto-Aktion aussieht, könnte zu einer Paparazzisierung der Gesellschaft ausarten. Im Extremfall kann die Bildzeitung so von jedem Unfall, Brand oder Polizeieinsatz schnell aktuelle Fotos liefern, ohne dass Reporter hierfür vor Ort sein müssen. Wie die Privatsphäre gewahrt bleibt, ist fraglich. Dies gilt umso mehr, wenn Privatleute sich eben nicht öffentlich als Reporter zu erkennen geben oder die entsprechenden Gesetze nicht kennen. Klar ist auch, dass Bilder lügen können und aus dem Zusammenhang gerissen unter Umständen ein „falsches Bild“ vermitteln. Für Böll wäre die Nachricht daher ein gefundenes Fressen und Katharina Blum wäre sicherlich nicht nur der Presse, sondern auch den Nachbarn mit ihren Handy-Kameras hilflos ausgeliefert gewesen.

Wer die App dennoch ausprobieren möchte, kann sich auf der Webseite 1414.de informieren und bereits hochgeladen Fotos in einem Stream anschauen. Die App gibt es als Download für iOS und Android.

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