BND zapft seit zwei Jahren deutsche Internet-Provider an
Kommentare

Wie Spiegel Online berichtet, haben deutsche Internet-Provider schon seit zwei Jahren dem Bundesnachrichtendienst (BND) Zugriff auf ihre Kommunikationsleitungen eingeräumt. Angeblich habe der Verband der deutschen Internetwirtschaft eine entsprechende Anordnung „zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“ erhalten. Diese sei von Bundeskanzleramt und Bundesinnenministerium abgezeichnet. Aus dem Schreiben geht hervor, dass der BND ausgewählte Leitungen von 25 Providern am Knotenpunkt De-Cix in Frankfurt anzapft, darunter die deutschen Firmen 1&1, Freenet, Strato AG, QSC, Lambdanet und Plusserver. Laut Experten dienen diese Leitungen vornehmlich dem Transport von innerdeutschem Datenverkehr. Allerdings ist ein Abhören von deutschen Telefonaten und deutschem Datenverkehr im Rahmen der oben genannten Anordnung ausgeschlossen, da diese in den Bereich der strategischen Fernmeldeaufklärung fällt und vor allem auf Regionen wie Zentralasien, Naher Osten, Nordafrika und Russland abzielt. Dabei wird der Datenstrom von BND auf Keywords aus den Bereichen Terrorismus oder Proliferation durchforstet.

Eine Einschränkung, man ahnt es bereits, gibt es bezüglich der Überwachung deutscher Staatsbürger dennoch: In sogenannten „Ausnahme- oder Einzelfällen“ kann der BND auch deutsche Kommunikation ausspähen.

Der BND wollte sich diesbezüglich nicht gegenüber Spiegel Online äußern. Wie man ebi SPON allerdings erfahren haben will, kam es in der Vergangenheit des Öfteren zu Problemen mit den deutschen Internet-Providern: Offensichtlich wurden die Abhöranordnungen den Providern regelmäßig verspätet zugestellt, weswegen zwischenzeitlich sogar mit einer Kappung der Leitungen gedroht wurde.

Welche Rolle die großen Technologiekonzerne wie Apple und Google in der weltweiten Überwachung von Nutzern spielen beziehungsweise wie sicher unsere Daten bei ihnen sind, hat die Kollegin Marja-Liisa Jöckel in ihrem Beitrag „Google kennt deine WiFi-Passwörter, Apple deine iMessages aber User-Daten sind selbstverständlich ’sicher‚“ erläutert. Und ist man kein Konzern, hat man meist nur wenig bis gar keine Möglichkeiten, sich gegen staatliche Zugriffe zu wehren. Das zeigt auch das Beispiel des Lavabit-Chefs Lardar Levison, der erst jetzt die wahre Geschichte hinter der Schließung des vermeintlich abhörsicheren E-Mail-Providers erzählen konnte.

Aufmacherbild: Who watches the watchmen? Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Stephan Kapl 

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -