Bitcoins aus Sicht der Finanzexperten: Fluch oder Segen?
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Finanzprofis wie Warren Buffett äußerten bereits öffentlich ihre Zweifel an Bitcoins. Bereits zur Geburt der Crypto-Währung 2008 waren die Vorurteile groß. Die virtuelle Währung wurde in den Medien als Anarcho-Geld verschrien und sollte laut öffentlichen Meinungsmachern vor allem von Hackern und Kriminellen verwendet werden. Man ging eigentlich von vornherein davon aus, de Währung würde sich innerhalb kürzester Zeit selbst beerdigen.

Virtuelle Währung mit ungeahntem Potential

Allerdings war eher das Gegenteil der Fall. Immer mehr Anbieter akzeptieren Bitcoins als Zahlungsmittel für ihre Waren. Kein Wunder also, dass die Bitcoin-Community in Euphorie schwelgt.

Nach dem anfänglichen Siegeszug der Währung und einem absoluten Rekordhoch von über 1.100 US-Dollar im Jahr 2013 ist der Kurs allerdings mittlerweile auf um die 400 US-Dollar gefallen. Das macht einen Preisverlust von über 45 Prozent aus. Und laut den Finanzexperten soll der Preisverfall weiter gehen.

Im Dezmeber 2013 wurde mit einer wirtschaftlichen Studie zudem versucht zu belegen, dass Bitcoins nicht mit einer konventionellen souveränen Währung vergleichbar ist. Der Verfasser der Studie David Yermack von der Stern School of Business der New York University ging sogar soweit, dass er in seinem Fazit Bitcoins mit einigen Internet-Aktien verglich, die in den 1990er Jahren zum Platzen der so genannten Dotcom-Blase führten.

Trotz allem ist die Euphorie der Bitcoiner ungebrochen. Viel mehr wurde sie in der Vergangenheit immer wieder durch neue Akzeptanzstellen angeheizt, wie dem Browsergame Gigant Zynga oder dem Porno-Anbieter porn.com. Denn eines ist ganz klar für die Entwicklung des Bitcoins: Der Bitcoin-Preis wird mal mehr mal weniger von Nachrichten und Gerüchten getrieben.

Das Bitcoin-Prinzip

Für den Handel mit Bitcoins existiert ein öffentliches Verzeichnis aller Transaktionen. Eigentümerwechsel werden so durch ein globales Computer-Netzwerk aufgezeichnet und eingetragen. Somit wird gewährleistet, dass eine einzelne Bitcoin-Einheit nicht gleichzeitig von mehreren Personen gehalten oder ausgegeben werden kann.

Als Währung unbrauchbar, aber als Technologie interessant?

Während Finanzexperten die Währung nach wie vor ablehnen, wird auf der anderen Seite geprüft, ob die Bitcoin-Technolgie für existierende Finanzmärkte nachgeamt werden kann, um einen schnellen und günstigeren Geldtransfer zu ermöglichen.

So erklärte Fred Brothers, Innovationsleiter der Firma FIS, Anbieter von Systemen zur Zahlungsabwicklung in einem Interview mit Bloomberg News, man prüfe, ob eine öffentliche Datenbank mit Transaktions-Listen – ähnlich dem Blockchain bei Bitcoins – möglicherweise helfen könnten, Gelder sicher über bestehende Netzwerke zu transferieren.

Auch Analysten der Goldman Sachs Group kamen im März dieses Jahres zu der Erkenntnis, dass Bitcoins zwar keine brauchbare Währung sei, die Technologie aber vielversprechend erscheint.

Die Nachrichten aus der Bitcoin-Szene scheinen vergleichbar mit zweischneidigen Schwertern. 

Was sich die Banken anschauen, ist die Modernisierung der Technologien, die sie bereits haben,

so Cary Whaley, ein Vice President der Independent Community Bankers of America.

Die Legitimität der Währung

Vor allem durch die weitere Akzeptanz wird der virtuellen Währung eine enorme Legitimität verliehen. Nicht nur Wikipedia oder die taz akzeptieren mittlerweile Bitcoins. Auch für den Hardware-Riese Dell gilt die Crypto-Währung als legitimes Zahlungsmittel. Nun hat Bloomberg in Zusammenarbeit mit Selzer & Co. aus Des Moines im US-Bundesstaat Iowa vom 15. bis 16. Juli eine Umfrage durchgeführt, um die aktuelle Einstellung zu der virtuellen Währung einzuschätzen.

Im Rahmen der Studie wurden 562 Investoren, Analysten und Händler befragt, ob im Rahmen des Bitcoin-Handels mit einer Blase gerechnet werden kann. Über die Hälfte der Teilnehmer bestätigten, dass die virtuelle Währung auf einem nicht haltbaren Niveau gehandelt wird, was somit den Eindruck einer Preisblase vermittelt.

14 Prozent sehen Bitcoins deutlich am Rande einer Blase. Lediglich sechs Prozent gehen nicht von einer Preisblase aus, während 25 Prozent der Befragten sich nicht sicher sind, ob mit einer Blase zu rechnen ist.

Der Versuch eines Ausblickes

Somit häufen sich erneut die Nachrichten und Spekulationen über einen anstehenden Preisverfall. Reagiert aktuell der Preis? Eher Fehlanzeige.
Seit Anfang des Jahres ist es zumindest für den obersten New Yorker Finanzaufseher Benjamin Lawsky klar, dass das 2008 eingeführte virtuelle Geld an einem Wendepunkt angelangt ist:

Bitcoins dringen jetzt in eine neue Phase ein, in der sie vermehrt zum Mainstream gehören und die vielen Vorteile einer digitalen Währung deutlich werden,

sagte er gegenüber der Financial Times.

Lawsky will eine sogenannte BitLizenz einführen und damit ein Regelwerk ausarbeiten, das den Handel mit Bitcoins reguliert. Somit will New York als erster Bundesstaat eine offizielle Lizenz ausgeben, die den Handel mit virtuellen Währungen gestattet. Für institutionelle Anleger würde dies die lange ersehnte Rechtssicherheit bedeuten. Die BitLizenz könnte somit für ein Maß an Seriösität und Sicherheit stehen, das Kunden im Bitcoin-Markt bisher eher ein Fremdwort ist.

Lawsky ist optimistisch, dass das Regelwerk noch vor Ende des Jahres Anwendung finden könnte. Ob sich also die Vorurteile der Finanzexperten bestätigen werden und Bitcoins keinen Bestand haben werden, nachdem die virtuelle Währung ähnlichen Regeln und Bedingungen unterworfen wird wie bei anderen Zahlungssystemen, bleibt abzuwarten.

Aufmacherbild: digital money Bitcoins vector art Foto via Shutterstock / Urheberrecht: a1vector

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