Juristische Spielregeln beim Onlineeinsatz von Bildmaterial

Urheberrecht: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
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Beim Einsatz von Werken auf der eigenen Internetpräsenz gibt es generell zwei Szenarien: die Nutzung fremden Materials oder der Einsatz von selbst erstellten Werken. Das gilt für alle Werkarten (Texte, Videos, Musik etc.) im Allgemeinen und für Bildwerke, also Fotos, im Besonderen.

Beim Betrieb eines Blogs, einer Unternehmenswebsite oder eines Onlineshops ist es nicht ungewöhnlich, dass Werke Dritter zum Einsatz kommen, etwa in Form von Bildern aus Stock-Foto-Archiven von Fotolia, Pixelio, Getty Images, Thinkstock und Co. Unabhängig davon, ob es sich um eigenes oder fremdes Bildmaterial handelt, sind stets sowohl das Urheberrecht als auch das Recht am eigenen Bild zu beachten – jedenfalls bei Personenfotos.

Urheberrecht

Nach dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) sind verschiedene Arten von Werken schutzfähig, nämlich die folgenden:

  • Sprachwerke (z. B. Texte, Reden oder Computerprogramme)
  • Musikwerke
  • Lichtbildwerke/Fotos
  • Filmwerke/Videos
  • pantomimische Werke/Werke der Tanzkunst
  • Werke der bildenden Künste, Baukunst und angewandte Kunst
  • Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art (Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen etc.)

Während jedes Foto automatisch unter den Schutz des UrhG fällt, egal, ob es sich um einen Urlaubsschnappschuss, ein Selfie oder ein professionell gestaltetes Arrangement eines Berufsfotografen handelt, müssen andere Werke eine gewisse Qualität aufweisen, indem sie die so genannte Schöpfungshöhe erreichen. Soll fremdes Bildmaterial Verwendung finden, muss also nicht nur das Recht am eigenen Bild von erkennbar abgebildeten Personen beachtet werden, sondern in erster Linie auch das Urheberrecht des Fotografen und gegebenenfalls auch Nutzungsrechte von Dritten (z. B. einer Agentur).

Die Position als Urheber umfasst verschiedene Ansprüche, u. a. das Recht als Urheber genannt zu werden. Sofern darauf nicht verzichtet wird, ist es zwingend zu beachten. Daraus ergibt sich die Konsequenz für die Umsetzung in der Praxis, dass der Urhebernachweis eingeplant und auf der Website mit eingebunden werden muss. Je nachdem, welche Vorgaben im Rahmen der Nutzungsvereinbarung bestehen, muss der Urhebernachweis

  • am bzw. im Bild selbst,
  • in unmittelbarer Nähe des Bilds,
  • irgendwo auf der gleichen Seite oder
  • an zentraler Stelle (z. B. im Impressum)

angeführt werden.

Wo und wie genau der Urhebernachweis umgesetzt werden muss, hängt tatsächlich von der konkreten Vereinbarung mit dem Urheber bzw. Rechteinhaber ab. Bei der Nutzung von Stock-Foto-Material macht man in aller Regel nicht viel falsch, wenn man den Urheber z. B. in der Bildunterschrift platziert; oftmals sind aber auch Nennungen etwa im Impressum gestattet.

Lizenzvarianten

Apropos Lizenz: Für unterschiedliche Einsatzzwecke lassen sich unterschiedliche Lizenzen erwerben, für die dann mal mehr, mal weniger gezahlt werden muss. Ein Foto für die bloße Nutzung in einem Blog ist sicherlich preisgünstiger als eins für den kommerziellen Einsatz als Werbeplakat. Nicht nur der Preis, sondern auch die Nutzungsbestimmungen werden hierbei sehr unterschiedlich ausfallen. Daher muss immer auf den konkreten Verwendungszweck geachtet werden, wenn Bildmaterial erworben wird.

Eine Besonderheit besteht im Zusammenhang mit den sozialen Medien. Denn die regeln in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), dass Nutzer ihnen die Rechte an dem Material übertragen, das sie posten. Wenn also z. B. ein Facebook-Nutzer ein Foto plus Begleittext postet, räumt er Facebook die Nutzungsrechte daran ein, sodass dieses Material u. a. auch zu Werbezwecken eingesetzt werden kann. Ob derartige AGB-Klauseln immer rechtmäßig sind, steht auf einem anderen Blatt und ist auch noch nicht abschließend geklärt. Aber Fakt ist: Es gibt sie, und sie sollten daher erst einmal beachtet werden. Eine Falle besteht darin, wenn Stock-Foto-Material im Social-Media-Bereich zum Einsatz kommen soll, denn es gibt nicht wenige Lizenzarten, in denen die Übertragung der Nutzungsrechte auf Dritte gerade untersagt ist. Wer also lieber auf Nummer sicher gehen will, sollte ganz genau auf die Lizenzen schauen, die er erwirbt. Inzwischen gibt es Anbieter, die spezielle Social-Media-Lizenzen oder gar komplett rechtefreies Material anbieten. Also: Augen auf beim Fotokauf!

Recht am eigenen Bild

Recht am eigenen BildJede Person hat das Recht am eigenen Bild. Einschlägig wird dies bei erkennbar abgebildeten Personen, wodurch sich die Frage stellt: Wann bzw. wodurch wird eine Person erkennbar? Grundsätzlich kommt es stets auf die jeweilige konkrete Aufnahme an. Es muss allerdings nicht so sein, dass die Person von jedermann zweifelsfrei erkannt werden kann; eine generelle theoretische Erkennbarkeit ist insoweit ausreichend. Wer direkt in die Kamera schaut, ist in aller Regel auch erkennbar, sofern er keine Maske trägt oder in sonstiger Weise unkenntlich gemacht ist. Aber dabei handelt es sich nicht um die einzige Möglichkeit. Eine Erkennbarkeit kann sich auch aus anderen Umständen ergeben, z. B. aus

  • dem Ort,
  • der Zeit,
  • eventuellen Begleitpersonen,
  • sichtbaren Tätowierungen oder auch
  • der Bildunterschrift.

Nackte Personen werden übrigens stets als erkennbar eingestuft.

Das Recht am eigenen Bild bedeutet ganz konkret, dass jeder selbst und frei entscheiden kann, ob überhaupt Aufnahmen angefertigt und wofür diese dann verwendet werden dürfen. Das ergibt sich aus § 22 Kunsturhebergesetz (KUG): „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“ Dieser so genannte Einwilligungsgrundsatz gilt zwingend – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Foto- oder um Videoaufnahmen handelt, ob es private oder berufliche Aufnahmesituationen sind und auch ob die Bilder analog oder digital entstehen. In § 23 KUG gibt es einige Ausnahmetatbestände vom Einwilligungsgrundsatz:

  • Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte (z. B. Politikerauftritt)
  • Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen (z. B. Urlaubsfoto vom Aachener Dom)
  • Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben (z. B. Konzert, Fußballspiel)
  • Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient (z. B. Foto zur Illustration eines wissenschaftlichen Texts)

Eine weitere Ausnahme sieht § 24 KUG vor, nämlich für Zwecke der Rechtspflege und der öffentlichen Sicherheit. Auf dieser Basis dürfen von den Behörden Bildnisse ohne Einwilligung des Berechtigten sowie des Abgebildeten oder seiner Angehörigen vervielfältigt, verbreitet und veröffentlicht werden. Sofern keiner der genannten Ausnahmefälle vorliegt, bleibt es beim Einwilligungsgrundsatz.

Im Zweifel muss eine Person vor Fertigung des Bilds um ihre Zustimmung gebeten werden. Eine wirksame Einwilligung setzt ein gewisses Maß an Information voraus, d. h. die abzubildende Person muss wissen, wer das Foto zu welchem Zweck macht. Bisweilen ergibt sich das zwanglos aus der Situation, wenn also z. B. auf einer Veranstaltung Fotografen des Veranstalters tätig sind. Etwaige Unklarheiten gehen allerdings zu Lasten desjenigen, der die betreffenden Fotos nutzen will. Daher ist es ideal, wenn die Einwilligung in schriftlicher Form eingeholt wird. Aber auch die Tatsache, dass jemand in die Kamera lächelt und dadurch zeigt, dass er aufgenommen werden will oder jedenfalls nichts dagegen hat, kann als Zustimmung gewertet werden. Es gibt noch andere solcher konkludenten Einwilligungserklärungen, z. B. dadurch, dass jemand als Modell arbeitet, also Geld für die Aufnahmen erhält. Allerdings scheidet eine solche stillschweigende Einwilligung immer dann aus, wenn die Aufnahmen mit versteckter Kamera getätigt werden.

Promis und Kinder

Je bekannter eine Person ist, desto eher darf sie auch ohne ihre Einwilligung abgelichtet werden. Bei Prominenten mit überragender Bekanntheit, wie etwa Angela Merkel, Til Schweiger oder Franz Beckenbauer, ist lediglich die Privat- bzw. Intimsphäre geschützt. Sofern sich solche „A-Promis“ in der Öffentlichkeit bewegen, dürfen sie ungefragt fotografiert werden; in ihren Privaträumlichkeiten hingegen nicht. Es gibt aber auch Personen, die durch ein bestimmtes Ereignis temporär bekannt werden. Von ihnen dürfen dann im Zusammenhang mit diesem Ereignis ebenfalls Aufnahmen ohne ihre Zustimmung angefertigt werden. Bei allen anderen Menschen gilt der Einwilligungsgrundsatz und die erwähnten Ausnahmetatbestände in § 23, 24 KUG.

Bei Fotos von Minderjährigen ist die Altersgrenze von 14 Jahren von entscheidender Wichtigkeit. Bei Kindern, die jünger als 14 Jahre alt sind, müssen auf jeden Fall die Erziehungsberechtigten ihre Zustimmung erteilen. Jugendliche (in einem Alter von 14 bis 18 Jahren) können unter Umständen auch selbst einwilligen, abhängig von ihrer individuellen Einsichtsfähigkeit. Die Altersgrenze von 14 Jahren gilt eher als Orientierungshilfe und ist nicht sprichwörtlich in Stein gemeißelt. Im Zweifel ist auch hier die Einwilligung der Erziehungsberechtigten maßgeblich. Mit der Vollendung des 18. Lebensjahres wird die Volljährigkeit erreicht und die betreffende Person kann ab dann selbstständig einwilligen. Ausnahmen bestehen lediglich bei Einschränkungen gesundheitlicher Natur, also z. B. geistig behinderten Personen.

Praxistipp

Folgende Checkliste sollte beim Einsatz von Fotos im Internet beachtet werden, wenn es um die Frage geht, welche Inhalte zulässigerweise genutzt werden dürfen:

  • selbst geschaffene Fotos (die nicht gegen Gesetze verstoßen oder sittenwidrig sind)
  • fremde Fotos mit Einwilligung für den konkreten Verwendungszweck (und korrekt platziertem Urhebernachweis)
  • Verwendung von fremden Fotos in sozialen Netzwerken nur mit entsprechender Lizenz
  • sogenannte gemeinfreie Fotos (insbesondere Werke, deren Schutzfrist abgelaufen ist)
  • Bildzitate (als Beleg für eine eigene Leistung, Kennzeichnung als Zitat plus Quellennachweis)
  • Personenfotos bei Vorliegen eines gesetzlichen Ausnahmetatbestands oder wirksamer Einwilligung
  • Fotos von minderjährigen Personen mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten oder ggf. mit eigener Einwilligung (bei Personen über 14 Jahren mit ausreichender Einsichtsfähigkeit)
  • Fotos von Promis in der Öffentlichkeit

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