BlackBerry und der Fluch des Anti-Hypes
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Es gibt Personen oder Institutionen, die in der Öffentlichkeit regelmäßig ihr Fett wegkriegen. Da ist es egal, wie sehr sie bemüht sind, ihr Image zu verbessern, denn so ein Anti-Hype ist schwer reversibel.

Und es gibt Meinungsmacher, die sich als (Technologie-)Propheten gerieren, in Wahrheit aber nur unreflektiert das wiedergeben, was ihrer Auffassung nach der populären Meinung entspricht. Schwarmintelligenz kann schließlich nicht verkehrt sein. So geraten Behauptungen in Umlauf, deren Wahrheitsgehalt nicht durch einen Faktencheck, sondern allein durch Mantra-artiges Wiederholen zu steigen scheint. Das Populäre bekommt dadurch den Anstrich des Unumstößlichen verpasst. Und das führt im schlimmsten Fall zum totalen Popularitätsverlust desjenigen, der gerade auf der allgemeinen Abschussliste steht. 

BlackBerry Z10 - Nicht wenige Meinungsmacher würden BlackBerry am liebsten von hinten sehen.
BlackBerry Z10: Nicht wenige Meinungsmacher würden BlackBerry am liebsten von hinten sehen ().

Requiem auf BlackBerry, da capo

Der Fluch eines Anti-Hypes lastet seit geraumer Zeit auf BlackBerry. Zugegeben: nicht ohne eigenes Verschulden. Nun löste vergangenen Donnerstag die Meldung über die angeblich hohen Rückgaberaten des neuen Geräteflaggschiffs Z10 einen Kurseinbruch von rund 7,7 Prozent aus. Schon kehrten die Abgesänge aus dem vergangenen Jahr in die Schlagzeilen zurück. So titelten etwa die „Chip online“ und die „Telekom Presse“ unisono: „Das Blackberry Z10 floppt“ bzw. „Analysten: BlackBerry Z10 floppt in den USA“. Der Subtext war eindeutig: „We told you so“.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis auf diese Hiobsbotschaft, die Marktanalysten von Detwiler Fenton & Co. und ITG Investment Research in die Welt gesetzt hatten, ein heftiges Dementi aus Ontario folgte: Laut BlackBerry-CEO Thorsten Heins erfüllen die Verkaufsraten des Z10 durchaus alle Erwartungen. Die Zahl der Rückläufer übersteige keineswegs die prognostizierte Rate oder den Branchendurchschnitt, so Heins, der den Analysten eine „grobe Fehlinterpretation der Daten oder eine vorsätzliche Manipulation“ unterstellte und eine Überprüfung der Analyse durch US-amerikanische und kanadische Regulierungsbehörden forderte.

Time will tell

Ja was denn nun? Befindet sich Blackberry nach wie vor auf Talfahrt oder auf dem lang ersehnten Weg der Genesung nach Jahren des – nicht nur, aber auch durch überzogene Häme verursachten – Absturzes? Meine Antwort: Abwarten! Fakt ist, dass der Konzern, der bis Ende Januar noch RIM hieß, mit dem gerade veröffentlichten neuen Betriebssystem Blackberry 10 einen großen Rückstand aufzuholen hat. Schließlich war das Release im vergangenen Jahr mehrmals aufgeschoben worden – zur großen Enttäuschung von Fans und Anlegern, die sich verständlicherweise ungern hinhalten ließen. BlackBerry 10 macht diese lange Auszeit jedoch wett und hat durchaus das Zeug dazu, das Vertrauen der User und Aktionäre zurückzugewinnen. Es ist ein solides und wettbewerbsfähiges Betriebssystem mit großartigen Neuerungen in der Bedienung, wie wir in unserem Test des BlackBerry Z10 im aktuellen Mobile Technology Magazin befanden. Das Gerät hat uns auf ganzer Linie überzeugt, und wir sind bei Weitem nicht die einzigen. Allerdings werden selbst in positiven Rezensionen eher leise Töne angeschlagen. Richtige „Rave Reviews“ wie bei Konkurrenzgeräten liest man selten. Auch, dass Kanzlerin Angela Merkel mit einem Z10 inklusive SecuSmart-Sicherheitslösung liebäugelt, scheint in der Diskussion darüber, wie es um BlackBerrys Zukunft bestellt ist, kaum ins Gewicht zu fallen. Dennoch: Gibt es irgendeinen rationalen Grund, eine Technologie totzureden, ihr einen „Flop“ zu attestieren, noch bevor sie richtig Verbreitung gefunden hat, zumal erst ein BB10-Device auf dem Markt ist? Nein.

Totgesagte leben länger – oder auch nicht

An seinem Image muss BlackBerry freilich noch feilen, um wieder jüngere Zielgruppen anzusprechen, nicht nur Business-Kunden oder unerschütterliche Fans, die auch eigenwillig umgetextete Rock-Klassiker nicht verschrecken. Aber auch hier probiert der Konzern im Rahmen einer groß angelegten Marketing-Kampagne bereits neue Spielarten aus, sei es in Form eines Spots beim Super Bowl oder durch junge Künstler wie Alicia Keys, die BlackBerry ein neues, jüngeres Gesicht verleihen. Doch einmal ganz davon abgesehen, dass gutes Produktmarketing in Zeiten der Vielfalt ein entscheidender Erfolgsfaktor ist: Wäre es nicht bedauerlich, wenn eine bewährte, langlebige und hoch innovative Technologieplattform, der Smartphone-Pionier schlechthin, auch deshalb scheitern würde, weil weite Teile der Technologiepresse BlackBerry nicht be- sondern nur noch abschreiben, und das aus nicht länger nachvollziehbaren Gründen?

Man misst den Puls des angeschlagenen Unternehmens nicht, indem man nach dem ersten Schlag aufhört zu zählen. Die nächsten Wochen und Monate werden Klarheit über die Zukunft der Plattform und des Unternehmens bringen. Lassen wir uns überraschen. Blenden wir die Vorurteile aus, die uns in den vergangenen Jahren von allen Seiten zugeraunt wurden. Und vor allem: Vertreiben wir uns die Zeit der Ungewissheit nicht mit vorschnellen Mutmaßungen und reißerischen, uninformierten Untergangsprophezeiungen – es sei denn, uns liegt daran, dass sich diese erfüllen.

Quelle alle Bilder: BlackBerry

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