Breitband-Ausbau: Telekom soll Wettbewerber gezielt blockieren
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Der Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) hat in einer Pressemitteilung die Deutsche Telekom für ihre Vorgehensweise beim Netzausbau kritisiert. Die BREKO wirft dem Bonner Konzern vor, den Netzausbau „zunehmend taktisch motiviert“ zu betreiben und „dabei den Wettbewerb gezielt“ zu behindern.

Im Zentrum der Kritik steht laut des BREKO die Tatsache, dass die im Bundesverband zusammengeschlossenen Festnetz-Wettbewerber der Deutschen Telekom derzeit immer häufiger Konfliktfälle beim VDSL-(Vectoring-)Ausbau melden. In immer mehr Fällen gebe die Deutsche Telekom ausgerechnet dann den Netzausbau bestimmter Gebiete bekannt, „wenn dort bereits ein Wettbewerber aktiv ist beziehungsweise selbst einen Ausbau angemeldet hat.“ Als Beispiel wurde ein Fall angeführt bei dem das BREKO-Mitgliedsunternehmen RhönEnergie aus dem hessischen Fulda den Ort Hosenfeld mit 20 Kabelverzweigern mit VDSL versorgen wollte. Dazu wurden entsprechende Ausbau-Anträge bei der Deutschen Telekom gestellt. Kurz darauf habe sich das Bonner Unternehmen jedoch bei der Gemeinde gemeldet und mitgeteilt, es werde insgesamt 5 Kabelverzweiger bis Mitte 2014 selbst mit VDSL erschließen.  

Der BREKO stellt klar, dass zwar der parallele Einsatz von VDSL an einem Kabelverzweiger durchaus möglich sei, diese absolute Ausnahme rechne sich für zwei Anbieter in der Regel allerdings nicht. Zudem sei ein Konflikt mit dem Start von VDSL Vectoring absehbar, denn die Vectoring-Technik könne bekanntermaßen nur von einem Carrier betrieben werden. Darüber hinaus erkläre sich die Telekom in vielen Fällen nicht bereit, eine ganze Gemeinde oder Region mit VDSL zu versorgen, sondern suche sich vielmehr nur die besonders lukrativen Kabelverzweiger – in deren Einzugsgebiet viele Menschen wohnen – heraus. „Der (unlukrative) Rest der Gemeinde schaut dann in puncto Breitband einerseits in die Röhre“, bemängelt der BREKO. „Das Rosinenpicken der Telekom boykottiert den Breitband-Ausbau in ländlichen und unterversorgten Gebieten“, kritisiert BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. „Statt eines taktischen Ausbaus sollte der Konzern bedarfsgerecht – und damit für die Menschen – ausbauen!“ 

VDSL Vectoring kommt zum Einsatz, um die Daten-Übertragungsleistung über Kupferstrecken zu optimieren. In der Regel wird für die Übertragungsstrecke vom sogenannten Multifunktionsgehäuse (MFG, die grauen Verteilerkästen am Straßenrand) Kupferkabel eingesetzt. Dabei tritt zwangsläufig eine Dämpfung des Signals auf. Die Vectoring-Technik minimiert diese Dämpfung, indem elektromagnetische Störsignale zwischen Kupferleitungen reduziert werden, und erlaubt so Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 100MBit/s.

Aufmacherbild: Technology center with fiber optic equipmen Foto via Shutterstock / Urheberrecht: asharkyu

 

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