BlackBerry Q5 im Test: Das spießige Jugendliche
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von Diana Kupfer

Krisenzeiten sind unruhige Zeiten: Seit BlackBerry am 12. August bekanntgab, seine Unternehmensstrategie zu überdenken und dabei auch einen Verkauf des Konzerns nicht ausschloss, brodelt es in der Gerüchteküche der Beobachter – erst recht, seit Microsoft Interesse an einer Übernahme bekundete. Noch halten sich Thorsten Heins & Co. bedeckt, wohl auch, weil in puncto Hardware noch nicht alle Karten ausgespielt sind. Wir erinnern uns: Drei Smartphone-Paare unterschiedlicher Preisklassen hatten die Kanadier Anfang des Jahres angekündigt. Mit dem Q5 erschien vergangenen Juli das erste BlackBerry-10-Gerät der mittleren Preisklasse: ein Smartphone mit Hardware-Tastatur wie das Q10. Es ist weniger großzügig ausgestattet, dafür in zusätzlichen Farbvarianten erhältlich. Ein BlackBerry für junge Nutzer also – ob die sich mit dem Q5 ködern lassen?

„Es ist cool, es ist neu und es hat nicht jeder Hinz und Kunz“, schreibt ein begeisterter Rezensent auf amazon.de über das gerade erworbene Q5. Den individuellen Touch der neuen BlackBerry-„Q“-Serie würde niemand bestreiten. Schon deshalb nicht, weil eine gute Portion Eigensinn dazu gehört, sich aus Liebe zum traditionellen Hardware-Keyboard mit einem quadratischen Touchscreen zu begnügen, der ohne Tastatur doppelt so groß wäre. Aber es gibt eben auch eingefleischte QWERTZ-Fans. Wie zufrieden sind die wohl mit dem Herzstück des Q5?

BlackBerry Q5
Die matte, schnell verschmierte Plastikrückseite des BlackBerry Q5 kommt nicht gerade hochwertig daher (© S & S Media Group).

Keyboard: Tastenzauber? Fehlanzeige!

Ob man sich über eine Hardware-Tastatur freut, ist die eine Frage; die andere ist, ob man sie hören möchte. Wer flache Flüstertastaturen gewohnt ist oder die Tastentöne auf seinen Mobilgeräten grundsätzlich stumm schaltet, wird angesichts der klappernden Knöpfe des Q5 mit den Augen rollen. Und nicht nur akustisch, auch haptisch ist keine nennenswerte Weiterentwicklung gegenüber den Curve-Modellen wahrnehmbar, von der linearen Anordnung einmal abgesehen. Die knubbeligen Knöpfe, durch etwa 2 Millimeter große Zwischenräume voneinander getrennt, sind mit ca. 5 x 6,5 Millimetern Fläche nur unwesentlich größer als die des älteren und viel kleineren Curve 9320 (4 x 6 mm). Da fragt man sich schon, weshalb der Platz nicht besser ausgenutzt wurde, siehe Bold oder Q10 (unser Test). Einziger Vorteil: Die Eingewöhnungszeit für Nutzer älterer Modelle ist gleich null. Dass jemand von einer Software-Tastatur auf ein Q-Gerät umsteigt, dürfte ohnehin eher die Ausnahme sein – bei dieser Tastatur allemal. Wer sowieso keine Lust auf QWERTZ hat, aber trotzdem gerne einen BlackBerry hätte, kann sich ja mal unseren Test des Flagschiffs Z10 zu Gemüte führen.

Übrige Hardware: nicht schön, nicht selten, aber gut

Durch seine nach hinten abgeschrägten Kanten wirkt das Q5 dynamischer, jugendlicher und weniger klobig als das Q10 mit seinen geraden Kanten, obwohl es nicht wesentlich kleiner ist. Auch die erhältlichen Farbvarianten lassen auf eine junge Zielgruppe schließen: Das Q5 wird nicht nur in schwarz und weiß, sondern auch in pink und rot feilgeboten. Mit 120 g liegt es spürbar leichter in der Hand als das Q10, das fast 20 g mehr auf die Waage bringt.

Die Abstriche, die man angesichts des gemäßigten Marktpreises (derzeit um die 350 Euro) hinnehmen muss, sind vor allem äußerer Natur: Die matte, schnell verschmierte Plastikrückseite kommt mit der Hochwertigkeit eines Tischtennisballs daher. Ein stabilisierender Metallrahmen wie beim Curve, Bold und anderen früheren Modellen fehlt. Auch andere originelle und charakteristische Designelemente, mit denen das Gerät vor allem neue, junge Nutzer auf sich aufmerksam machen könnte, sucht man vergeblich.

Der Rotstift wurde auch beim internen Speicher angesetzt. Hier ist das Q5 mit 8 GB nur halb so gut ausgestattet wie der große Bruder Q10. Der Akku ist indes etwas stärker. Bei dauerhaftem Abspielen von YouTube-Videos hielt er im Test sechseinhalb Stunden durch, bei normalem Betrieb bis zu zwei Tage. Einziges Manko: Er nicht austauschbar. Dafür lassen sich dank des seitlichen SIM- und SD-Karten-Slots entsprechende Karten während des Betriebs austauschen.

Was das Display angeht, steht das Q5 dem Q10 in nichts nach; die Auflösung ist bei beiden Geräten gleich. Da wir das Super-AMOLED-Display des Q10 zudem als zu dunkel empfanden, konnten uns Helligkeit und Farbtiefe des IPS-LCD-Bildschirms, mit dem das Q5 ausgestattet ist, nur positiv überraschen. Auch die Sichtbarkeit bei Tageslicht ist hervorragend. Nur leider spiegelt die Display-Oberfläche so stark, dass man bereits bei einem leicht schrägen Winkel Schwierigkeiten hat, Bildschirminhalte zu erkennen.

BlackBerry Q5 Front
Durch nach hinten abgeschrägten Kanten wirkt das Q5 dynamischer und weniger klobig als das Q10 (© S & S Media Group).

Dass die Hauptkamera Fotos mit lediglich 5 MP Auflösung schießt (Q10: 8 MP), tut der Bildqualität keinen sichtbaren Abbruch. Lediglich der Autofokus reagiert auf Bewegungen zuweilen allzu sensibel. Die Kamerasoftware bringt alles mit, was es zum Bearbeiten einer Fotografie à la Instagram braucht: acht künstlerische Effekte (Sepia, Whiteboard etc.) und acht weitere Stile (Sechziger Jahre, Cartoon etc.), leicht bedienbare Werkzeuge zum Aufhellen, Verdunkeln, Zuschneiden und Drehen. Auch der Time-Shift-Modus ist an Bord.

Software: kein Sparpaket

Nicht nur die Kamera-App, auch die übrige Software ist mit dem Serviceumfang des Q10 gleichauf. Nach dem Q10-Test haben wir beim Q5 nichts vermisst. Die gegenüber früheren BlackBerry-Versionen verbesserte Navigation – Codename: „BlackBerry Flow“ – ist nicht weniger flüssig als beim Q10. Prozesse werden in ähnlich rasanter Geschwindigkeit ausgeführt wie auf den anderen neuen Geräten, so dass das von BlackBerry angepriesene Multitasking kein leeres Versprechen bleibt. Kein Wunder, schließlich sind Dual-Core-CPU und Arbeitsspeicher ähnlich leistungsstark bzw. auf gleicher Höhe wie die Q10-Pendants. Einzig die Boot-Zeit beeindruckt wenig: Bei BlackBerry-Geräten von je her lang, betrug sie im Test 1 Minute und 38 Sekunden.

Fazit

Das geräuschvolle und haptisch unbefriedigende Keyboard des Q5 entzückt wenig. Enttäuschend ist auch der spartanische, „billige“ Look der übrigen Hardware. Es fehlt das gewisse Etwas älterer BlackBerry-Geräte – auch knallige Farben kompensieren kein einfallsloses Design. Aus unserer Sicht wird die junge Zielgruppe damit leider verfehlt.

Von Äußerlichkeiten einmal abgesehen, findet das QNX-basierte, beispiellos solide Betriebssystem BlackBerry 10 auch in diesem Gerät ein angemessenes Vehikel. Wem das Design egal ist oder wer bereits ein älteres Curve-Modell besitzt und sich nicht an eine neues Tastaturgefühl gewöhnen möchte, der ist mit dem Mittelklassegerät gut beraten. 

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