Business Apps: Native vs. Mobile
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„Wir brauchen eine App“ – diesen Satz haben die meisten Mobile-Entwickler schon häufiger zu hören gekommen. Dabei steckt hinter einer erfolgreichen mobilen Applikation viel mehr als nur „einfach mal zu machen“. Hat eine App überhaupt einen Mehrwert für den Kunden? Und wenn ja, eintscheide ich mich für eine Native App oder eine Mobile Web App?

Keine Unternehmens-App ohne gut durchdachtes Konzept

Lars Röwekamp, Gründer des IT-Beratungs und Entwicklungsunternehmens open knowledge GmbH, hat auf der diesjährigen MobileTech Conference in Berlin einen Vortag zum Thema „Mobile meets Enterprise“ gehalten, in dem er erklärt, warum es so wichtig ist, nicht ohne gut durchdachtes Konzept den Schritt ins mobile Netz zu wagen und welche Faktoren Unternehmen abwägen müssen.

Aus Fehlern der anderen lernen

Momentan befinden wir uns in der zweiten Welle der mobilen Anwendungen. Bei den zahlreichen Apps, die mit den ersten Smartphones und mit der erste Welle der Apps auf den Markt kamen, sind bereits die meisten Fehler gemacht worden. So lohnt es sich immer, sich zunächst einmal die schon bestehende mobile Auftritte anzusehen und eine Fehleranalyse zu machen, um die typischen Fehltritte vermeiden.

Welches Betriebssystem ist das richtige?

Bevor man mit der Programmierung der App beginnt, muss man sich erst einmal darüber im Klaren sein, auf welchem Betriebssystem die App laufen und in welchem App Store sie später zu finden sein soll. Neben iOS und Android gibt es mit Windows Phone und Blackberry OS noch ein ganze Reihe weiterer mobiler Plattformen.

iOS vs. Android

Die meisten Kunden tendieren erst einmal zu iOS, was wohl mit der allgegenwärtigen Präsenz von Apple-Produkten zusammenhängt. Das mach aber unter Umständen keinen Sinn, denn der Marktanteil von iOS Smartphones beträgt nur 12,9 Prozent, wohingegen Android Smartphones mit 81 Prozent eindeutig den Markt beherrschen. Auf der anderen Seite machen iPhones aber den meisten Umsatz mit den Apps. Auch bei den Shipping-Zahlen von Tablets führt Android mit 56,6 Prozent Marktanteil zu 38,6 Prozent auf Seiten der iPads. Trotzdem sind auch hier die iOS Apps umsatzstärker. Hier muss genau abgewogen werden, welche Zielgruppe mit der App angesprochen werden soll und ob der Schwerpunkt auf Umsatz oder Reichweite liegt.

Statistik: Prognose zu den Marktanteilen der Betriebssysteme am Absatz vom Smartphones weltweit in den Jahren 2014 und 2018 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista.

Native Mobile App

Die nächste Frage, die sich nun stellt ist: Native, Web oder Hybrid App? Alle drei Formen haben klare Vor- und Nachteile. Ein Vorteil der Native Apps sind die spezifischen SDKs, Tools und Coding-Sprachen. Der Developer arbeitet nah am Betriebssystem, muss aber wiederum für jedes System eine eigene Sprache lernen. Das hat zur Folge, dass es keine so große plattformspezifische Entwickler-Community gibt.

Die Native Apps arbeiten online aber auch offline und zwar mit einer optimierten Performance, denn native ist immer schneller. Auch bezüglich  Usability und Interface können Native Apps im Vorteil sein. Das ist vor allem bei iOS mit seinen besonders strengen Design-Vorgaben zu sehen, denn die Apps haben ein ganz bestimmtes „Feeling“ was die Bedienung und Optik angeht. Baut jemand eine native App nach, geht dieses Nutzungsgefühl häufig verloren, denn Swipen, Scrollen oder die Buttons können fehlerhaft erscheinen. Auch die Glaubwürdigkeit der App leidet unter diesem Mangel an Echtheit.

Für Unternehmen ist die Monetarisierung der Apps besonders wichtig. Da es für Native Apps und das jeweilige Betriebssystem bereits einen bestehenden App Store gibt, lassen sich die Anwendungen auch leichter vermarkten. Im finanziellen Bereich liegt aber auch der Nachteil der nativen Apps: Entwicklung und Betrieb kann ziemlich teuer sein, was sich noch summiert, wenn verschiedene Plattformen bedient werden sollen.

Mobile Web App

Eine Alternative zu den Native Apps ist eine Online-Präsenz im Mobile Web. Die Mobile Web Apps basieren auf allgemeinen Programmiersprachen wie HTML5, Java Script oder CSS3 und die Community der Web-Entwickler ist wesentlich größer als der der Mobile-Entwickler. Außerdem dienen hier Mobile Web Browser und Web Server als Entwicklungsgrundlage. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass die Web-Applikationen häufig nur im Online-Modus arbeiten, man also auf mobiles Netz oder eine WLAN-Verbindung angewiesen ist.

Der größte Vorteil der Mobile Web Apps ist aber wohl, dass diese plattformunabhängig sind. Da sie im Browser laufen, lassen sie sich von jedem Device und von jeder Plattform aus öffnen. Trotzdem kann die Device- und Browser-Diversität auch zu Problemen führen, denn aufgrund dieser Fragmentierung können nie alle Macken von Geräten und Browsern vorhergesehen werden und so manche Features der App nicht richtig ausgespielt.

Ein weiterer Nachteil der Web-Applikationen ist, dass sie nicht in einen App Store gestellt werden können. Um sie richtig vermarkten zu können braucht man ein zusätzliches Monetarisierungskonzept. Nichtsdestotrotz spart man einiges an Kosten, wenn es um die Programmierung geht. Auch hier muss man also wieder einmal abwägen.

Hybrid Apps – die Lösung?

Es liegt also nahe, auf Hybrid Apps zurückzugreifen, denn diese vereinen augenscheinlich die Vorteile von Native und Web vereinen. Um eine solche Hybrid App zu generieren, gibt es verschiedene Methoden. Es kann zum Beispiel eine Anwendung als Web App programmiert werden. Anschließend wird dann durch einen sogenannten Cross Compiler ein nativer Code von der nicht nativen App erzeugt – die App wird also in einen Native Wrapper gehüllt und kann dann in den jeweiligen App Store gebracht werden. Besonders praktisch: Die Anwendung muss nur einmal geschrieben werden und kann anschließend in die unterschiedlichen Betriebssysteme „gehüllt“ werden. So kann man kostengünstig die Präsenz auf die verschiedenen App-Stores ausweiten.

Das klingt zwar nach einer optimalen Lösung, es gibt jedoch auch einige Nachteile. Die künstlich generierten Native Apps sind an die Vorgaben der App Stores bezüglich User Interface, Performance etc. gebunden. Werden diese nicht erfüllt, wird die App nicht in den Store aufgenommen. Auch was die Implementierung von neuen System-Features angeht, müssen diese bei den Hybrid Apps quasi von Hand einzeln eingebaut werden. Damit sind sie immer ein wenig hinter den Native Apps zurück, die direkt automatisch aktualisiert werden. Auch die Performance leidet unter dem „Native Wrapping“ und man muss dadurch Qualitätseinbußen hinnehmen.

Plattform und Art der App hängt von Zielgruppe und Mehrwert ab

In welche Richtung gehe ich also mit meiner Unternehmens-App? Alle Anwendungsformen haben offensichtlich vor und Nachteile, die man gegeneinander abwägen und auf die Zielgruppe anpassen muss. Vor allem ist es aber wichtig, durch die App einen Mehrwert für den User zu schaffen und nicht einfach einen mobilen Klon der Website zu erzeugen. Ist das nicht der Fall, können die User zurück zur Web-Ansicht oder zur App der Mitbewerber wechseln. Der Mehrwert ist also essentiell für Kundengewinn und Umsatz.

Native ist häufig die bessere Lösung

Aus der Erfahrung von Lars Röwekamp landen die meisten Unternehmen am Ende bei den Native Apps, da diese einfach mit besserer Performace punkten können. Außerdem haben sie Features wie Geolocation, Offline-Betrieb, Zugriff auf Adressbuch, Kamera, Businessdaten etc., was gerade im Business-Kotext von Bedeutung sein kann. Der Hauptgrund für hybride Apps ist meistens der günstigere Preis. Streicht man aber ein paar Funktionen oder hat man ein gutes Monetarisierungskonzept, kann man auch mit Native-Apps ein solides Kosten-Nutzen-Verhältnis erzielen.

Aufmacherbild: develop smartphone apps via Shutterstock / Urheberrecht: Ai825

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