Byebye Nokia, hello Windows Phone
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Seit Anfang September ist es so gut wie besiegelt: Die Handysparte von Nokia geht für 7.2 Milliarden Dollar an Microsoft. Den Markennamen „Nokia“ behält das finnische Unternehmen allerdings. Lediglich die „Asha“ und „Lumia“ Trademarks gehen an den Softwaregiganten aus Redmond. Nokia behält damit sein Patent-Portfolio und erteilt Microsoft eine 10-jährige Lizenz für seine Patente. Nokia wird im Gegenzug gewährt, Patente von Microsoft zu nutzen.

Wird es nun nie wieder ein Nokia-Phone geben? Laut the Verge wollen die Finnen ab dem 31. Dezember 2015 den Markenname nicht mehr für mobile Geräte benutzen. In Zukunft sollen dann laut Nokia – außer Feature-Phones auf Basis des Serie 30- und Serie 40-Betriebssystems – keine Handys oder Smartphones mehr mit dem Markenbranding produziert werden. Mit dem Verkauf der Sparte reagiert der ehemalige Marktführer auf die schwindenden Marktanteile. Die Traditionsmarke verlor den Anschluss an die mobile Entwicklung der letzten Jahre und wurde von Samsung und Apple weitestgehend vom Markt gedrängt.

Aber was verbirgt sich hinter dem Deal? Wird Nokia gänzlich auf dem mobilen Markt aussteigen? Laut Steve Ballmer, CEO von Microsoft, ist der Deal ein „ein kühner Schritt in die Zukunft“ und soll „ein Gewinn für die Mitarbeiter, die Aktionäre und die Kunden beider Unternehmen“ darstellen. Spannend ist, dass nun die Auslieferung der „large-scale phablets“ von Nokia nicht wie geplant Ende September stattfindet. Laut Reuters gibt es bis jetzt keinen Kommentar zu einem neuen Launch Event.

Die rasanten Veränderungen im Bereich Mobile haben bereits im letzten Jahr bei einigen Unternehmen zu strategischen Wandel geführt. Denkt man an die Spannung rund um den Verkauf der Motorola-Patente vor zwei Jahren zurück. Mit der Übernahme der Nokia-Technologie steht nun Microsoft den Marktführern im Smartphone-Geschäft Apple und Google in Nichts mehr nach. Auch Sony hatte im Frühjahr 2012 das Handygeschäft Sony Ericsson, vom Joint-Venture-Partner Ericsson, übernommen und damit wieder in den eigenen Konzern eingegliedert. Die Stärke scheint in Fokussierung auf Kernkompetenzen zu liegen. Und die Spekulationen um den möglichen Verkauf von Nokias Mobile Sparte schwelten schon seit einigen Jahren. Zwar war die Lumia-Reihe von Nokia recht erfolgreich, der erhoffte Verkaufsschlager blieb aber aus und konnte den von Umstrukturierungen und Krisen geschüttelten finnischen Konzern nicht schnell genug wieder auf Kurs bringen.

Die noch übrigen drei Sparten: „NSN“ (Nokia-Siemens-Networks), Netzwerk-Infrastruktur und -Services; „Here“, Karten- und Ortungs-Services und „Advanced Technologies“, Technologie-Entwicklung und -Lizensierung werden weiter ausgebaut. Nach der Zeit will Nokia sich nun stärker auf das Netzwerkgeschäft konzentrieren. „NSN“ soll künftig das Kernstück des Unternehmens werden, und am meisten Arbeit machen. Auch der Kartendienst „Here“ soll ein Kernprodukt darstellen. In der finnischen Zentrale in Espoo wird vorerst Aufsichtsratschef Risto Siilasmaa die Konzernleitung übernehmen. Das sind bei Nokia ein Ende der mobilen Geschäfte abzeichnete, soll nach Manager Magazin seit Juli der Fall gewesen sein. Analysten sind der Meinung, dass der Deal Nokia mehr zu Nutzen kommt als Microsoft. Kritiker betrauern förmlich Nokias offensichtlichen Ausstieg aus dem Handygeschäft.

Noch scheint es allerdings Unklarheiten zu geben. Die Position des CEO (Chief Executive Officer) ist nicht final besetzt. Auch bei Microsoft wird Steve Ballmer gehen. Wie die weitere Zusammenarbeit der beiden Konzerne konkret aussieht, wird sich je nach Besetzung noch zeigen.

Was diese Entwicklungen für den Endkunden bedeuten? Es bleibt erst einmal wie gehabt. Es sind noch Bestände von Nokia-Mobile-Geräten vorhanden. Microsoft wird wohl in Zukunft die Windows Phone-Brand auf Smartphones bringen und Nokia wird auf Kurz oder Lang so gut wie aus den Regalen von Elektronikfachverkäufern verschwinden. Da noch ungeklärt ist, wann und mit welchem Branding die noch von Nokia angekündigten Devices an den Start gehen werden und Microsoft die eigene Marke stärken will, ist auch weiterhin von spannenden Entwicklung auszugehen. Die Aktionäre werden am 19. November über den Deal entscheiden. Bis dahin wird sich wohl in Zurückhaltung und Geduld geübt werden müssen. Für Nokia-Fans wird das möglicherweise ein tatsächlich tragischer Tag.

Aufmacherbild: Customer service telephone assistance concept von Shutterstock / Urheberrecht: sgm

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